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Noch ist fast alles offen, was die neue Fußballsaison in der Oberliga Baden-Württemberg betrifft. Klar ist lediglich, dass die Runde 2020/2021 am Wochenende des 22. und 23. August beginnen soll. Doch in welchem Modus wird gespielt?

In einer Videokonferenz am Mittwochabend stellte die Oberliga-Spielkommission der Verbände Baden, Südbaden und Württemberg den Vertretern der 21 Vereine zwei Modelle vor: Eine normale Saison mit Hin- und Rückrunde, die 40 Spiele und etliche englische Wochen beinhalten würde. Oder alternativ eine Hinrunde und ab April 2021 eine in Playoff- (zehn Mannschaften) und Playdown-Runde (elf) aufgeteilte Staffel. Quasi eine Meister- und Abstiegsrunde, unter Mitnahme aller zuvor erspielten Punkte. Die Vereinsvertreter haben nun bis Sonntag Zeit, der Spielkommission ihre Einschätzung zukommen zu lassen.

In Neckarsulm hätte man sich eine Vorab-Information gewünscht

"Ich empfinde es als komische Vorgehensweise der Oberliga-Kommission, zu einer Videokonferenz einzuladen, in der die Vereinsvertreter völlig unwissend sind, um was es eigentlich geht, und dann mit einem solchen Vorschlag konfrontiert zu werden und eine Meinung dazu zu äußern", sagt Thorsten Damm, Sportlicher Leiter der Neckarsulmer Sport-Union. "Ich hätte mir eine Vorab-Information gewünscht. Man hat schon den Eindruck gewonnen, dass die Kommission definitiv das Playoff/Playdown-Modell favorisiert."

Etliche Vereinsvertreter kritisierten die Vorgehensweise der Kommission. Unter anderem gab es Wortmeldungen von Vereinsvertretern wie: Die Vorbereitung auf diese Sitzung sei erbärmlich. Oder: Wie solle man jetzt zu so einem Vorschlag eine Meinung abgeben, wenn man erst fünf Minuten vorher das erste Mal davon gehört habe?

Vereine fühlten sich am Mittwochabend überfahren

"Es hat keiner von der Kommission gewollt, dass sich die Vereine überfahren fühlen", bezieht Jos Macias als WFV-Mitarbeiter und Oberliga-Staffelleiter Stellung. "Die Vereine wurden über die Situation informiert, mit der Bitte, sich bis zum Wochenende darüber Gedanken zu machen." Sind bis Sonntag die Stellungnahmen der Vereine eingegangen, "wird am Montag die Oberliga-Spielkommission darüber befinden". Die Vereine entscheiden jedoch nicht darüber, welches Modell gespielt wird, sondern die Kommission - unter Abwägung der Rückmeldungen.

Nicht alle Vereine wurden durch den Playoff/Playdown-Modus überrascht, der eine oder andere Oberliga-Club hatte schon Tage zuvor aus irgendwelchen Quellen davon Kenntnis erhalten.

NSU gehört zu den Unschlüssigen im Drittel-Mix

"Es wurde kontrovers diskutiert", sagt Damm. "Es war ein Drittel-Mix. Die einen haben gesagt, der Alternativ-Modus macht Sinn, da man weniger Spiele hat, auch weniger unter der Woche. Andere wissen jetzt schon, sie tendieren klar zum traditionellen Modell. Das letzte Drittel ist unschlüssig." Zu den Unschlüssigen gehört die NSU.

"Jeder musste davon ausgehen, dass nach Corona nicht der klassische Weg gespielt werden kann. Dass sich die Oberliga-Spielkommission darüber Gedanken macht, dürfte allen klar gewesen sein", sagt Dario Caeiro, Fußball-Vorstand des Hohenlohe-Vertreters TSV Ilshofen. "Was bei vielen Vereinen falsch rübergekommen ist, war die Meinung, dass man sich an diesem Abend entscheiden müsse. Aber man hat ja Zeit bis zum Wochenende. Es war ein reiner Informationsabend."

Caeiro war etwas darüber irritiert, wie manche Vereine reagiert haben. "Es war zu merken, dass das Verhältnis zwischen den Clubs und dem Verband derzeit etwas angespannt ist."

TSV Ilshofen ist für die kürzere Variante

Was den TSV Ilshofen betrifft, sagt Caeiro: "Ich habe mich für die Playoff/Playdown-Variante ausgesprochen. Wir haben keine Profis. Die Belastung mit 40 Saisonspielen im traditionellen Verfahren ist für uns undenkbar."

