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Marcel Busch hat sich vor seinem Ja-Wort so viel Bedenkzeit wie noch nie gelassen. Das hat nichts damit zu tun, dass man derzeit mitunter mehr Freizeit hat, als einem lieb ist. "Ich habe mir lange Zeit genommen, um mit Frau und Kindern zu reden", sagt Marcel Busch, der seit 2018 Trainer beim Fußball-Oberligisten ist. Die Familie gab grünes Licht.

"Ohne ihr Okay würde ich den Job nicht machen", sagt der Lehrer, für den nur zwei Optionen in Frage kamen: "Entweder ich mache in Neckarsulm weiter oder ich höre als Trainer ganz auf."

Nach den Weihnachtsferien sagte Busch zu

Marcel Busch bleibt auch in der Spielzeit 2021/22 Trainer der klassenhöchsten Fußball-Vereins in der Region, er hat seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängert. Nach den Weihnachtsferien gab es die Zusage. Auch, weil die vergangene Spielzeit unvollendet blieb, der aktuellen ein ähnliches Schicksal droht - und Busch seine Spielerkarriere nach einer Verletzung von heute auf morgen beendete.

"Es muss nicht schon wieder irgendwas unvollendet bleiben", sagt er - und lacht ins Telefon. Die Devise dabei: "Ich will einfach von Jahr zu Jahr schauen. Wenn die Familie zu sehr darunter leidet, dann wäre Schluss", sagt Busch, der wie es in Neckarsulm Tradition ist, um ein Jahr verlängert hat.

Mit seinem Ja-Wort für die Spielzeit 2021/22 ist er nicht alleine. Auch Co-Trainer Nikola Grgic bleibt der NSU treu, dazu die Teamleader Steven Neupert und Maximilian Gebert. Auch Eigengewächs Jan Stascak steht für eine weitere Spielzeit im Wort. Der Sportliche Leiter Thorsten Damm spricht in Sachen Vertragsverlängerungen von einem Fünferpack. Doch eigentlich ist es ein Sechserpack, denn auch Damm bleibt der Neckarsulmer Sport-Union treu. "Es macht einfach Spaß in der Konstellation mit dem Team ums Team", sagt Marcel Busch.

Spieler werden aktuell nach "Corona-Tarif" bezahlt

Dass es gemeinsam weitergeht, ist ein Signal. Anders als beim Handball-Oberliga-Pendant. Dort spart sich die Sport-Union die Oberligamannschaft künftig ein. Bei den Fußballern soll auch künftig finanziell wie sportlich auf dem Niveau dieser Saison operiert werden. "Wenn wir ein paar Euro einsparen können, dann tut uns das allen gut. Im Prinzip wollen wir alles so lassen", sagt Rolf Härdtner.

Im Moment werde nach "Corona-Tarif" bezahlt, sagt der Vereinsvorsitzende, ohne konkrete Zahlen zu nennen. "Die Jungs sind sehr vernünftig, dafür muss man sie auch mal loben", sagt Härdtner. Dem Vernehmen nach verzichten die Fußballer auf 70 Prozent, bei anderen Oberligisten fließt aktuell gar kein Geld. Kein Spielbetrieb, keine Bezahlung lautet dort die Devise.

Allenfalls die Beendigung der Hinrunde scheint realistisch

Die große Frage bei allen Vereinen lautet : Wie geht es weiter in der Oberliga Baden-Württemberg mit ihren 21 Teams? Illusorisch geworden ist mittlerweile das angedachte Playoff-Modell, denn dafür müsste der Spielbetrieb Anfang März beginnen. Durch die Verlängerung des Lockdowns bis mindestens Mitte Februar erscheint allenfalls die Beendigung der Hinrunde ab Anfang April noch möglich. "Aber der Glaube, dass der Ball diese Saison noch mal rollt wird von Woche zu Woche kleiner", sagt Rolf Härdtner.

