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Eine Entscheidung des Württembergischen Fußball-Verbands wird an diesem Mittwoch erwartet. "Wir haben sehr viele Anrufe und E-Mails von Vereinen bekommen, die wissen wollten was Sache ist. Deshalb haben wir beschlossen, etwas vorzupreschen", sagt der Bezirksspielleiter Hartmut Megerle. Wie es mit der Saison weitergeht, ist aber noch offen.

Warum warteten die Bezirks-Verantwortlichen nicht auf die Verbandsentscheidung?

Vergangene Woche gab es eine Videokonferenz der Bezirksvorsitzenden. Dabei drängte der Hohenloher Ralf Bantel darauf, dass man für dieses Jahr Schluss macht. "Das wollte der Verband nicht", sagt Bezirksspielleiter Hartmut Megerle. "Aber es gab aber die Antwort, dass jeder Bezirk selbst entscheiden kann, ob er seine Spiele ansetzt oder absagt. Darauf haben wir gesagt, dass wir ein Ende haben wollen. Diese Hängepartie muss ich nicht haben. Es war absehbar, dass es bei der Bund-Länderkonferenz der Regierung keine Freigabe für den Fußball geben wird. Da muss ich die Vereine doch nicht noch eine Woche länger warten lassen." Da man eine Lösung für alle Bereiche im Bezirk anstrebte, wurde Jugendleiter Niko Schwarz noch mit einbezogen, der sich ebenfalls für eine Pause aussprach.

Wie geht es weiter?

Die Szenarien sind da, aber diese müssen vom Verband genehmigt werden. "Ich halte es für illusorisch zu glauben, man bekommt eine normale Runde hin", sagt Megerle. Er könnte sich ein Playoff/Playdown-Modell, wie es am Bodensee gespielt wird und es den Oberligisten bereits vor der Runde vorgeschlagen wurde als Alternative vorstellen. "Diese Alternative müsste zeitlich machbar sein und hat einen sportlichen Wert", sagt Megerle.

Warum scheint es kaum möglich, die Runde normal zu Ende zu bringen?

"Ich muss ja von der Bezirksliga ausgehen, der größten Staffel", sagt Megerle und stellt klar: "Es sind zehn Spieltage absolviert. Das heißt sieben Spiele der Vorrunde fehlen und 17 der Rückrunde, das sind noch 24 Spiele. Dazu hat der eine oder andere noch Pokalspiele und Relegationsspiele, das könnten bis zu 30 Partien sein. Wie soll das gehen?" So heißt es immer wieder, man könne doch bereits im Januar wieder versuchen zu starten. "Wie soll das in Hohenlohe gehen?", fragt sich Megerle.

"Im Januar/Februar brauche ich bei uns keine Spiele ansetzen. Ich habe ja im Bezirk fast schon unterschiedliche Klimazonen und es ist wahrscheinlich, dass viele Spiele ausfallen. In Crailsheim oder Mainhardt ist es eben anders als im Taubertal oder Öhringen. Das wäre dann eine Wettbewerbsverzerrung." So will er keine Spiele ansetzen, von denen er ausgeht, dass die eh ausfallen. Zumal es unwahrscheinlich scheint, dass der Amateursport im Januar bereits eine Freigabe erhält. "Und selbst wenn, müsste es ja vorher die Gelegenheit zum Training geben", sagt Megerle. "Jetzt müssen wir erstmal wissen, wann es wieder losgeht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man im Januar oder Februar wieder spielen darf. Und wenn ich im März anfangen will, brauche ich im Februar die Freigabe für das Training."

Wird der aktuelle Terminplan eingehalten?