Caeiro gibt weiter zu bedenken: "Es geht nicht nur um die Spieler. Da ist der Grillmeister, der Team-Manager, die Betreuer. Man hätte ja auch keine freien Feiertage mehr. Es würde an Ostern zwei Mal gespielt werden, an Pfingsten, Fronleichnam und Christi Himmelfahrt. Spiele bis Mitte Dezember - und Ende Februar würde es schon wieder losgehen." Und da dürfen wetterbedingt keine Begegnungen ausfallen. "Der Playoff-Weg ist der richtige, um die Belastung runterzufahren." Man darf gespannt sein, was am Ende entschieden wird.

Der Ärger war Ralf Bantel deutlich anzuhören. "Ich bin stocksauer. Das hat einen Riesenaufruhr gegeben, auch bei anderen Bezirken", sagt der Hohenloher Fußball-Bezirksvorsitzende. Für großes Unverständnis hat die letzte Bekanntgabe des WFV (Württembergischer Fußball-Verband) gesorgt.

"Da zitiere ich mich gerne selbst und stehe auch dazu: Das hat man uns vor den Latz geknallt." Vor allem was den Bezirkspokal der vergangenen Saison anbelangt, fühlt sich Bantel überrumpelt.

Allerdings soll es am heutigen Donnerstag nochmal eine Videokonferenz mit dem Verband zu dem Thema geben. Schon bei der Bekanntgabe der Beschlussfassung zum Saison-Abbruchs-Szenario hatte Bantel ähnliche Worte benutzt und war vom Verband dafür kritisiert worden.

Bis 3. August muss ein WFV-Pokal-Teilnehmer genannt werden

Das Problem: "Wir können den Bezirkspokal zwar selbst ausrichten, müssen aber bis 3. August den Teilnehmer am WFV-Pokal der nächsten Saison melden", erklärt Bantel.

Zumal es in den vergangenen Tagen einen Schlingerkurs gab. Beim außerordentlichen Verbandstag wurde den Bezirken freigestellt, wie mit dem Bezirkspokal weiter umgegangen werden soll. Wenige Tage später folgte die Tendenz, den Wettbewerb abzubrechen, jetzt ist wieder alles freigestellt.

Bezirk würde den verbliebenen Mannschaften gerne Spiele und auch Training ermöglichen

Den verbliebenen Teilnehmern würde der Bezirk Hohenlohe vor den Spielen - es stehen noch ein Viertelfinale und die Halbfinals aus - gerne genügend Zeit zum Trainieren geben. Doch nun ist der Druck groß. Zumal es im Moment trotz der Lockerungen noch viele Fragezeichen gibt. "Das gibt uns schon ein ungutes Gefühl. Das stinkt mir und nicht nur mir. So müssen wir im Juli noch sehen, wie wir die Spiele durchbekommen. Und die Vereine würden gerne spielen."

Schließlich steht man nicht jedes Jahr im Pokal-Halbfinale. Da im Juli aber nur 100 Zuschauer erlaubt sind, müssen die Partien praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. "Unser Plan war, die Spiele Anfang August durchzuziehen, wenn zumindest 500 Zuschauer auf den Platz dürfen."

So gibt es im Bezirk nun allerlei Gedankenspiele. In einem davon soll wenigstens das Finale am 2. August über die Bühne gehen. "Dann könnten wir den Finalisten jeweils 200 Karten geben. Und ohne braucht gar kein Zuschauer kommen", sagt Bantel. Er hofft, dass es in der Konferenz vielleicht einige Hilfestellungen vom Verband gibt.

Früher überbezirklicher Saisonstart wirft Fragen auf

Und nicht nur er wurde vom Zeitplan des Verbandes überrascht. In den vergangenen Wochen war - wegen der Corona-Pandemie und der deshalb aufgestellten Regeln - immer von einem Saisonstart im September die Rede. Höchstens am Rande und zwischen den Zeilen war zu vernehmen, dass man auch früher mit der Saison anfangen würde. Der Starttermin in den überbezirklichen Ligen am 22./23. August ist nach den Lockerungen nur zu verständlich, wirft aber einige Planungen über den Haufen. Denn durch die großen Ligen steht man unter enormem Zeitdruck.