Laufen, mehr bleibt den Oberliga-Akteuren derzeit nicht übrig. Wochenlang gab es von Trainer Marcel Busch Laufpläne für seine Spieler, aktuell setzt er auf die Eigenverantwortlichkeit einer Jungs. "Die sind professionell genug", sagt er. Zudem zieht es ja jeden in diesen Zeiten an die frische Luft. "Ich laufe auch drei Mal die Woche", sagt der Ex-Profi, der mit seinen Spielern per Telefon und Whatsapp in Kontakt bleibt.

Den eigenen Fußball-Horizont erweitert Busch, indem er die Spiele von alten Weggefährten wie HSV-Trainer Daniel Thioune schaut. Auch sein Schwager Alexander Ende als Cheftrainer bei Regionalligist Fortuna Köln ist derzeit im Spielbetrieb gefordert. "Das ist dann keine Fortbildung im eigentlichen Sinn, aber man bleibt mit dem Spiel in Kontakt", sagt Busch.

Engerer Kontakt ist momentan unmöglich.

Die Verlängerung des Lockdowns wird auch Auswirkungen auf die Amateurfußballer haben. "Eigentlich kann man jetzt schon sagen, dass nur noch die Vorrunde zu Ende gespielt werden kann. Mit anschließender Relegation beziehungsweise Aufstiegsspielen", meint Karl-Heinz Sprügel, Manager des Verbandsligisten FSV Hollenbach.

Die angedachte Auf- und Abstiegsrunde dürfte sich nun kaum noch realisieren lassen. Zumal nach der langen Pause mindestens drei, besser vier Wochen Trainingszeit nötig sind. "Wir müssen die Runde abhaken. Es wird auch diese Saison keine normale sein", sagt Sprügel. "Normalerweise sollte jetzt bereits das Zeichen dazu kommen. Dann könnten die Vereine planen. Aber ich glaube nicht, dass es schnelle Entscheidungen geben wird."

Für Sprügel macht es keinen Sinn, die Saison mit einer Auf- und Abstiegsrunde durchzuführen

Er selbst hatte Überlegungen angestellt, ob es nicht möglich sein könnte, frühzeitig mit Geisterspielen und ohne Nutzung von Kabinen und Duschen, wieder früher anfangen zu können. "Aber auch dafür ist es jetzt zu spät. Das hätte man früher ins Spiel bringen müssen", sagt Sprügel. "Jetzt denke ich, macht es keinen Sinn, die Runde mit einer Auf- und Abstiegsrunde durchzuführen, mit Englischen Wochen und hohen Belastungen. Da macht es doch mehr Sinn, die Vorrunde relativ gemütlich zu Ende zu bringen." Zumal momentan noch nicht absehbar ist, dass am 15. Februar dann wieder trainiert werden darf.

Vergebliches Warten auf Rückmeldung des Württembergischen Fußballverbands

Ähnliche Überlegungen hatte auch Trainer Martin Kleinschrodt angestellt. Er wünscht sich in diesen schweren Zeiten vor allem eine frühzeitige Rückmeldung des Württembergischen Fußballverbandes. Auch wenn es nur eine Wasserstandsmeldung oder eine Tendenz ist. Ähnlich geht es auch anderen Vereinsverantwortlichen. Seit den letzten Videokonferenzen gab es von WFV keine Rückmeldung mehr.

Kleinschrodt hat seinen Spielern in der unbestimmt langen Pause nur wenige konkrete Arbeitsaufträge mitgegeben. "Es gibt bestimmt Mannschaften, bei denen es Vorgaben gibt" sagt Kleinschrodt. "Ich selbst war immer motiviert etwas zu machen und hätte diese Zeit jetzt genutzt. Und meine Spieler sind auch so. Ich lasse sie in Ruhe."

Er hat sie lediglich auf ihre Schwächen hingewiesen und hat ihnen mitgegeben, dass sie daran arbeiten sollen. "Für die Ballannahme reichen beispielsweise eine Wand und ein Ball. Und auch Flugbälle lassen sich trainieren", sagt Kleinschrodt. Läufe sind dabei natürlich obligatorisch und die Voraussetzung. "Ich habe da ein großes Vertrauen und setze auf Selbstdisziplin", sagt Kleinschrodt.

