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Die schlechte Kunde machte schnell die Runde auf dem Sportgelände des FC Zuzenhausen. Dass der Brasilianer Joelinton am Mittwochnachmittag beim Testspiel der TSG 1899 Hoffenheim gegen Zweitligist Jahn Regensburg fehlte, hatte einen triftigen Grund: Der Stürmer weilt aktuell zu konkreten Verhandlungen in England.

Ein Wechsel zu Premier-League-Verein Newcastle United zeichnet sich ab. "Wir sind auf der Zielgeraden", bestätigte Sportdirektor Alexander Rosen nach dem Hoffenheimer 3:2-Testsieg, ohne den neuen Verein namentlich zu bestätigen. In ein, zwei Tagen könnte Vollzug gemeldet werden, wenn Joelinton den Medizincheck erfolgreich absolviert hat und die Arbeitsgenehmigung vorliegt. "Im Grunde sind sich die Vereine einig", sagte Rosen.

Im vergangenen Winter noch hatte der Kraichgauclub eine hochdotierte Offerte aus England ausgeschlagen. "Da gab es für Joelinton schon ein Angebot in Richtung 50 Millionen Euro", hatte Alexander Rosen erst vor einigen Wochen verraten. Dieses Mal will man nicht mehr Nein sagen. Weil noch mehr Geld auf dem Tisch liegt. Rund 55 Millionen Euro, angeblich. "Manchmal gibt es Dinge im Fußball, die sind zu groß, da stehen Dimensionen dahinter", sagt Rosen.

Das Angebot ist zu verlockend

So ist das Angebot aus Hoffenheimer Sicht zu verlockend für einen 22-jährigen Profi, der in seiner ersten richtigen Bundesligasaison sieben Tore für die TSG 1899 beisteuerte. Und seinen Marktwert vervielfachte. "Ich habe ja gesehen, wie sich Roberto Firmino hier entwickelt hat. Ich hoffe, ich kann den gleichen Weg nehmen wie er", hatte er als 18-Jähriger gesagt. 2,2 Millionen Euro überwies die TSG Hoffenheim im Jahr 2015 für den 18-Jährigen nach Recife. Vier Jahre später ist es nun soweit. Wie Firmino, der 2015 für 41 Millionen Euro zum FC Liverpool wechselte, ist nun auch Joelinton auf dem Sprung ins Reich der hohen Ablösesummen und Gehälter. Das gelobte Fußballer-Land heißt im Jahr 2019 Premier League.

Klappt der Deal mit Joelinton, dann hat die TSG Hoffenheim mehr als 110 Millionen Euro in dieser Transferperiode eingenommen - aber auch den dritten Leistungsträger nach Nico Schulz (BVB) und Kerem Demirbay (Bayer Leverkusen) verloren. Dass ausgerechnet Joelinton den Hoffenheimern die größte Transfereinnahme seit 1899 beschert, das war vor zwölf Monaten überhaupt nicht absehbar.

Joelinton war eigentlich schon abgeschrieben

Eigentlich besaß der Brasilianer vor einem Jahr keine Chance im großen Hoffenheimer Champions-League-Kader. Nach zwei Jahren bei Rapid Wien hatte ihn kaum jemand auf der Rechnung. Doch der ruhige 1,92 Meter-Mann überzeugte Trainer Julian Nagelsmann mit seiner Spielweise.

"Die zwei Jahre in Wien waren gut - ich bin ein besserer Spieler geworden", sagt Joelinton rückblickend. Vor allem körperlich entwickelte er sich dort weiter. Bullig. Brachial. Ballsicher. Joelinton brachte neue Elemente ins TSG-Spiel. "Er ist eine Kante, die eklig zu verteidigen ist", sagte Julian Nagelsmann. Das zeigte Joelinton eindrucksvoll in der Champions League, aber auch zum Beispiel beim Hoffenheimer 3:3 in Dortmund.