Noch prekärer wird es durch die erste WFV-Pokalrunde der nächsten Saison am 8. August. Auch der WFV wurde von den Lockerungen überrascht, er hatte es aber versäumt, frühzeitig mit der Politik das Gespräch zu suchen. Dann wären die Planungen eventuell klarer möglich gewesen.

Kommunikation passte laut Bantel nicht

"Wir haben doch einen Präsident, der Bürgermeister ist, da dachte ich schon, dass er das Ohr näher an der Politik hat. Im Moment drehen die etwas stark am Rad", sagt Bantel. "Irgendwie sind alle übergangenen worden. Wie es kommuniziert wurde, ist unschön. So verärgern sie uns. Wir wurden überrollt."

Und noch etwas kommt für ihn dazu. "Ich finde die Lockerungen der Landesregierung grenzwertig. Und genauso grenzwertig ist es, so schnell auf den Zug aufzuspringen. Die Verantwortung liegt jetzt ja irgendwie auch bei uns. Das ist auch für die Mannschaften nicht schön. Ich hatte erwartet, dass man da etwas vorsichtiger ist."

Tendenz geht zum Saisonstart in Hohenlohe Ende August

Nachdem Bantel so überrascht wurde, will er sich erstmal mit seinen Vorstandskollegen zusammensetzen und beratschlagen. "Das war für den 7. Juli angesetzt. Wir werden es wohl vorziehen." Denn es geht nun auch darum, wann im Bezirk die Saison starten soll. "Die Tendenz geht nun schon auch dahin, eine Woche früher als geplant zu starten", sagt Bantel. "Dann hätten wir einfach mehr Spielraum." So würde es im Bezirk mit der Saison am letzten August-Wochenende (29./30.) statt wie angedacht am ersten September-Wochenende starten.

"Spannend wird es bei uns in der Bezirksliga mit 18 Mannschaften, alle anderen Ligen sollten problemlos machbar sein", sagt Ralf Bantel. "Ich denke, es sollte funktionieren, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Das einzige, das es etwas verkompliziert, ist, dass wir vor der Europameisterschaft fertig sein wollen." Zudem weiß noch keiner, was passiert, sollte in einer Mannschaft ein Corona-Fall auftreten. Denkbar wäre eine Quarantäne für die Spieler. "Ich habe aber noch nichts gehört", sagt Bantel.

Eigentlich wäre diese Woche der Bundesliga-Spielplan für die Saison 2020/21 veröffentlicht worden. Noch gibt es nicht einmal einen definitiven Starttermin. Am Mittwoch teilte die Deutsche Fußball Liga mit, dass der 18. September als 1. Spieltag vorgesehen ist. Die Clubs sollen nun Stellung zu verschiedenen Planungsvarianten beziehen, heißt es. Vom exakten Termin hängen die Planungen der Clubs ab, auch bei der TSG 1899 Hoffenheim. "Das ist anspruchsvoll", sagt Sportdirektor Alexander Rosen.

Grundsätzlich soll es ein Trainingslager geben

Die Hoffenheimer Profis sind längst im Urlaub. Steven Zuber grüßt via Instagram aus der südfranzösischen Sonne. "Die Jungs brauchen jetzt einfach mal eine Zeit lang frei", sagt Alexander Rosen. Frei heißt dann auch wirklich frei. Für die ersten zwei Urlaubswochen gibt es keinen Laufplan. Vier Wochen Urlaub kündigte Rosen bereits vor dem Saisonfinale an. Ein Trainingslager ist aktuell in der Planung. Ob es dabei wie in den Vorjahren nach Österreich (Windischgarsten) oder doch nach Bayern (Garmisch wie 2018) geht, das ist noch offen. Denn: "Wir müssen mit der Terminierung aufpassen."

Alles hängt schließlich vom Termin des Saisonstarts ab. Von der Wichtigkeit eines Trainingslagers ist Rosen dabei grundsätzlich überzeugt. Zwar verfügt der Europa-League-Teilnehmer über exzellente Trainingsbedingungen in Zuzenhausen. "Aber mal was anderes sehen, in anderem Umfeld beisammen sein. Das ist ein Punkt, der in unseren Überlegungen eine Rolle spielt", sagt Rosen.