Trainer Martin Kleinschrodt wartet ab

Gemeinsame Trainingseinheiten per Video gibt es auch keine. "Ich weiß nicht, ob das nicht nur Aktionismus ist. Ich würde lieber einfach ein gemütliches Beisammensein per Videoschalte machen", sagt Kleinschrodt. Einfach damit man sich sieht. "Wenn ich dann weiß, wann es wieder weitergeht, erstelle ich einen Trainingsplan", sagt Kleinschrodt. "Jeder sollte sich überlegen, ob man Sporttätigkeiten an der Luft nicht so schnell als möglich wieder zulässt. Mit klaren Regeln und Rahmebedingungen natürlich."

In Sachen Personalplanungen ist Sprügel mittlerweile schon wieder einige Schritte weiter. Konkreter will er aber erst nach dem Wochenende werden. Dann sind wohl noch einige Personalien fixiert worden.

Jens Breuninger wurde von der Entscheidung überrascht

Klar ist derweil, der Vertrag mit Co-Trainer Jens Breuninger wird nicht über diese Saison hinaus verlängert. Hauptgrund für die Trennung sei, dass er noch als DFB-Stützpunkt-Trainer arbeitet und daher montags im Training fehle, sagt Manager Karl-Heinz Sprügel. Und: "Wir wollen jetzt mal was anderes probieren." Drei Jahre arbeitete Breuninger an der Seite von Martin Kleinschrodt.

"Es ist etwas enttäuschend, weil nicht darüber gesprochen wurde", sagt Breuninger, der von der Entscheidung überrascht wurde, "Aber ich gehe mit einem guten Gefühl. Es bleibt jedenfalls nur Gutes hängen. Ich kann das akzeptieren. Ich hätte aber gerne nochmal eine normale Runde gemacht. Es ist schade, nach zwei solchen Saisons aufzuhören." Hängen lassen wird er sich nun aber keinesfalls. "Es wäre schon geil, wenn wir noch irgendwie aufsteigen würden", sagt Breuninger. Die Frage ist nur, ob und wann der Spielbetrieb weitergeht. Einen Nachfolger für Jens Breuninger gibt es momentan noch nicht.

Berlin ist immer eine Reise wert. Für Sebastian Hoeneß wird es eine Reise in die schöne Vergangenheit. Für die TSG 1899 Hoffenheim soll es eine Reise in eine erfreulichere Zukunft werden: Der Bundesligist aus dem Kraichgau gastiert am Dienstagabend (20.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC.

"Für mich wird es etwas Besonderes sein, im Olympiastadion zu sitzen", sagte der Cheftrainer der Hoffenheimer am Montag bei der digitalen Pressekonferenz vor dem 17. Spieltag. "Ich habe jahrelang für Hertha gespielt und lange in Berlin gelebt. Ich kenne noch ziemlich viele Leute da."

Das war der Teil der Fragerunde, der den 38-jährigen lächelnd über gute, alte Zeiten plaudern ließ. Ansonsten passte Hoeneß/’/ Gesicht zum Tabellenplatz und der Ausgangslage der Hoffenheimer.

Angespannte Situation bei den Kraichgauern

Es ist alles sehr angespannt beim Tabellenvierzehnten nach dem 0:4 bei den Schalken und dem 0:0 am Samstag gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld. Jetzt also das Auswärtsspiel beim Dreizehnten Berlin, am Sonntag dann das Heimspiel gegen den Sechszehnten Köln. Eine Woche der Wahrheit, die auf dem Relegationsplatz enden könnte. "Das sind wichtige Spiele, unabhängig vom Gegner oder von meiner Person", sagte Sebastian Hoeneß und ging in die Offensive: "Wir fahren nach Berlin, um zu gewinnen."