Auch andere TSG-Stürmer fehlen beim Test

Joelinton war am Mittwoch nicht der einzige fehlende Stürmer: Ishak Belfodil ackert in der Reha-Welt des Verein an seinem Comeback. Andrej Kramaric war beim Test gegen Regensburg aufgrund von Knieproblemen nur Zuschauer. Gegen Regensburg durfte Adam Szalai von Beginn an ran im Sturm, auch Neuzugang Sargis Adamyan stürmte gegen seinen Ex-Club Regensburg. Gegen den ging es gestern über 120 Minuten zur Sache. 4x30 Minuten dauerte der Test vor 800 Zuschauern in Zuzenhausen.

TSG-Trainer Alfred Schreuder ließ zwei Hofffenheimer Mannschaften über je 60 Minuten ran. Marco Grüttner (2.) und (30.) traf für den Zweitligisten, der 2:0 führte. Kapitän Kevin Vogt wurde nach 20 Minuten humpelnd vom Feld geleitet. "Eine Vorsichtsmaßnahme", sagte Alexander Rosen. Bei Hoffenheim sorgten Verteidiger für die Tore: Benjamin Hübner (51.) erzielte das 1:2. Kevin Akpoguma das 2:2 (89.). Neuzugang Kostas Stafylidis war mit dem 3:2 (105.) der Matchwinner.

Der Graben war zu tief, die gegenseitige Abneigung zu groß. Die denkwürdige Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart hat zwar wegen der peinlichen WLAN-Panne kein Ergebnis in der Abwahl-Frage erbracht, aber ganz eindeutig aufgezeigt, dass es mit Wolfgang Dietrich an der Spitze nicht weitergehen konnte. Der am Morgen danach zurückgetretene Präsident hatte einen viel zu groß gewordenen Teil der VfB-Mitglieder gegen sich stehen.

Es kann kein Vereins-Miteinander auf der Basis von breit angelegter Feindseligkeit geben. Der VfB Stuttgart braucht einen positiv unterlegten Neustart nicht nur sportlich in der 2. Liga, sondern auch strukturell im Verhältnis der Führungsspitze zu den Anhängern.

Der neue VfB-Boss muss ein Versöhner sein, getragen von einer großen Mehrheit. Nur so kann es weitergehen. Wolfgang Dietrichs Rücktritt ist eine Chance.

Die Schlacht um die Macht darf nicht weitergehen.

Weiterlesen: Reaktionen aus der Heilbronner Gegend auf den Rücktritt von Dietrich

Der 70-Jährige bestätigte seine auf Facebook verkündete Entscheidung am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Dietrich war über Monate bei vielen Anhängern in der Kritik gestanden. Die Kritik ging zum Teil unter die Gürtellinie - das thematisiert Dietrich nun auch in seinem Beitrag auf Facebook: Den Grad an "Feindseligkeit und Häme", den er auf der Mitgliederversammlung erlebt habe, hätte er "nicht für möglich gehalten."

Am gestrigen Sonntag hatten technische Probleme auf der VfB-Mitgliederversammlung dazu geführt, dass die Veranstaltung abgebrochen werden musste. Der Unmut der Anwesenden darüber war groß. "Ich kann und will nicht mehr verantwortlich für alles gemacht werden, was beim VfB Stuttgart berechtigt oder unberechtigt nicht gut funktioniert", schrieb Dietrich.

Und weiter: "Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren. Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen", schreibt Dietrich zur Begründung auf Facebook. Der Beitrag dort endet mit den Worten: "Es war mir eine Ehre, diesem Verein dienen zu dürfen."