Auf Nationalspieler kommt Hammerprogramm zu

Weitere Auslandsreisen werden folgen in der neuen Saison, mindestens drei in der Gruppenphase der Europa League. Als viertes Team hat sich die TSG Hoffenheim für die 48 Mannschaften umfassende Gruppenphase qualifiziert. Als weitere Starter stehen Bayer Leverkusen, OSC Lille und Feyenoord Rotterdam fest. Sowohl in Frankreich als auch den Niederlanden wurde die Spielzeit ja coronabedingt abgebrochen. In den meisten anderen Ligen läuft gerade noch die Suche nach den Europapokalteilnehmern. Schon jetzt ist klar: "Was auf die Nationalspieler zukommt, das wird ein absolutes Hammerprogramm. Länderspiele, Europapokal, DFB-Pokal. Da werden wir einen Blick auf die Kadergröße haben", sagt Rosen. Etliche Leihspieler kehren zurück. Setzt sich Werder Bremen in der Relegation durch, greift die (vor Corona) vereinbarte Kaufklausel für Leonardo Bittencourt, und die TSG kassiert sieben Millionen Euro.

Kassieren dürfte auch Ex-Trainer Alfred Schreuder. Einerseits eine Abfindung, denn sein Vertrag wäre noch bis 2022 gelaufen. Zum anderen sicherlich auch eine Europapokalprämie. "Es ist eine Schande, dass ich die Saison nicht beenden konnte, dabei kann ich in den Spiegel schauen", sagte Schreuder im niederländischen TV. "Ich wollte langfristige Antworten, und sie kamen nicht. Vielleicht hat mich das etwas ungeduldig gemacht", sagte er in Bezug auf die Kaderplanung.

Der Fußballbezirk Unterland wird in der Saison 2020/2021 durch zwei Vereine in der Landesliga Württemberg Staffel I vertreten. Neben dem SV Leingarten, der sein Verbleiben wohl dem coronabedingten Saisonabbruch zu verdanken hat, ist nun auch wieder Türkspor Neckarsulm in der siebthöchsten Spielklasse vertreten. Anhand der Quotienten-Regelung wurden die Neckarsulmer Bezirksliga-Erster.

Am vergangenen Samstag überreichte Bezirksliga-Staffelleiter Uli Friedenauer im Pichterich-Stadion den Meister-Wimpel. Was die nächste Spielrunde betrifft zeigen sich die Türkspor-Verantwortlichen durchweg optimistisch.

Klassenerhalt mit einstelligem Tabellenplatz ist das Ziel

Ziel ist der Klassenerhalt. "Wir wollen uns aus dem Abstiegskampf heraushalten und werden damit nichts zu tun haben. Ein einstelliger Platz ist möglich, das ist auch unser Ziel", präsentiert sich der Sportliche Leiter Bayram Gögmez ambitioniert.

Der türkische Verein aus Neckarsulm ist in der Landesliga kein Unbekannter, bereits in den Jahren 2001 bis 2005 war Türkspor überbezirklich am Start, stieg nach den Plätzen sechs, sieben und neun in der vierten Saison als Schlusslicht ab. 2007 bis 2009 folgten zwei weitere Landesliga-Spielzeiten, wobei die Mannschaft in der Runde 2007/2008 im Relegationsfinale gegen den Unterländer Bezirksliga-Zweiten SV Neckarsulm nur knapp den Abstieg verhinderte.

Beigeschmack wegen Corona-Bezirksliga-Meistertitel

"Ein ganz kleiner Beigeschmack ist schon dabei", antwortet Gögmez auf die Frage, ob es als Makel empfunden wird, als Corona-Bezirksliga-Meister in die Unterländer Fußball-Geschichte einzugehen. "Aber ich bin mir aber sicher, so gut, wie wir zuletzt drauf waren, wären wir auch nach 34 Spieltagen Tabellenerster gewesen. Nach einem schwachen Saisonstart wurden von den letzten Begegnungen zehn gewonnen und eins unentschieden gespielt. Da ist es gelaufen, wie bei einer Maschine."

Dass Vereinen aus dem Unterland in der Landesliga überwiegend das Schicksal einer Fahrstuhlmannschaft mit dem direkten Wiederabstieg anhaftet, bedauert Gögmez und sagt: "Wir möchten diese Negativbilanz durchbrechen. Wir hatten schon in der vergangenen Saison einen überdurchschnittlich besetzten Kader, der jetzt zielgerichtet verstärkt wurde." Die Türkspor-Verantwortlichen setzen hierbei auch auf die deutsche Mentalität. "Der Kampfgeist bis zur 90. Minute, der fehlte uns ein wenig." Um hier Abhilfe zu schaffen wurden Joshua Baur, Leander Wallmann, Marvin Reitz und Jan Kast geholt.