Aber was braucht es, damit seine Spieler die Lockerheit zurückbekommen und Tore schießen - in den vergangenen drei Partien gelang nur ein Treffer -, braucht es einfach ein Tor? Zuckerbrot? Peitsche? Geduld? "Wir brauchen von vielem ein bisschen", sagte Sebastian Hoeneß. Geduld, sich nicht unnötig unter Druck setzen zu lassen, andererseits eine gewisse Ungeduld, um die Dinge in die richtige Bahn zu lenken. "Und es würde uns helfen, auch mal in Führung zu gehen, damit vielleicht etwas zu lösen, Kräfte freizusetzen."

Gegen Bielefeld kassierte die TSG erstmals in dieser Saison kein Gegentor

Sebastian Hoeneß berichtete vom Champions-League-Platz der Hoffenheimer in der Kategorie "Großchancen" ("Wir haben die viertmeisten in der Liga"). Bei den tatsächlich geschossenen Toren (22) ist die TSG aber nur Tabellenzwölfter. Es fehlt die Effektivität. Als eine Kraftquelle soll die im samstäglichen Null-Punkte-Frust etwas untergegangene Saisonpremiere dienen: Gegen Bielefeld gelang es erstmals in dieser Bundesligasaison, ohne Gegentor vom Platz zu gehen.

Außer einem herzlichen Wiedersehen mit etlichen Freunden und Bekannten "auch aus der Geschäftsstelle" erwartet Hoeneß in Berlin eine stürmische Hertha: "Sie werden ihr Heil in der Offensive suchen, die Mannschaft ist durchsetzt von großer individueller Klasse." Ähnlich wie die der Hoffenheimer. Ähnlich sind auch Punktestand und Torverhältnis beide Vereine.

Sogar gleich sind die ersten Gegner des neuen Jahres: Nach dem 3:0 gegen Schalke verlor Hertha BSC in Bielefeld 0:1 und trennte sich vom 1. FC Köln am Samstag 0:0. Auch beim Big-City-Club knirscht es. Der große Unterschied bei aller Gemeinsamkeit: Die enttäuschenden Ergebnisse der TSG Hoffenheim sind relativ leicht erklärbar.

Einsatz von Kevin Vogt ist fraglich

Nach wie vor haben die Hoffenheimer viele Verletzte. Kevin Vogt ist am Samstag auf die lange Liste der Sorgenkinder gekommen. Hinter dem Einsatz des Abwehrstabilisators stehe wegen einer Bänderverletzung am Daumen (Hoeneß: "Es ist nichts gebrochen") ein Fragezeichen. Der Cheftrainer ließ die im Laufe der Hinrunde "zehn Spieler, die mit Corona erkrankt waren" nicht unerwähnt, zudem die Quarantäne-Woche des gesamten Teams. "Das hat Auswirkungen", sagte Hoeneß. "Ich wiederhole mich da, weil ich gemerkt habe: Wenn man es nicht tut, wird es vergessen."

Ein Lichtblick: Der 18-jährige Unterländer Marco John spielte in der Bundesliga im linken Mittelfeld gegen Schalke und Bielefeld durch. "Das waren sehr ansprechende Leistungen", urteilte Sebastian Hoeneß, "das war sehr abgeklärt."

Wo ist nur die Abgeklärtheit vor dem Tor der in der Europa League so erfolgreichen TSG Hoffenheim hin? "Es hilft uns, nicht so viel nachzudenken", sagte Sebastian Hoeneß noch, "auch, nicht so viel zu quatschen, sondern einfach zu machen." Auf nach Berlin, zurück in die Zukunft.

Im Sommer kommt ein Talent aus München

Die TSG Hoffenheim hat für die kommende Saison U 20-Nationalspieler Angelo Stiller vom FC Bayern München verpflichtet. "Angelo ist gewiss eines der spannendsten deutschen Talente im zentralen Mittelfeld", sagte TSG-Sportchef Alexander Rosen. Stiller (19), der es bei den Bayern schon zu drei Profi-Einsätzen gebracht hat, stand in der vergangenen Spielzeit im Kader des heutigen Hoffenheimer Trainers Sebastian Hoeneß beim Drittliga-Meister FC Bayern II.