"Für uns steht definitiv fest, dass wir zuerst die Vorrundenspiele spielen und dann die Rückrunde. Wir werden mit Sicherheit nicht gemäß der alten Terminliste im März anfangen und werden dann zwischendrin unter der Woche die ausgefallenen Spiele ansetzen", sagt Megerle. "Zuerst sollte die Vorrunde gespielt sein. Dann werden wir sehen, wie es weiter geht und was der Verband genehmigt." Von einem erneuten Saison-Abbruch und der Wertung nach Quotienten-Regel hält er wenig. "Es gibt natürlich wieder die Möglichkeit, einfach abzubrechen und den Quotienten zu nehmen. Aber das ist meiner Meinung nach die absolut unsportlichste Lösung. Zumal es Absteiger geben soll und Absteiger nach Quotient hat man letztes Jahr abgelehnt. Dieses Jahr lässt man dann Teams so absteigen, weil man es im Vorfeld gesagt hat. Das passt doch nicht zusammen.

In der vergangenen Saison wurde man von der Entwicklung ja noch überrascht", sagt Megerle. Dass es in dieser Runde zu Unterbrechungen und Terminproblemen kommen kann, war hingegen von vorne herein klar. "Meine Intention ist einen Abschluss der Runde zu haben. So sehen es die allermeisten Vereine auch", sagt Megerle.

Gab es vom Verband schon Vorschläge, wie es weitergehen kann?

Bisher gibt es nur eine Art Ideensammlung. "Ganz wichtig ist, dass 50 Prozent der Spiele durchgebracht werden. Dann hat man eine Möglichkeit, die Tabelle zu werten. Das heißt aber nicht, dass die Vorrunde komplett gespielt ist, sondern einfach 50 Prozent der Spiele. Alles andere ist bisher noch völlig offen", sagt Megerle. Momentan steht noch die Tendenz, dass man versucht, die Runde komplett fertig zu spielen. "Aber wenn ich davon ausgehe, ich müsste sieben Englische Wochen ansetzen, das geht nicht", sagt Megerle.

"Wir haben zu große Entfernungen im Bezirk, und die Spieler arbeiten. Es ist vielleicht eine Englische Woche pro Monat möglich." Und selbst wenn im Frühjahr wieder einigermaßen Normalität einkehrt, heißt dies, dass auch in den Betrieben Normalität einkehrt, da können Spieler nicht ständig früher aufhören wollen, weil sie Fußball spielen. "Deshalb muss man vorsichtig sein und darf die Vereine nicht überfordern.

Für mich wäre es logisch, den Bezirken den Freiraum zu lassen. Sie kennen die Begebenheiten, die Sportplätze, die Mannschaften. Und da es ist in Hohenlohe anders als in Ludwigsburg, Stuttgart, am Bodensee oder im Unterland", so Megerle.

Terminplan

Der letzte Spieltag in dieser Saison war im Bezirk Hohenlohe am 13. Dezember angesetzt. Es wäre der 17. und damit letzte Vorrunden-Spieltag in der Bezirksliga gewesen. Nach den aktuellen Planungen soll die Saison am 7. März fortgesetzt werden. Dann wohl aber - zumindest wenn es nach Hartmut Megerle geht - in Hohenlohe nicht mit den bisher angesetzten Partien sondern mit den wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Spielen der Vorrunde.

Noch fehlt es in den Lizenzierungsbedingungen der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Fußball-Profiligen an konkreten ökologischen Faktoren, an Bezug zum Thema Nachhaltigkeit. So schnell dürfte sich daran mit Blick auf die finanziellen Engpässe durch Corona auch nichts ändern. Zwei, drei Prozent der TV-Erlöse für den Klimaschutz abzugeben, das erscheint auch Dietmar Hopp als Mehrheitsgesellschafter der TSG Hoffenheim derzeit illusorisch. Doch es gibt ja auch eine Zeit nach einer Pandemie.

Eine Kopplung der TV-Gelder ans Thema Nachhaltigkeit ist für Dietmar Hopp "ein weitreichender Schritt, den man nach der Coronakrise angehen sollte. Mit Absichtserklärungen sollte man es nicht belassen", sagt der 80-Jährige, der als Mäzen der TSG Hoffenheim bekannt wurde.