Elf Zugänge und deutschen Tugenden für die Landesliga

Insgesamt verstärken elf Zugänge das Landesliga-Team, fünf Akteure haben den Verein verlassen. Stand jetzt sind die Personalplanungen von Türkspor Neckarsulm abgeschlossen. "Unsere Mannschaft sollte nun über eine gesunde Mischung mit deutschen Tugenden und türkischem Spielwitz verfügen", ist Gögmez mit dem neu zusammengestellten Team zufrieden. "Mit unserem Kader brauchen wir vor keinem Gegner zu verstecken."

Zu einem Rückhalt dürfte Leander Wallmann werden. Der ehemalige Keeper des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union ist vom FC Union Heilbronn auf den Pichterich zurückgekehrt. "Leo ist hungrig, hat richtig Appetit auf Fußball. Er ist ein starker Torhüter, der von hinten laut dirigiert."

Von den Corona-Lockerungen überrascht

Die Vorfreude auf die neue Saison ist groß. "Das ging jetzt alles sehr schnell", wurde Bayram Gögmez von den Corona-Lockerungen zum Ende der vergangenen Woche völlig überrascht. Die Erleichterung darüber, dass jetzt wieder Testspiele

ausgetragen werden können, ist groß. Bereits am 8. August steht zum Pflichtspiel-Auftakt die erste Runde im württembergischen Verbandspokal auf dem Programm. Die Saison mit 19 Mannschaften und einem deutlich verschärften Abstieg beginnt am Wochenende des 22. und 23. August. Diesen Sonntag startet Türkspor offiziell in die Vorbereitungsphase.

Der Ausstand ist gegeben, das letzte Training absolviert. Martin Wöhrle hat sich von der Mannschaft des TSV Pfedelbach gebührend verabschiedet. Drei Jahre ging er mit dem Team durch einige Landesliga-Tiefen, um am Ende doch oben zu bleiben. Es ist ein Abschied in Freundschaft, der weiten Fahrstrecke geschuldet.

Noch ein Jahr von Stuttgart-Weilimdorf nach Pfedelbach zu pendeln, war ihm einfach zu viel. Woche für Woche drei bis vier Mal. "Und das mit den Baustellen derzeit. Da wusste ich oft nicht, ob ich noch rechtzeitig zum Trainingsstart ankomme", sagt Wöhrle.

Er wird aber sicher nicht auf Nimmerwiedersehen verschwinden. "Ich werde schon verfolgen, was Pfedelbach macht und auch immer mal wieder auf dem Sportplatz vorbeischauen", sagt Wöhrle. Übergeben hat er das Amt an seinen spielenden Co-Trainer Michael Blondowski und Sead Halilovic, die Unterstützung von Markus Schilling bekommen.

Wahnsinnige Zeit für Wöhrle

"Es war eine wahnsinnige Zeit", sagt Wöhrle. Er folgte auf Kai Endreß, der die Mannschaft aus der Bezirksliga in die Landesliga geführt hatte. "Es war alles dabei, was dazu gehört. Wir hatten Höhen, Tiefen, Erfolge und Phasen, in denen gar nichts zusammenlief", sagt er.

Doch eines betonte er die ganzen drei Jahre, in denen er in Pfedelbach Trainer war: "Selbst in ganz schlechten Zeiten haben alle im Verein und der Mannschaft die Ruhe bewahrt. Auch wir Trainer untereinander. Das sind die Hauptgründe, warum der TSV nun in eine vierte Landesliga-Saison geht. Normal kracht es in solchen Phasen. Das war bei uns gar nicht der Fall. Wir haben alle immer sehr gut zusammengearbeitet und haben die Möglichkeit gesehen, uns miteinander aus der schweren Lage zu befreien."

Drei Landesliga-Jahre lang ging es um den Klassenerhalt

Es klappte - und zwar Jahr für Jahr. "Das ist schön, denn wenn man Erfolg hat, ist es einfach. Aber bei uns war das Verhältnis auch in schweren Zeiten super", sagt Wöhrle.

Denn für die Mannschaft ging es drei Landesliga-Jahre lang um den Klassenerhalt. Teilweise sah die Lage bereits aussichtslos aus. "In der ersten Runde war es wahnsinn. Da waren wir sieben, acht Spieltage abgeschlagen Letzter", sagt Wöhrle. "Dann war am Ende der Klassenerhalt schon ein paar Spieltage vor dem Saisonende geschafft." In der abgelaufenen Saison bedeutete die Corona-Krise eine ganz neue Herausforderung, in der sowohl Trainer, Mannschaft und Verein letztlich hilflos auf das Ende warten mussten. "Das Highlight war aber die WFV-Pokalrunde", sagt Wöhrle.