Individual-, Fitness-, Konditionstraining - Begriffe, bei denen Begeisterung und Motivation ballspielender Mannschaftssportler oft schlagartig in tiefste Niederungen fallen. Umso besser ist es für die Spieler von Fußball-Landesligist TSG Öhringen, dass sie ihren Kapitän Philipp Schropp haben.

Denn der 23-Jährige, der eigentlich als Abwehrspieler im Otto-Meister-Stadion anzutreffen ist, hat seit der ersten Saisonunterbrechung im März des Vorjahres einen Online-Fitness-Kurs etabliert, mit dem sich zunächst seine Mannschaftskollegen, inzwischen jedoch alle Sportbegeisterten in Zeiten eines eingeschränkten Sportangebotes von zu Hause fit halten können.

Bis zu 50 Teilnehmer begrüßt Schropp zu seinen regelmäßigen Workouts

"Erste Überlegungen dazu gab es während des ersten Lockdowns", erinnert sich Schropp. Damals bot der lizensierte Fitnesstrainer, der hauptberuflich als Dualer Student im Lebensmitteleinzelhandel arbeitet, über Instagram Fitness-Workouts an - vor allem, um sich und seine Teamkollegen während der fußballfreien Zeit in Form zu halten. "Als wir dann aber zurück auf die Sportplätze durften, ist das alles wieder etwas eingeschlafen."

Als dann im Herbst der zweite Lockdown bevorstand, trat sein ehemaliger Mitspieler Daniel Alankus - inzwischen bei Bezirksligist FV Wüstenrot als Trainer in der Verantwortung - an Schropp heran und motivierte ihn dazu, das Ganze noch einmal in professionellerem Rahmen und zu einem regelmäßigen Termin zu reaktivieren. Gesagt, getan.

Kurze Zeit später war die Idee umgesetzt, so dass Schropp inzwischen seit elf Wochen über die Video-Plattform "Zoom" jeden Dienstag ab 19 Uhr kostenlos ein 45-minütiges Workout anbietet. Bis zu 50 Sportbegeisterte beteiligen sich seitdem jeweils an den Übungen, die vorwiegend Bauch, Beine und den Oberkörper stärken sollen.

Lust daran, Leute zu motivieren

Seit Schropp das Angebot über die Sozialen Netzwerke publik gemacht hat, sind nicht mehr nur Freunde, Bekannte und die Ballsportler aus Öhringen und Wüstenrot vor dem Bildschirm dabei, sondern auch Sportbegeisterte unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Leistungsständen. "Ich möchte mit dem Angebot eine Alternative bieten, auch während des Lockdowns Sport zu treiben. Fitness ist neben dem Fußball eine meiner großen Leidenschaften und ich mag es, Leute zu motivieren", umreißt der Initiator die Hintergründe seines Trainingsangebotes.

Um die Einstiegshürde möglichst niedrig zu halten, arbeitet Philipp Schropp nur mit einer Sportmatte und einfachen Übungen, deren Ausführung er zeigt und erklärt. Tempo und Intensität können je nach Leistungsstand variiert werden. "Die Mikrofone der Teilnehmer sind stumm gestellt und die Kameranutzung ist freiwillig", betont er. "Jeder soll für sich selbst das Maximum herausholen." - Egal ob Leistungs-, Hobby- oder Gelegenheitssportler.

Profitieren die Amateurfußballer vom Fitness-Angebot?

Die Teilnehmerzahlen und die Resonanz, die er auf sein Fitness-Angebot bekommt, seien positiv, sagt der Freizeitfußballer. Außerdem führten sie immer wieder zu neuen Übungsformen.

Und sollte der Fußball-Spielbetrieb in dieser Spielzeit tatsächlich noch einmal aufgenommen werden, dann können die abstiegsbedrohten Teams aus Öhringen und Wüstenrot mit laufintensiven Spielen und späten Toren zeigen, ob Schropps Online-Workout Früchte getragen hat.