Um Absichtserklärungen ging es auch am Dienstagvormittag bei einem virtuellen Pressegespräch, an dem unter anderem Bundesminister Gerd Müller (Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit) und Geldgeber Dietmar Hopp teilnahmen. "Wir sind gefordert, die Klimakatastrophe abzuwenden", sagt der 80-jährige SAP-Milliardär: "Lasst uns zeigen, dass der Sport bereit ist für echten Klimaschutz."

Der Minister übernimmt die Rolle des Stürmers

Wer als Bundesminister den Namen des wohl größten deutschen Stürmers aller Zeiten trägt, dem mangelt es natürlich nicht an Fußball-Bezug. Gerd Müller, der Ältere, sang ja einst: Dann macht es bumm, ja und dann kracht/’/s. Und alles schreit: der Müller macht/’/s.

Minister Müller hatte deshalb auch im Videogespräch die Rolle des drängenden Stürmers, des Machers, dem es ums Toreschießen und Ziele geht. Schließlich finden drei Partien der Fußball-EM 2021 und die EM 2024 hierzulande statt. "Es wäre ein Nachhaltigkeitssignal, wenn Deutschland die EM klimaneutral stellen würde", sagt der Minister Müller.

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Das heißt, sämtliche durch die EM-Spiele verursachten CO2-Emissionen sollten finanziell kompensiert werden. "Das wäre ein genialer Kontrapunkt zur WM in Katar 2022, die ein Klimakiller ist", sagt Gerd Müller. Bei der WM werden die Stadioninnenräume künstlich heruntergekühlt. Wobei man natürlich mit dem noch kurzfristigeren Blick voraus festhalten muss: Das derzeit noch geplante Vielflieger-Format der EM 2021 mit Partien von Schottland bis Aserbaidschan erscheint weder pandemie- noch klimaschutzkompatibel. Müllers weitere Forderung: "Die Bundesliga sollte sich klimaneutral stellen, sich in der aktuellen Krise ein neues Image geben."

Das Klima ist der Gewinner der Geisterspiele

Nun ist das in Zeiten ohne Fans im Moment notgedrungen einfacher denn je. Das Klima ist sozusagen ein Gewinner der Geisterspiele. Denn die Fanreisen entfallen aktuell, damit auch rund 7800 Tonnen CO2, die Fans an einem normalen Spieltag der ersten Bundesliga verursachen. Das geht aus einer Kurzstudie der Nachhaltigkeitsexperten von Co2OL hervor, einer Klimaschutzberatung für Unternehmen. Zwei Drittel davon entfallen auf die An- und Abreise der Zuschauer. 48 Fußballfelder voll mit 60.000 Bäumen müsste man pflanzen, um das auszugleichen. Woche für Woche.

Solche Bäume pflanzt unter anderem auch die TSG Hoffenheim. Allerdings nicht im Kraichgau, sondern in Afrika. "Denn hier sind die Folgen des Klimawandels am ehesten zu sehen", sagt Stefan Wagner als Vorsitzender des Vereins Sports for Future. Seit August 2019 agiert die TSG eigenen Angaben zufolge klimaneutral, der Kraichgauclub gleicht auch bei Bundesligaspielen die Emissionen der anreisenden Teams und Schiedsrichter aus. Fanartikel werden zudem klimaneutral und nachhaltig in Afrika produziert.

Auch der FC Bayern München hat sich ein Klimaziel gesetzt. Der deutsche Branchenprimus möchte seinen CO2-Fußabdruck bis 2030 kompensiert haben, wie Karl-Heinz Rummenigge in einem kurzen Einspielfilmchen verkündete. "Grün sollte in der Bundesliga nicht nur Werder Bremen sein", sagt CSU-Mann Gerd Müller. "Wenn Hoffenheim vorangeht und sich der FC Bayern einen Ruck gibt, Nachhaltigkeits-Weltmeister zu werden, machen es auch andere", hofft Müller, der gerne einen kompletten Bundesligaspieltag unters Motto "Nachhaltigkeit und Klimaschutz" stellen würde.