Das sagt Tapio Ferdinand aus Leingarten, Vorsitzender des VfB-Fanclubs Leintalpower und Mitglied des Fan-Ausschusses beim VfB Stuttgart, zum Rücktritt von VfB-Präsident Wolfgang Dietrich und der Mitgliederversammlung am Sonntag:

"Als wir am Sonntagabend nach dem puren Chaos auf der Hauptversammlung zum Auto gelaufen sind, haben wir gesagt: Wenn Wolfgang Dietrich diesen Tag neutral analysiert, dann muss er zurücktreten. Die Zahlen in seiner Amtszeit stimmen schon, was die Mitglieder und die verkauften Tickets betrifft. Aber das Sportliche und die Außendarstellung waren sehr, sehr schlecht. Diese sechs Stunden am Sonntag haben das ganze Durcheinander seiner Amtszeit bestätigt: Dietrich ist nicht kritikfähig, die Gräben zwischen ihm und den Fans sind immer größer geworden. Auf den Sport, den Einstieg in die Zweitliga-Saison, hat sein Rücktritt keine Auswirkungen."

Hier der gesamte Beitrag von Dietrich:

>>>Mehr dazu in Kürze auf stimme.de

Es war nur ein Testspiel, sicher. Und in der noch frühen Phase dieser Saisonvorbereitung, in der Verbandsligist VfB Eppingen gerade steckt, kann gar nicht alles glatt laufen. Das weiß David Pfeiffer. Was der Trainer aber Anfang der zweiten Hälfte gegen die TSG Backnang mitansehen musste, brachte ihn auf die Palme.

Frei jedweder Ordnung, konfus wie ein Hühnerhaufen liefen seine Spieler über den Kunstrasen. Das ärgerte Pfeiffer vor allem deswegen, weil der Fokus der Vorbereitung bisher eben auf dem Verhalten bei gegnerischem Ballbesitz lag. "Ich frage mich, wo der eine oder andere da mit dem Kopf war", sagte er später.

Ein Gegner mit Oberliga-Niveau

Diese kopflose Phase seiner jungen Wilden hatte zwar keine Auswirkungen auf das Ergebnis, das 1:3 war in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Backnang - wie Eppingen Verbandsligist, allerdings mit Oberliga- Niveau - doch eine andere Klasse war. Für Ernüchterung beim Trainer aber hat die Phase allemal gereicht. "Wir müssen mit dem einen oder anderen nochmal an den Basics arbeiten", sagte Pfeiffer über sein rundum verjüngtes Team.

Und doch konnte er dem Spiel auch Positives abgewinnen. In der ersten Hälfte war der Auftritt der Eppinger immerhin taktisch gut, offensiv jedoch etwas mutlos.

"Die Tore haben wir uns zu leicht eingefangen", fand der Trainer. Beide fielen nach einem Standard - das 0:1 nach einer Ecke, das 0:2 noch vor der Pause per Handelfmeter. "Da haben sich einige ein bisschen hängenlassen." Und die Konfusion hatte da noch nicht einmal begonnen.

Es wartet viel grundlegende Arbeit auf Pfeiffer

Die setzte nach der Halbzeitpause ein, hatte aber mit den immerhin sechs Wechseln aufseiten VfB wenig zu tun. Vielmehr offenbarte sich das Risiko, dass die Kraichgauer mit der in diesem Sommer erneuten Verjüngungskur ihres Teams eingegangen sind: Es wartet vor allem viel grundlegende Arbeit auf die Trainer. Was Pfeiffer aber gefiel, war, wie sich seine Spieler reingebissen und die richtige Einstellung gezeigt haben.

Das 1:3, das Kestrin Gashi geistesgegenwärtig, frech per Dropkick ins lange Eck erzielt hatte (65.) war auch ein Beleg für das Potenzial, dass im jungen VfB-Team schlummert. Es war längst nicht das einzige Mal: Gegen Ende lief Eppingen fast noch einmal Sturm, das vermeintliche 2:3 durch Gashi wurde wegen hohen Beins aberkannt (84.), nur zwei Minuten später tankte sich der junge Edrissa Nyassi, einer der anfangs kopflosen, sehenswert durch - vergab aber freistehend vor dem Tor.

Bangemachen gilt beim VfB nicht

"Backnang war besser, aber mit etwas Glück holen wir noch ein Remis", sagte Pfeiffer. Das wäre des Guten dann vielleicht zu viel gewesen - und doch macht es den Verantwortlichen Mut. Und lange nicht nur ihnen. Bangemachen lässt auch Alexander Rudenko, mit inzwischen 30 Jahren der älteste im VfB-Dress, nicht zu.