Und jetzt: mal wieder 2. Liga. Beinahe zumindest, so war es kürzlich noch, denn Arminia Bielefeld hat im vergangenen Sommer zusammen mit dem VfB Stuttgart das deutsche Fußball-Unterhaus verlassen. Beim 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach war zuletzt ein Champions-League-Team der VfB-Gegner. Am Mittwochabend (20.45 Uhr/Sky) in Bielefeld wird es höchstwahrscheinlich wenige Momente zum Zungeschnalzen geben. Das ist in der Bundesliga nicht die Bielefelder Überlebensstrategie.

Mit nur zehn geschossenen Toren in 16 Partien hat die Arminia 14 Punkte geholt. Der VfB ist viel, viel offensivstärker, stellt sich aber manchmal selbst ein Bein. "Wir sind nicht am Ende unserer Lernkurve, unseres Leistungspotenzials", sagt Trainer Pellegrino Matarazzo über die junge Stuttgarter Mannschaft.

Viel Positives: Intensität, Energie, Zusammenhalt

Der Last-Minute-Ausgleich gegen Gladbach soll Rückenwind geben. "Vieles, was wir gesehen haben von uns, war positiv, die Intensität, die Energie auf dem Platz, der Zusammenhalt der Spieler."

Nicht gut gefallen hat Matarazzo das Defensivverhalten vor den beiden Gegentoren, Borna Sosas Elfmetergrätsche, die zum 0:1 führte, und der zum 1:2 durchspurtende Gladbacher Denis Zakaria. Es waren "unnötige Gegentore", monierte der VfB-Trainer. "Da kann man sicherlich lernen." Matarazzos Ansage nicht nur für die Partie in Bielefeld: "Hoffentlich machen wir es in Zukunft in solchen Situationen besser."

Die Moral in der Mannschaft ist großartig

Zwar hat sich der VfB Stuttgart bisher auf seine Comeback-Qualitäten nach Rückständen verlassen können, nicht nur am Samstagabend im Duell mit der Borussia. Die Moral im Team ist großartig. "Die Jungs machen einfach Spaß, wie die nie aufgeben und weiterhin dran glauben." Doch der Trainer freut sich auch über Führungstore.

Der VfB ist jetzt zweimal auswärts gefordert, erst in Bielefeld, dann in Freiburg. Für Sportdirektor Sven Mislintat sind das "zwei schwere, hochintensive Auswärtsspiele". Er freut sich auf das Duell "mit dem alten Bekannten aus der 2. Bundesliga", Arminia Bielefeld. "Wir wissen, wie schwer das ist." Der Minimalismus der Ostwestfalen beeindruckt ihn. "Die machen es super."

Es gibt in der deutschen Sprache ein Kunstwort, das genau für solche Situationen zusammengebastelt worden ist. Sasa Kalajdzic sagte also "Jein", als er gefragt wurde, ob das ein Foulelfmeter war, "ja oder nein?"

Ja, es war ein Elfmeter, der dem VfB Stuttgart in der sechsten Minute der Nachspielzeit das 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach ermöglichte. Es war ein Elfmeter, weil Video-Assistentin Bibiana Steinhaus im viel beschimpften Kölner Keller eingriff und Schiedsrichter Felix Brych nach Ansicht der Fernsehbilder im Stadion auf Foul entschied. VfB-Stürmer Kalajdzic war in der 94. Minute im Gladbacher Strafraum zu Boden gegangen. Brych hatte das Spiel danach weiterlaufen lassen.

Kalajdzic und der "Jein"-Elfer

Und nein, es war kein Elfmeter, wenn man die Szene aus verschiedenen Perspektiven nochmal anschaute und mit der digitalen Lupe aufgezeigt bekam, dass Sasa Kalajdzic auch über den Fuß seines VfB-Teamkollegen Waldemar Anton gestolpert war.

Ja? Nein?