Es ist gut, wenn trotz einer Pandemie das Thema Klimawandel nicht komplett in Vergessenheit gerät. Noch besser, wenn große Akteure ein Ziel haben. Die TSG Hoffenheim ist Mitinitiator des Vereins Sports for Future, der die verbindende Kraft des Sports fürs Klima einsetzen möchte. Die Allianz für Klima und Entwicklung ist hingegen eine Stiftung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die im Auftrag des Entwicklungs-Ministeriums gegründet wurde. Nun machen beide mit einer Aufforstungskampagne Sports4Trees gemeinsame Sache.

Es geht zack, zack. Die TSG Hoffenheim ist am Donnerstagabend (18.55 Uhr/DAZN) in der Europa League gefordert. Bisher gab es in drei Spielen drei Siege, darunter ein 5:0 gegen eine Coronakrisen-Notelf aus Liberec. Jetzt steht das Rückspiel in Tschechien an.

"Momentan sieht es so aus, als sei die Europa League ein bisschen leichter", sagte TSG-Torjäger Andrej Kramaric nach dem knapp verpassten Bundesliga-Befreiungssieg beim 3:3 gegen den VfB Stuttgart. Man müsse im nationalen Geschäft "viel mehr machen, viel mehr auf den Platz bringen" und Punkte holen, um in der Tabelle nach oben zu klettern, möglichst in jene Europacupplatz-Regionen, denen sich die TSG Hoffenheim zugehörig fühlt.

Ihlas Bebou, Angriffspartner von Kramaric, sagte mit Blick aufs anstehende Spiel bei Slovan Liberec: "Zuletzt haben wir in der Europa League drei Siege eingefahren, damit wollen wir natürlich weitermachen und uns wieder Mut holen für die Bundesliga."

Rosen hofft auf Normalität bei der Reise nach Nordböhmen

Nach den jüngsten Virus-Turbulenzen im Kraichgau mit zahlreichen Infektionsfällen soll es möglichst wieder geordnete Verhältnisse geben. Der Hoffenheimer Sportchef Alexander Rosen hofft auf keine weiteren Probleme durch die Reise nach Liberec.

Er war als Kritiker der internationalen Länderspiel-Abstellungen inmitten der Corona-Pandemie vorgeprescht: Zu hoch sei das Ansteckungsrisiko für die weltweit umherreisenden Nationalspieler. Und nun? Im Europacup? Rosen sagte im ZDF: "Ich sehe die Europa-League-Spiele etwas anders als die Länderspiele." Man reise als geschlossene Hoffenheimer Blase. "Definitiv ist es ja so, dass diese Vermischung, diese Kontaktanzahl bei Nationalmannschaften etwas anderes ist als wenn eine Gruppe, die sowieso die ganze Zeit zusammen ist, als Gruppe reist."

Länderspiele sind wohl eher problematisch als Europapokal-Spiele

Er "glaube nicht, dass die Europa-League-Spiele bisher die Treiber waren", sagte Alexander Rosen. Der Hoffenheimer Sportchef sieht die Risiken eher dort, wo Gruppen bunt aus vielen verschiedenen Herkunftsorten zusammengestückelt werden - also bei den Nationalmannschaften.

Dass die Hoffenheimer Corona-Probleme mit dem Hinspiel gegen die heftig infektionsgeplagten Tschechen aus Liberec zu tun hatten, ist nicht bekannt. "Und ich finde das hoch gefährlich, da eine Spekulation anzustellen oder vielleicht sogar mit dem Finger auf jemand zu zeigen und zu sagen: Da wurde die Infektion eingetragen", betonte Rosen.

Wenn in Aussagen das Wort "eigentlich" vorkommt, werden die Inhalte schwammig, denn derjenige, der redet, hat oft einen Ja-aber-Gedanken im Hinterkopf. "Eigentlich haben wir schon eine relativ stabile Abwehr", hat Pellegrino Matarazzo nach dem 3:3 des VfB Stuttgart bei der TSG Hoffenheim am Samstag gesagt. Der Trainer wollte keine Debatte über Defensivschwächen aufkommen lassen.