Dort steht der TSV im Viertelfinale, das nun nach den neuesten Lockerungen am 1. August gegen den Landesliga-Konkurrenten FV Löchgau ausgetragen werden soll. Bis dahin warf Pfedelbach unter anderem den Verbandsligisten FSV Hollenbach und den Oberligisten TSV Ilshofen aus dem Rennen. "Es ist irgendwie typisch für die Jungs", sagt Wöhrle. "Die Mannschaft ist zu allem fähig. Im Jahr davor haben wir uns noch die große Chance entgehen lassen, gegen Großaspach zu spielen und jetzt stehen wir im Viertelfinale. Je größer die Aufgabe ist, desto mehr können die Jungs rausholen. Ich denke, da können noch ein paar super Jahre kommen."

Schwere Runde mit vielen Gegnern

Natürlich hat auch er schon etwas voraus geblickt. "Es wird eine schwere Runde kommen. Mit der Riesenbelegung von Mannschaften. Das wird schon anstrengend." Zumal vom WFV bisher immer von einem Saisonstart im September die Rede gewesen war - einfach wegen der Corona-Regeln.

Durch die Lockerungen hat sich ein anderes Fenster aufgetan. So beginnt die Saison bereits am Wochenende 22./23. August. Da wird nicht nur in Pfedelbach die eine oder andere Planung über den Haufen geworfen werden müssen. Aber am Ende hilft der frühere Start, mögliche Komplikationen auszugleichen und englische Wochen so gering wie möglich zu halten.

Unter der Dauer-Hochbelastung von einer Englischen Woche nach der anderen biegt die 3. Liga auf die Zielgerade ein. An diesem Mittwoch (19 Uhr) steht der vorletzte Spieltag auf dem Programm. Das ist die Lage der Liga und der Drittligaprofis aus der Region.

Warum darf die zweite Mannschaft des FC Bayern eigentlich nicht aufsteigen?

In Paragraf 55 der DFB-Spielordnung heißt es: "Das Recht zum Aufstieg in die 2. Bundesliga entfällt für den Verein, der bereits mit einer Mannschaft am Spielbetrieb der Lizenzligen des kommenden Spieljahres teilnimmt." Übersetzt heißt das: Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, dürfen die Zweitvertretungen von Bundes- und Zweitligisten nicht höher als in der 3. Liga spielen. Als Aufsteiger spielen die kleinen Bayern eine fantastische Rückrunde. Nach dem Hinrunden-Ende schwebte der Aufsteiger als Tabellen-15. in Abstiegsgefahr, in der Rückrunde gewannen die Bayern 13 von 17 Spielen und sind deshalb Tabellenführer.

Wer steigt dann auf?

Die besten Chancen besitzen die Würzburger Kickers als aktueller Tabellenzweiter. Beeindruckende 37 Zähler in der Rückrunde haben für den Sprung auf Rang zwei gesorgt. Nach der Hinrunde waren die ambitionierten Würzburger um Felix Magath noch Zwölfter. Der zieht als Chef des neugeschaffenen Bereichs "Global Soccer" bei Würzburg-Sponsor "Flyeralarm" die Fäden. Ein Sieg heute in Köln - und der erneute Aufstieg (zuletzt 2016) könnte schon perfekt sein. Braunschweig, Ingolstadt, Duisburg, Rostock, 1860 München und sogar noch der Achte Waldhof Mannheim haben zwei Spieltage vor Saisonende noch Aufstiegschancen.

Für welchen Profi aus der Region läuft es gerade besonders gut?

Luca Pfeiffer aus Gommersdorf ist so etwas wie der Mann der Stunde in der 3. Liga. Am vergangenen Wochenende erzielte der 23-Jährige für die Würzburger Kickers seine Saisontreffer Nummer 13 und 14. Dazu kommen noch sieben Vorlagen. Die "Süddeutsche Zeitung" schwärmte zuletzt: "Pfeiffer ist spritziger als in der Vorrunde, er ist athletischer, er ist noch gefährlicher im gegnerischen Strafraum. All das hat in erster Linie mit seiner Fitness zu tun." Pfeiffer ist trotz seiner Größe von 1,96 Meter kein klassischer Brecher, sondern glänzt mit Spielstärke und Laufwegen. Die im Winter verpflichtete Konkurrenz machte ihm spürbar Beine. "Da wusste er, dass er mehr machen muss", sagt sein Trainer Michael Schiele. Im Vorjahr stieg Pfeiffer mit dem VfL Osnabrück in die 2. Liga auf, nun könnte ihm das gleiche Kunststück mit Würzburg gelingen.