Jein. Der österreichische Angriffsriese Kalajdzic lachte. Er wusste, dass die Partie sehr wohl auch mit einer Stuttgarter 1:2-Niederlage hätte enden können. Aber Silas Wamangituka verwandelte den Strafstoß nervenstark. Und dem Gladbacher Mittelfeldspieler Christoph Kramer blieb nichts anderes übrig als zu klagen: "Das ist natürlich nie und nimmer ein Elfmeter!" Zwar hatte Verteidiger Ramy Bensebaini beide Arme von hinten um Kalajdzic gelegt. Aber Kramer befand: "Das ist ja nicht mal im Mittelfeld ein Foul."

Die Basis für einen Videoreferee-Eingriff lautet: klare Fehlentscheidung! Kramer war konsterniert: "Da kannst du nie und nimmer drauf kommen, dass das ne klare Fehlentscheidung ist."

Sein Mitspieler Jonas Hofmann bewertete den Strafstoß als "eine absolute Frechheit", "Wahnsinn". Er redete sich am Sky-Mikrofon mächtig im Rage, versuchte aber, seine Wut halbwegs zu kanalisieren. In der heutigen Zeit sei es so, "dass die Spieler kaum noch ihre Meinung sagen dürfen. Wenn ich die jetzt kundtun würde, würde ich wahrscheinlich für den Rest der Saison gesperrt werden."

Ein Geschenk, das man gerne annimmt

Den Stuttgartern war es recht, dass sie die ganz späte Chance zum Ausgleich bekamen. Eine Niederlage wäre unverdient gewesen. Der Elfmeter? Hauptsache drin. "Schlussendlich sind wir happy, dass wir ihn kriegen", sagte Torwart Gregor Kobel. Ein Geschenk war er. Aber ein Geschenk hatten auch die Borussen bekommen, als VfB-Verteidiger Borna Sosa in der ersten Halbzeit Stefan Lainer im Strafraum unnötig umgegrätscht hatte. Foulelfmeter für Mönchengladbach. Lars Stindl verwandelte ihn sicher (35. Minute). Kobel wollte Sosa nicht an den Pranger stellen: "Es ist nicht immer einfach als Verteidiger. Ein kleiner Moment reicht ab und zu, wo man sich falsch entscheidet."

Es gab ja dann die Stuttgarter Happy-End-Glücksgefühle. Und für Trainer Pellegrino Matarazzo keinen Anlass, sich vor Scham auf den Boden zu werfen. Der Blick zurück auf andere Spiele offenbarte auch VAR-Ärger. "Wir haben uns mehrmalig benachteiligt gefühlt." Also: "Vielleicht ist es eine Gleichgewichts-Entscheidung." Ausgleichende (Un-) Gerechtigkeit.

Nach Stindls Elfmeter-0:1 hatte Nicolas Gonzalez ausgeglichen (58.). Dem schnellen 1:2, das Denis Zakaria nach einen beeindruckenden Tempolauf zu Lasten von VfB-Sprintschnecke Pascal Stenzel erzielt hatte (61.), mühte sich die Stuttgarter Mannschaft lange vergeblich.

Die Hände haben dort oben nix zu suchen, sagt Sven Mislintat

Bis eben Sasa Kalajdzic im Strafraum fiel und es den Elfmeter gab. Für VfB-Sportdirektor Sven Mislintat war es allerdings keine Jein-Entscheidung. "Für mich ist es ein klarer Elfmeter." Denn "die Hände von Bensebaini haben nichts um den Oberkörper von Sasa zu suchen".

Der Stuttgarter Stürmer wollte nix Falsches sagen. "Ich kann mich nicht genau erinnern." Aber eines machte Kalajdzic deutlich: "Ich habe keine Schwalbe gemacht." Er habe "schon das Gefühl gehabt, dass ich runtergezogen wurde".

Johann Wolfgang von Goethe war kein Fußballanalytiker, sondern ein Dichtergenie. Er schrieb in seiner Ballade "Der Fischer" über die Nixe: "Halb zog sie ihn, halb sank er hin." So ähnlich war es auch bei Bensebaini und Kalajdzic.

Vielleicht darf man so weit gehen und behaupten: Goethe hätte keinen Elfmeter gegeben.