"Wir haben in jedem Mannschaftsbereich mindestens ein, zwei Leader, an denen sich unsere jungen Spieler hochziehen können." Zumal doch gelte: "Es zählt nicht jung oder alt, sondern gut oder schlecht." Was dann am Ende wirklich rauskommt: Darauf ist auch Alexander Rudenko gespannt. "Ich glaube, dass ein paar Überraschungen dabei sind." Selbst wenn es noch ein langer Weg ist, bis sich die erste Elf abzeichnet, ist er sicher: "Die wird sehr gut sein."

Auf dem Weg dahin wartet diesen Dienstag mit dem FSV Bissingen ein Oberliga-Topteam auf den VfB. Viel zu melden wird der VfB da kaum haben. Aber alles besser, als gegen ein unterklassiges Team 10:0 zu gewinnen und "dabei viele Fehler zu machen, die der Gegner nicht ausnutzen kann", sagt Tobias Zakel.

VfB Eppingen: Zeyrek (46. Dobler) - Felk, Balikic. Sigloch, Rauh (46. Häffele) - Frick (46. Gashi), Wiczynski (46. Marmein), Fleck (46. M. Zigmantavicius), Hoyer (46. Nyassi) - Rudenko (N. Zigmantavicius), Zakel. Tore: 0:1 (23.) Bauer; 0:2 (45.) Binakaj Foulelfmeter; 0:3 (54.) Marinic, 1:3 (65.) Gashi.

Der Spielplan steht

Inzwischen ist auch der Spielplan für die neue Verbandsliga-Saison raus, und er beschert dem VfB Eppingen zum Auftakt gleich ein Heimspiel: Mit dem FC Astoria Walldorf II gastiert am Samstag, 10. August, obendrein gleich mal ein attraktiver Gegner im Kraichgau. Am Mittwoch, 14. August, reist Eppingen nach Gommersdorf, ehe es am 17. August daheim gegen Wieblingen geht. red

Ohne Schiedsrichter geht/’/s im Fußball nicht. Und doch steht die Zunft vor Problemen. Das sagt Olaf Hautzinger, der Vorsitzende der Schiedsrichtervereinigung Sinsheim, mit Blick auf die Situation des 23. Mannes im Kreis.

Herr Hautzinger, vor kurzem sind Bilder durch deutsche Medien gegangen, auf denen ein Fußballer einen Unparteiischen über den Platz jagt. Zuvor ist der Schiedsrichter geschlagen und getreten worden. Was geht Ihnen bei solchen Bildern durch den Kopf?

Olaf Hautzinger: Da friert es einen, keine Frage. Da werden ja sämtliche Stoppschilder überfahren. Mir geht es auch nicht darum, Zuckerguss über ein Problem zu gießen. Es gibt aber gerade eine Studie, die besagt: Diese Übergriffe auf Schiedsrichter liegen bei 0,05 Prozent. Das ist verschwindend gering. Da möchte niemand was bagatellisieren. Jeder Fall ist einer zu viel. Man ist da in Gedanken bei den Schiedsrichtern, denen das passiert.

Das Ganze hat sich in Duisburg abgespielt: weit weg. Mit Blick auf den Alltag hier: Sind uns solche Fälle näher, als uns bewusst ist?

Hautzinger: Es gab auch in unseren Gefilden vereinzelte Ereignisse, die allerdings nicht so extrem ausfielen. Die Frage ist: Wie definiere ich Gewalt? Gewalt beginnt bei verbalen Entgleisungen. Beleidigung ist bereits eine Form der Gewalt. Oft ist es eine Vorstufe, aus der sich dann mehr entwickelt. Aber: Es ist kein Thema, dass sich auf irgendein Bundesland konzentriert oder nur die Schiedsrichter betrifft.

Sie reden also von einem gesellschaftlichen Problem?