Allerdings sollte ein Bundesliga-Auswärtsspiel, in dem in der Offensive drei Tore gelingen, eigentlich gewonnen werden. Der VfB hat im Sinsheimer Stadion eine 2:1-Führung nicht ins Ziel gebracht. Zuvor beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt wurde vom Aufsteiger aus Stuttgart ein 2:0-Vorsprung vergeben. Matarazzo sagte nun: "Das liegt nicht nur an der Abwehr, der Kette, sondern es liegt an der ganzen Mannschaft." Die TSG Hoffenheim habe nach der Pause zudem "extremen Druck aufgebaut".

Die kritischen Diskussionen verlaufen weitgehend sachlich

Zwölf Gegentreffer nach acht Spielen sind keine Katastrophenbilanz. Die kritischen Diskussionen rund um den VfB verlaufen weitgehend sachlich. Aber die Rückkehr von Waldemar Anton in die Abwehr-Dreierformation war von den drei Gegentreffern überschattet. Pellegrino Matarazzo versicherte schnell, dass die Anfälligkeit "nichts mit der Aufstellung zu tun" hatte. Der Trainer ließ Atakan Karazor diesmal draußen. Der war zuvor viermal in Folge als Mittelmann der letzten Kette in der Startelf aufgetaucht. Der von Hannover 96 gekommene und schnell zum neuen Stuttgarter Abwehrchef aufgestiegene Anton hatte sich im Training verletzt und musste ersetzt werden.

Jetzt war er wieder dabei. Und verursachte gleich einen Foulelfmeter. Nachdem Waldemar Anton den dynamisch dem VfB-Tor entgegenstrebenden Hoffenheimer Florian Grillitsch im Strafraum zu Fall gebracht hatte, traf Andrej Kramaric vom Punkt zum 3:2 für die badischen Gastgeber.

Matarazzo: Die Schwächen sind kollektive Schwächen gewesen

Trainer Matarazzo wollte seinen Mann mit der Rückennummer 2 auf dem Trikot aber nicht schlecht dastehen lassen. Die Schwächen der zweiten Halbzeit seien kollektive Schwächen gewesen. "Er war gut in der ersten Halbzeit." Anton habe "gute Bälle gespielt, gute Zweikämpfe gewonnen, war aktiv".

So sollte das im nächsten Spiel tunlichst bis zum Schluss sein, denn am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) trifft der VfB Stuttgart auf den FC Bayern München. Der Champions-League-Sieger musste am Samstag zwar mit einem kümmerlichen Heim-1:1 gegen Werder Bremen klar kommen, doch die Bayern haben in den acht Bundesligaspielen dieser Saison schon 28 Tore erzielt. Da braucht der VfB Stuttgart also eine stabile Abwehr - ganz ohne Einschränkungen mit dem Wörtchen "eigentlich".

Die Erstligakarrieren der Cheftrainer Sebastian Hoeneß und Pellegrino Matarazzo sind noch jung. Hoeneß hat den FC Bayern München II in der 3. Liga auf Platz eins geführt, ehe er im vergangenen Sommer zur TSG Hoffenheim gekommen ist. Matarazzo war immerhin schon Assistenztrainer bei eben jener TSG, ehe er als Chef mit dem VfB Stuttgart in die Bundesliga aufgestiegen ist.