Nicolas Gonzalez ist noch ein junger Kerl, erst 22 Jahre alt. Aber der Argentinier hat als Fußballer in Deutschland schon viel erlebt, Schlechtes (VfB-Abstieg 2019 als Abseitstor-Buhmann in Berlin) und Gutes (Bundesliga-Wiederaufstieg 2020 als Toptorjäger), Frust und Freude. Jetzt hat er sich ein weiteres Mal ins Stuttgarter Fußballgeschichtsbuch eingetragen. Sein Treffer zum 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach war das insgesamt 3000. Tor in der Bundesligahistorie des VfB.

Sosa foult erst unnötig, dann flankt er überragend

Sowas geht nur, wenn man das Trikot eines Traditionsvereins trägt. Mit jedem Treffer wird der Stürmer interessanter für die finanzstarken europäischen Großclubs. Es war sein sechstes Tor in der laufenden Bundesliga-Saison. "Ich spüre viel Vertrauen", sagte der einst ausdrücklich wechselwillige Nicolas Gonzalez über die Situation in Stuttgart. Absolut sehenswert war sein Flugkopfball zum 1:1. Er hatte das Tor im Mittelfeld selbst vorbereitet, die Flanke von Borna Sosa verwandelte der Argentinier dann in Klassemanier. Gladbachs Christoph Kramer hatte aber auch Lob für Sosas Vorlage parat: "Der Ball ist überragend."

Auch der zweite Toptorjäger des VfB war erfolgreich. Silas Wamangituka erzielte per Elfmeter sein neuntes Tor in dieser Bundesliga-Saison. Und doch wurde es wieder nichts mit dem ersten Heimsieg. Auch im achten Versuch nicht. Fünf Unentschieden und drei Niederlagen lautet die Hinrundenbilanz des Aufsteigers im eigenen Stadion.

Die VfB-Zahlen stimmen gegen Gladbach

Den Trainer stört das nicht übermäßig. "Nein", sagte Pellegrino Matarazzo. "Ich mache mir weniger Gedanken darum." Besorgt wäre er nur, wenn die Leistungen nicht stimmen würden. Aber so ist es nicht. Diesmal waren es 19:8 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat haderte ein bisschen. "Wir gewinnen alle Statistiken." Aber eben nicht das Spiel. Dabei habe man "ein astreines Spiel gemacht".

Der Tabellenzehnte steht mit 22 Punkten aus 16 Spielen richtig gut da. Allein der Klassenerhalt ist schließlich das Ziel. VfB-Torwart Gregor Kobel findet, das Stuttgarter Team sei "eine geile Truppe, wir geben Gas".

Am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) wird es bei Arminia Bielefeld aber ohne die beiden erfolgreichsten Stürmer gehen müssen. Wamangituka und Gonzalez sahen auf dem neu verlegten Rasen der Mercedes-Benz-Arena jeweils ihre fünften Gelben Karten und sind deshalb gesperrt. Doch "das können wir kompensieren", sagte Mislintat. Der Stuttgarter Startelf-Sturm in Ostwestfalen dürfte von den diesmal eingewechselten Sasa Kalajdzic und Tanguy Coulibaly gebildet werden. "Der Trainer kann immer richtig Qualität von der Bank bringen", betonte der Sportdirektor.

Thomas Hitzlsperger, der Sonnenkönig 2.0?

In der zweiten Halbzeit, als der VfB deutlich besser war als die Mönchengladbacher Champions-League-Mannschaft, stürmten die Weiß-Roten auf ein unübersehbares Großplakat hinter dem Tor der Borussia zu. Darauf stand: "Sonnenkönig 2.0 - habt ihr einen Schatten?"

Die wegen der Coronavirus-Pandemie weiter ausgesperrten VfB-Fans hatten angesichts des eskalierten Machtkampfs der Bosse klar Stellung bezogen. Den Ultras vom "Commando Cannstatt" passt es gar nicht, dass AG-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger den Vereinspräsidenten Claus Vogt frontal attackiert hat und künftig in doppelter Chefposition agieren möchte.

Als Sonnenkönig.

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