Hautzinger: Wir leben in einer Zeit, in der leider eine Verrohung der Sitten festzustellen ist sowie mangelnder Respekt und fehlende Anerkennung von Autoritäten. Ich denke an Übergriffe auf Polizisten und - noch viel schlimmer - auf Rettungssanitäter. Es ist unvorstellbar, was da Tag für Tag passiert. Das zeigt sich dann leider auch auf den Sportplätzen.

Wie fällt die Bilanz der letzten Saison in Sachen Umgang vor Ort aus?

Hautzinger: Wir blicken im Großen und Ganzen auf eine gute Runde zurück. Die Fälle, die wir hatten, haben sich im marginalen Bereich bewegt.

Wie passt das mit den wiederkehrenden, negativen Bildern zusammen?

Hautzinger: Wenn wir so ein Ereignis haben, geht der Scheinwerferkegel drauf. Wir haben ganz wenig Berichterstattung, wenn ein Schiedsrichter ein Spiel gut geleitet hat. Es entsteht ein öffentliches Zerrbild. Bei Licht betrachtet muss man aber sagen, dass die Mehrheit der Spiele ruhig über die Bühne geht, Schiedsrichter Freude an ihrem Amt haben und wir solchen Straftätern eine zu große Bühne schenken.

Dieses Zerrbild bleibt nicht ohne Folgen für Ihre Zunft...

Hautzinger: Ich werde nicht müde, das Bild gerade zu rücken - und die vielen Vorteile dieses schönen Hobbys aufzuzeigen...

...die da wären?

Hautzinger: Sportliche Betätigung in einer tollen Gemeinschaft, Persönlichkeitsentwicklung, Erlernen von Entscheidungsfreudigkeit bzw. Stressbeständigkeit, Förderung und interessante Aufstiegsmöglichkeiten, schöne Reisen, nette Kontakte.

Nachwuchs wird gebraucht. Mangels Unparteiischer mussten im Kreis viele Spiele verschoben, andere abgesagt werden. Besteht Anlass zur Sorge?

Hautzinger: Wir haben den Befund schon längere Zeit. Es ist kein neues Phänomen, dass wir inzwischen viel zu wenige Schiedsrichter haben. Ob wir uns Sorgen machen müssen, das hängt davon ab, ob es uns allen gelingt, neue Schiedsrichter zu gewinnen und zu erhalten. Da müssen alle mithelfen. Wir als Verband und Vereinigung können die Schiedsrichter ja nicht züchten - die kommen von den Vereinen. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Ich glaube, dass die Anstrengungen des Verbandes in den letzten ein, zwei Jahren in die richtige Richtung gehen. Solche Maßnahmen brauchen aber Zeit.

Zu den Maßnahmen gehört, dass die Schiedsrichter mehr Geld bekommen in der neuen Saison. Ist das nicht zu kurz gedacht?

Hautzinger: Es ist eine sehr wichtige Maßnahme der Wertschätzung. Aber natürlich hat niemand die Erwartungshaltung, dass jetzt ein Run entsteht und wir bald einen Aufnahmestopp verkünden müssen. Das bedarf einer anderen Motivationslage.

Inwiefern?

Hautzinger: Ich glaube, Motivation muss aus einem selber kommen: Ich werde Schiedsrichter, weil ich Verantwortung übernehmen will. Wir haben ein Problem mit Verantwortungsflüchtlingen. Die besten Kapitäne stehen an Land und von der Tribüne lässt es sich leicht Buh rufen.

Was können die Vereine in Bezug auf die Wertschätzung beitragen?

Hautzinger: Wertschätzung bedeutet für mich, wie binden insbesondere Vereine Schiedsrichter mit ein. Ist der Schiedsrichter jemand, den man nur braucht, um keine Strafe zu zahlen? Oder ist er jemand, der Teil des Ganzen ist, der - und da gibt es ganz tolle Beispiele im Kreis - zu Festen eingeladen wird oder mit auf dem Mannschaftsfoto steht. Es sind ganz einfache Ansätze, für die man nicht viel Geld braucht, die aber eine hohe Wirkung erzielen.