Hoeneß muss sehr viele Steine mit sich herumtragen

Jetzt wollen sich beide Trainer in der deutschen Eliteklasse beweisen. Der 42-jährige Matarazzo steht in der Tabelle drei Punkte vor dem 38-jährigen Hoeneß. Beim VfB war es zuletzt ruhig, ohne die oft erlebten Stuttgarter Fußball-Turbulenzen. Der Trainer konnte konzentriert arbeiten. Im Kraichgau hingegen war vor allem wegen der Corona-Lawine, die über die TSG hereingebrochen ist, mächtig was los. Der Hoffenheimer Sportchef Alexander Rosen bringt eine entsprechend hohe Toleranz auf für die im Bundesliga-Betrieb bislang zu dürftige Performance. "Ich weiß nicht, wie viele Trainer jemals in ihrer Debütsaison so viele Steine in ihren Rucksack gelegt bekommen haben", sagte er im ZDF-Sportstudio. Verletzungsausfälle bei wichtigen Spielern kamen ja noch dazu. Aber Hoeneß sei, so Rosen, "total" stressresistent. "Er ist einfach sehr fokussiert, er geht voran, er ist der Leader der Mannschaft, er lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen."

Das seelische Gleichgewicht von Sebastian Hoeneß war aber schon kurz erschüttert, als der ersehnte Sieg gegen den VfB wegen des Ausgleichs in der 93. Minute doch nicht zustande kam. Der Hoffenheimer Trainer war auf der Bank sichtlich bedient. Sein Gesichtsausdruck sagte mehr als Worte.

Später versicherte Hoeneß: "Auch das werden wir wegstecken." Sein Team habe in der zweiten Halbzeit "trotz der Widrigkeiten, denke ich, eine Superreaktion gezeigt". Viele Stammspieler fehlten wegen der Corona-Misere. Der Trainerkollege Matarazzo durfte den späten Ausgleich bejubeln, moserte aber: "Die entscheidenden Zweikämpfe haben wir in der zweiten Halbzeit nicht gewonnen." Man habe "das Momentum des Spiels verloren".

VfB-Trainer nimmt die Führungsspieler in die Pflicht

Matarazzos Vorwurf nach dem deutlichen Leistungsabfall im zweiten Spielabschnitt: "Da wünsche ich mir von allen Führungsspielern, die auf dem Platz stehen, ein bisschen mehr Körpersprache, eine andere Körpersprache, eine andere Kommunikation." Die Forderung des VfB-Trainers: "Alle Führungsspieler sollten ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen."

Darauf wird es im nächsten Spiel noch viel mehr ankommen, denn dann empfängt der VfB Stuttgart den FC Bayern München. Das könnte ein Höhepunkt werden in der noch jungen Bundesliga-Cheftrainerkarriere von Pellegrino Matarazzo. Als Sebastian Hoeneß Ende September als Herausforderer des deutschen Dauermeisters debütierte, gab es einen Hoffenheimer 4:1-Sieg.

Nicht schwarz. Nicht weiß. Eine Punkteteilung, eigentlich ein Ergebnis aus dem Graubereich. Ohne Sieger oder Verlierer. Und doch waren die Emotionen direkt nach dem 3:3 zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart extrem. Bei den Kraichgauern war es "ein Gefühl wie eine Niederlage", so drückte es Torjäger Andrej Kramaric aus. Reichlich konsterniert waren die TSG-Profis nach dem Ausgleichstor von Marc Oliver Kempf in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Ein "brutaler Genickbrecher" sei das gewesen, beschrieb Trainer Sebastian Hoeneß seine Gefühlswelt. Stürmer Christoph Baumgartner sagte: "Der Ärger ist extrem." VfB-Verteidiger Kempf hingegen, der sein Team in der Offensive vor einer 2:3-Pleite im badisch-schwäbischen Prestigeduell bewahrt hatte, war "am Ende natürlich heilfroh, dass wir zumindest noch einen Punkt mitnehmen können". Besser als nichts.

Obwohl es nun schon das vierte Unentschieden in Folge für den Bundesliga-Aufsteiger war. Die Stuttgarter treten auf der Stelle.

Die immens coronageplagte TSG Hoffenheim hat den beinahe sicher gewähnten Befreiungsschlag doch noch verpasst. Nur zwei Punkte wurden in den letzten sechs Bundesligaspielen geholt.