Was ist mit den anderen Drittliga-Kickern mit regionalem Bezug?

Auch ein anderer Hohenloher weiß ganz gut, wo das Tor steht. Pascal Sohm (einst FSV Hollenbach) kommt für seinen Halleschen FC mittlerweile auf elf Saisontreffer. Ein Sieg fehlt noch, um den Klassenerhalt perfekt zu machen. "Wir würden ungern bis zur letzten Sekunde zittern", sagt Sohm. In der Hinrunde gehörte Halle noch zu den Topteams, nun ist man froh, wenn in dieser verrückten und ausgeglichenen Liga der Klassenerhalt unter Dach und Fach ist.

Für den FC Carl Zeiss Jena und Maximilian Rohr ist der als Schlusslicht nicht mehr möglich. Der Defensivspieler kickte bis vor vier Jahren für den VfB Eppingen. Zuletzt schaffte er den Sprung aus der Oberliga (SGV Freiberg) in die 3. Liga. 23 Spiele und drei Tore sind eine prima Bilanz. Am vergangenen Wochenende erzielte er per sehenswertem Schlenzer beim 1:2 gegen Bayern II ein Tor. "Lieber wäre es mir gewesen, wenn wir gewonnen hätten", sagte Rohr, der beim künftigen Regionalligisten auch für die nächste Saison noch unter Vertrag steht.

Noch mittendrin im Abstiegskampf steckt Dejan Bozic, der einst in der Jugend beim TSV Nordheim und FC Union Heilbronn spielte. Sein spätes Tor zum 1:1 beim KFC Uerdingen hielt seinen Chemnitzer FC überm Abstiegsstrich in der Tabelle. Der 27-jährige Stürmer kommt auf fünf Tore in 27 Spielen, stand lange im Schatten von Philipp Hosiner (16 Tore). "Wir brauchen ihn, er zeigt, was für ein Kaliber er ist", sagt Trainer Patrick Glöckner über Bozic. Kuriosität am Rande: Extra fürs Saisonfinale wurde der zum 30. Juni auslaufende Bozic-Vertrag bis zum 4. Juli verlängert.

Ganz im Gegensatz zu einem ehemaligen Chemnitzer, der im Saisonfinale nicht mehr für den SV Waldhof Mannheim auflaufen wird. Denn der gebürtige Künzelsauer Kevin Conrad (einst TSG Hoffenheim) hat bereits ab 1. Juli einen neuen Arbeitgeber. "Durch den Drei-Jahres-Vertrag bei der SV 07 Elversberg muss ich mir nicht ständig Gedanken um meine Zukunft machen", begründete Conrad gegenüber "fussball.de" seinen Wechsel zum Regionalligisten ins Saarland.

Hannes Wegner kennt sich aus. Mit Zahlen. Mit Fußball. Der Forchtenberger studiert in Heidelberg Mathematik und Sport auf Lehramt. Oder wie es so schön in Neu-Universitätsdeutsch heißt: Er macht demnächst seinen Master of Education.

Damit ist der ehemalige Verbands- und Landesligafußballer der TSG Öhringen die Idealbesetzung, um die Quotientenregel zur Ermittlung der Tabellenplätze und auch der Aufsteiger zu betrachten.

Die Quotientenlösung ist nicht zu komplex

"Es ist brutal. Es gibt keine Lösung, mit der jeder zufrieden ist. Unabhängig davon, welche rechnerische Formel man anwendet", sagt Wegner. "Der Quotient ist eine Lösung, die jeder rechnerisch nachvollziehen kann. Ist nicht zu komplex. Und das ist gut."

Er hält wenig davon, sich bei der Berechnung zu verzetteln: "Man könnte komplexe Modelle aufstellen. Aber ob diese fairer sind? Eher nicht. Auch die Vorrundentabelle zu nehmen, ist nicht optimal. Dann würden sich die Mannschaften, die schon mehr gespielt haben, benachteiligt fühlen."