Das würde auch Ihre Akquise erleichtern. Zumal die Aktion 50 + 1, mit der Sie pro Verein einen Schiri gewinnen wollten, bedingt erfolgreich war...

Hautzinger: Die 50 waren eher ein provokanter Aufschlag, keiner hatte damit gerechnet, dass wir das erreichen. Wir haben durch die Aktion 21 neue Schiedsrichter gewonnen, das geht in die richtige Richtung. Es hat uns in Erinnerung gebracht. Aber die Brücke muss von beiden Seiten betreten werden. Wir allein können es nicht schaffen, die Vereine auch nicht. Wir müssen gemeinsam Begeisterung wecken, die Vorteile bewerben.

Zur Person: Er sei familiär vorbelastet, erklärt Olaf Hautzinger: Schon sein Vater war Schiedsrichter, schaffte es als Assistent bis in die Bundesliga. Als Zwölfjähriger startet der heute 38-Jährige seine Schiedsrichterkarriere, hat über 1000 Spiele bis hoch in die Oberliga geleitet, ehe er vor fünf Jahren seine aktive Laufbahn beendete und Schiedsrichter-Beobachter wurde. Seit 2016 ist der Steuerberater aus Sinsheim Vorsitzender der Kreis-Schiedsrichtervereinigung Sinsheim.

Neulingskurs startet: Im September werden neue Schiedsrichter ausgebildet. Infos bei Lehrwart Marc Heiker: marc.heiker@live.de

Seine Rolle bei der TSG Hoffenheim hat Konstantinos Stafylidis sehr schnell verinnerlicht. Dass er hart arbeiten müsse, das sagt der griechische Neuzugang beim Pressetermin immer wieder. In jedem zweiten Satz auf Englisch bringt er ein "work hard" unter. Am Dienstagvormittag fiel die harte Arbeit aus. Der Grund: ein Schlag auf den Oberschenkel. "Nichts Schlimmes, morgen bin ich wieder fit", sagt "Kostas" Stafylidis. Statt Training war die Behandlung des Pferdekusses angesagt. Ablösefrei hat ihn die TSG Hoffenheim verpflichtet, denn er passt ins klassische Beuteschema der vergangenen Jahre.

Der 26-Jährige ist bundesligaerfahren - und hat seine Qualität beim FC Augsburg bereits unter Beweis gestellt. Zudem soll der Neue nicht nur Qualität, sondern auch Mentalität mitbringen. Nette Jungs für spielerische Lösungen hat dieser Hoffenheimer Kader genug. Stafylidis hingegen gilt als Typ der Tat. Nicht viel reden, einfach machen.

Kleines Kunstwerk auf der linken Wade

Das veranschaulicht wohl auch das kleine Kunstwerk auf seiner linken Wade ganz gut. Dort prangt nämlich im Stile eines Verkehrsschilds ein Tattoo, das zeigt, wie ein Fußballer einen anderen umgrätscht. Das signalisiert: Obacht! Hier fliegen ordentlich die Fetzen - oder auch mal die Gegenspieler. Dabei ist Stafylidis keinesfalls ein brutaler griechischer Grätscher. In Augsburg sah er in den vergangenen dreieinhalb Jahren weder Rot, noch Gelb-Rot. Mit seiner Liebe zu Tattoos ist er übrigens im Kraichgau nicht allein: "Hier hat doch jeder Tattoos", sagt er - und lacht.

Bei der TSG Hoffenheim soll er als Linksverteidiger den deutschen Nationalspieler Nico Schulz ersetzen, der für 25 Millionen Euro zu Borussia Dortmund wechselte. "Er hat eine großartige Saison gespielt", sagt der neue Linke über den alten. "Ich werde versuchen ihn zu ersetzen, aber ich vergleiche mich nie mit anderen Spielern. Ich muss mehr geben als ich kann", sagt Stafylidis. Der sympathische Mann aus Thessaloniki bleibt ansonsten oft im Vagen, denn "ich rede nicht gerne über mich selbst. Das sollen andere machen."