"Wir müssen den Sieg einfach nach Hause bringen", haderte Torwart Oliver Baumann mit dem Spielverlauf am Samstagnachmittag. "Bei mir herrscht ganz klar Frust." Es gab für die Notelf der TSG, die personell den Virus-Trubel im Kraichgau widerspiegelte, kein Happy End nach einem wilden Ritt auf der Gefühls-Achterbahn.

Richtig schlecht war die Hoffenheimer Leistung in der ersten Halbzeit gewesen. Wäre Baumann nicht zum Retter geworden, als er einen Schuss von Silas Wamangituka famos ablenkte (39.), hätte die Partie vorentschieden sein können. 1:3 statt 1:2. Doch nach der Halbzeitpause lief plötzlich alles ganz anders. Ryan Sessegnon glich in der 48. Minute zum 2:2 aus. Andrej Kramaric sorgte in der 71. Minute mit einem sicher verwandelten Foulelfmeter für die 3:2-Führung. Die TSG war auf Drei-Punkte-Kurs.

Moral kombiniert mit einem Quäntchen Dusel

Bis eben Marc Oliver Kempf ganz spät das 3:3 schoss. Zwei Punkte waren futsch. "Das tut extrem weh", schilderte Christoph Baumgartner seine Empfindungen. Die Stuttgarter Profis konnten hingegen aufatmen. Mit viel Moral und einem Quäntchen Dusel in der Nachspielzeit hatten sie die drohende Niederlage verhindert und einen Auswärtspunkt geholt, immerhin. "Wir müssen auch glücklich darüber sein", meinte VfB-Torwart Gregor Kobel.

Als Baumgartner die TSG Hoffenheim in der 16. Minute überraschend in Führung geschossen hatte, wankten die Stuttgarter kein bisschen. Schon in der 18. Minute glich Nicolas Gonzalez aus, in der 27. Minute traf Silas Wamangituka zum verdienten 2:1 für den stark spielenden, klar besseren VfB. Aber dann kam die Halbzeitpause, dann kam der Bruch. "Wir haben nicht mehr so in unser Spiel gefunden", sagte Marc Oliver Kempf. Man habe "den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht".

Die Hoffenheimer waren wie verwandelt aus der Kabine gekommen, aggressiver und aktiver. Sie übernahmen schnell die Spielkontrolle. "Wir haben unser Herz in die Hand genommen, Eier gezeigt", beschrieb Christoph Baumgartner den Wandel.

Warum Sportchef Rosen stolz ist

Von Sportchef Alexander Rosen gab es spätabends im ZDF-Sportstudio ein Kompliment. "Diese Mannschaft zeigt Charakter." Er sei "wirklich auch ein Stück weit stolz", wie die Hoffenheimer Profis mit der hoch problematischen Coronavirus-Situation im Club umgegangen seien. Dennoch, es blieb ein "Ärgernis, dass wir dieses Spiel hinten raus noch abgegeben haben".

Es gibt sie momentan nicht, die ganz einfachen Schwarz-weiß-Wahrheiten. Nicht bei der TSG und nicht beim VfB, dem bei all den vielen Unentschieden die klare Richtung im Gefühlsleben fehlt.

Fakt ist: Die Stuttgarter haben auch nach dem badisch-schwäbischen Prestigeduell drei Punkte mehr in der Bundesliga-Tabelle.

Dies betrifft den gesamten bezirksinternen Spielbetrieb der Herren, Frauen und der Jugend. Die bisher noch angesetzten Spiele im Dezember 2020 werden abgesetzt. Wie und wann die Saison fortgesetzt werden kann, ist noch offen. Nach einer Lockerung der Corona-Beschränkungen sollen zunächst alle ausgefallenen Spiele der Vorrunde komplett nachgeholt werden.

Der Württembergische Fußballverband (WFV) hat angekündigt eine generelle Entscheidung für den Verbandsspielbetrieb zu treffen, wenn die behördlichen Vorgaben klar sind - mutmaßlich nach der Bund-Länder-Konferenz am 25. November.

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