Berechnet wird mit dem Quotienten der Punkteschnitt pro Spiel (Punkte geteilt durch absolvierte Spiele). "Es ist das einfachste Mittel, um dem Problem mit unterschiedlicher Anzahl von Spielen entgegen zu treten. Ich habe das Gefühl, die Verbände versuchen damit, so wenige Verlierer wie möglich zu kreieren", sagt Wegner. Klar ist aber, dass es Verlierer gibt. Aber eben nicht nur durch das Berechnungsmodell.

"Wer in die Röhre schaut, sind die Zweitplatzierten", sagt Wegner. Die hätten aber bei allen Modellen kein Aufstiegsrecht bekommen. Hier liegt das Problem darin begründet, dass es keine Absteiger gibt und die Staffeln nicht durch zu viele Aufsteiger zu groß werden sollen. "Natürlich sind durch diesen Quotienten Mannschaften mit weniger Spielen tendenziell etwas benachteiligt", sagt Wegner. Diese hatten weniger Möglichkeiten zu siegen als die anderen.

Problem ist eher psychologisch als mathematisch

Wie das Beispiel der Bezirksliga Unterland zeigt: Türkspor Neckarsulm steigt auf, hat aber ein Spiel mehr absolviert als der SV Schluchtern. Dieser wäre der Aufsteiger - hätte er das ausgefallene Spiel gegen das Schlusslicht SG Stetten/Kleingartach gewonnen. Viele Konjunktive. Zu viele für einen Mathematiker. "Die Chance, dass Schluchtern das Spiel gewinnt, liegt nicht bei 100 Prozent", sagt Wegner. "Das Problem ist eher die psychologische Komponente. Wenn man spielt, hat man die Chance. Bei einem Modell eben nicht. Das macht es schwierig."

Ein Beispiel, wie der Quotient in die andere Richtung funktioniert, ist die Kreisliga B2 Unterland. Dort durfte sich der VfR Heilbronn II als Tabellendritter (nach Punkten) über den Aufstieg freuen. "Wenn man es von der anderen Seite betrachtet, hätte Heilbronn beide Spiele gewinnen müssen, um Erster zu werden", sagt Wegner. Aber beim aktuellen Stand wurde eben ein höherer Punkteschnitt erreicht.

Zu viele Unbekannte bei Quervergleichen

An seine Grenzen stößt die Quotienten-Regel nicht nur beim Mathematiker dann, wenn wie im Falle des Regionalliga- oder Oberliga-Aufstiegs unterschiedliche Ligen quer verglichen werden. "Dann wird es schon sehr schwammig. Das ist schwierig", sagt Wegner. Sicher wird auch hier der Punkteschnitt berechnet, doch dieser wurde eben gegen andere Gegner und eine unterschiedliche Anzahl davon erreicht. Zu viele Unbekannte für eine objektive Berechnung.

"Es ist einfach extrem schwer, die Ligen miteinander zu verglichen. Gerade, was die Spielstärke betrifft", sagt Wegner. Er weist aber nochmal auf die Ausnahme-Situation durch die Coronavirus-Pandemie hin. "Man sollte es einfach umdrehen und eher sagen, Bruchsal hat eben Glück gehabt und darf in die Oberliga aufsteigen und nicht: Hollenbach oder Offenburg haben Pech gehabt." So hatte eben der Zweite der Verbandsliga Rhein/Neckar, der 1. FC Bruchsal, zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs mehr Punkte im Durchschnitt ergattert als die Zweiten aus Südbaden (Offenburg) und Württemberg (Hollenbach).

Aber gerade in diesem Falle ist es auffällig, dass ausgerechnet der Verbandsliga-Zweite, der im Dreiervergleich die meisten Spiele absolvierte, den besten Quotienten hat. Auch wenn Wegner sagt: "Die Spiele mehr bringen rechnerisch nicht viel. Man muss sie ja erst gewinnen, um den Quotienten zu verbessern."

Was hätte man ansonsten tun können? Losen zum Beispiel. Sicher auch nicht fair und der Spielstärke entsprechend, aber da hätten die Mannschaften zumindest gefühlt noch eine Chance. "Die fairste Lösung wäre die sportliche", sagt Wegner. "Also einfach die Saison fertig zu spielen. Das war aber nicht möglich." Den neuesten Verordnungen nach wären im Nachhinein zumindest Aufstiegsspiele möglich gewesen. Den Verbandspokal hielt man sich schließlich auch über die Saisons hinweg offen.

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