Stafylidis: Hier wird anderer Fußball gespielt

In Sachen Stärken sei der Fußballplatz wie ein Spiegel. Soll heißen: Schaut doch, was ich kann und macht euch selbst ein Bild davon. Zunächst gilt es, die neue Spielweise zu verinnerlichen: "Hier wird anderer Fußball gespielt."

Der Neue ist als Linksverteidiger eingeplant, seine Lieblingsposition ist allerdings zentraler beheimatet. Als Sechser vor der Abwehr. "Ich mag diese Position, weil man dort häufiger den Ball hat", sagt er. Dort ist die Konkurrenz mit Florian Grillitsch, Dennis Geiger oder Howard Nordtveit jedoch hochkarätiger als auf der linken Seite.

Für hochtrabende Ziele ist es noch zu früh

Nach anderthalb Wochen im Kraichgau ist es zu früh, für hochtrabende Ziele. Aber Stafylidis ist nicht nach Hoffenheim gekommen, um gegen den Abstieg zu spielen. "Es war unglücklich, dass Hoffenheim zuletzt nicht unter den Top fünf gelandet ist. Wir versuchen wieder oben mitzuspielen", sagt Konstantinos Stafylidis. Dabei will er eine tragendere Rolle einnehmen als in Augsburg.

In der Vorsaison war Stafylidis vom Verletzungspech verfolgt. Nach einem Rippenbruch warfen Stafylidis in Augsburg immer wieder Muskelverletzungen zurück. "Ich arbeite jetzt noch mehr an mir." Gerade einmal zwölf Bundesligaspiele bestritt er jedoch nur zuletzt. "Ich bin froh, dass ich wieder fit bin", sagt der 24-malige griechische Nationalspieler. Was er an seinem neuen Club und Arbeitsplatz besonders schätzt? "Hier glauben alle Spieler an die Philosophie des Vereins. Jeder hofft, dass wir es wieder in den Europapokal schaffen."

Am Samstag in Sattelbach gegen Eintracht Braunschweig

Bis dorthin ist es jedoch ein weiter Weg. An diesem Samstag (15.30 Uhr) könnte Stafylidis sein TSG-Debüt geben. Dann bestreiten die Hoffenheimer in Sattelbach (bei Mosbach) ihr erstes Testspiel gegen den Drittligisten Eintracht Braunschweig.

Wenn ein Treffer beim Stand von 0:9 bejubelt wird wie eine Meisterschaft, dann freuen sich Außenseiterinnen über einen großen Coup. Der Auslöser: Nicole Polnys Tor in der 89. Minute zum 1:9-Endstand beim Testspiel gegen Erstligist TSG 1899 Hoffenheim in Widdern. Selten war der Begriff Ehrentreffer passender. Denn die Leistung der Unterland/Hohenlohe-Auswahl war aller Ehren wert. "Ich gönne es ihnen, das haben sie sich verdient", sagte Hoffenheims Trainer Jürgen Ehrmann.

Die Verlierer durften sich nach Spielende ein Bierchen genehmigen. Es war die vorher ausgelobte Prämie für ein eigenes Tor sowie für weniger als zehn Gegentore. Kurz vor Schluss sah es schlecht aus für den Durst und den Elektrolyt-Haushalt der Gastgeberinnen. Hoffenheim drängte aufs Zehnte, traf zum vierten Mal Pfosten und Latte. Im Gegenzug setzte die Unterländerin Ramona Dierolf ihre Hohenloher Teamkollegin Nicole Polny gekonnt in Szene - 1:9. Macht in der Summe sogar zwei Kästen Bier. "Da kann man auch großzügig übersehen, dass da ein Foulspiel mit dabei war", sagte Ehrmann. Nicole Polny und Co. war das nach Spielschluss herzlich egal, als man auf gelungene 90 Minuten anstieß. "Ich habe bestimmt schon wichtigere Tore geschossen, aber es ist schon schön, mal vor so vielen Zuschauern zu treffen", sagte die Torschützin, die zehn Minuten vor Schluss schon einen Treffer auf dem Fuß hatte. "Da war ich noch zu nervös."

Bundesliga-Trainer lobt die Abwehdisziplin der Regio-Auswahl

Dabei war die Elf von Trainer Günter Hespelt von Minute eins an besser in Form als die Tonanlage auf dem Widderner Sportplatz. Die hatte immer wieder Aussetzer und Wackler. Die Regio-Auswahl hingegen verteidigte bis zur 28. Minute ein 0:0. Ohne Aussetzer. Ohne Wackler. "Das haben sie sehr diszipliniert getan", lobte der Hoffenheimer Bundesliga-Trainer Ehrmann: "Wir waren einfach zu verspielt vorm Tor." Aber die Kraichgauerinnen sind ja auch erst am Freitag mit einem Zehn-Kilometer-Lauf in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet.

"Mit so einer Einstellung wie heute könnte diese Mannschaft bestimmt in der Verbandsliga spielen", sagte Nicole Polny hinterher. Bis zur Pause klingelte es aber doch noch sechs Mal, die Kraichgauerinnen veranstalteten einen Steigerungslauf. Ein Tor schöner als das andere. Beide Trainer wechselten fortan kunterbunt durch. Bei der regionalen Auswahl zeichnete sich die starke Torfrau Damaris Nagel mehrmals aus. Drei gemeinsame Trainingseinheiten hatte die regionale Auswahl im Vorfeld absolviert - und kassierte am Ende weniger Gegentreffer als Thailands Frauen beim 0:13 während der Fußball-WM gegen die USA.

Doppelt so gut wie vor zwei Jahren

Vor zwei Jahren hatte es für eine Unterland-Auswahl ein 0:17 gesetzt. Mit Hohenloher Verstärkung hieß es nun "nur" 1:9. "Wir waren dieses Mal doppelt so gut", strahlte Widderns Mister Frauenfußball Günter Hespelt hinterher. Anders als der Auftritt einer Bundesliga-Männermannschaft kostet so ein Gastspiel für die Ausrichter kein Geld. Die Hoffenheimerinnen kamen schon zum zweiten Mal kostenlos in die Jagst-Gemeinde. "Uns reicht ein vernünftiges Essen hinterher", sagte Ralf Zwanziger, der Manager der Hoffenheimerinnen. Das gab es auch. Nudeln mit zweierlei Soßen. Dazu Salat.

"Andernorts wurden wir mitunter schon groß angekündigt - und am Ende waren vielleicht 30 Leute da", sagte Ralf Zwanziger mit Blick auf die 500 Zuschauer in Widdern. "Die Region ist für uns wichtiges Einzugsgebiet", sagt er. In Sachen Bundesliga-Zuschauer und in Sachen Nachwuchs. Württemberg hingegen ist Frauenfußball-Brachland, ganz ohne Erst- und Zweitligist. Da hält die TSG Hoffenheim die Fahne hoch mit einem Team in der ersten und der zweiten Bundesliga.

Kader Unterland/Hohenlohe: Melanie Mössinger, Damaris Nagel, Lea Söldner, Michelle Knauer, Samira Nies, Katharina Müller, Natalie Friedrich, Celine Bauer, Mira Hörcher, Lisa Lang, Anja Sauerwald, Stefanie Schaser, Tamara Link, Maria Ansmann, Nina Reuther, Luana Walch, Annika Söldner, Anna Wotzinger, Ramona Dierolf, Nicole Polny.

Tore: 0:1 (28.) Isabella Hartig, 0:2 (32.) Luana Bühler, 0:3 (37.) Leonie Pankratz, 0:4 (38.) Fabienne Dongus, 0:5 (41.) Tabea Waßmuth, 0:6 (42.) Isabella Hartig, 0:7 (50.) Jana Beuschlein, 0:8 (67.) Anna Fühner, 0:9 (81.) F. Dongus, 1:9 (89.) Nicole Polny.

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