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Pellegrino Matarazzo ist ein Trainer, der oft auswechselt. Bei der 2:3-Niederlage des VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund nutzte er zuletzt alle fünf Wechselmöglichkeiten. Daniel Didavi, Pascal Stenzel, Erik Thommy, Philipp Klement und Darko Churlinov kamen rein. Das sind Namen, die vielfach auftauchen, wenn es um Kurzeinsätze geht. Die üblichen Startelf-Spieler beim VfB sind andere.

Seit Monaten gehört Mittelstürmer Sasa Kalajdzic zu den gesetzten Topspielern in der ersten Elf. Der Österreicher trifft und trifft und trifft. Aber er saß auch schon draußen und musste sehnsuchtsvoll zugucken. Also verwies Kalajdzic nach seinem 14. Bundesliga-Saisontor im Duell mit dem BVB auch auf die Jungs im Schatten. Auf die, die vom gleißend hellen Rampenlicht nicht angestrahlt werden. "Wir haben gute Spieler hinten in der zweiten, dritten Reihe." Da gebe es beim VfB Stuttgart ein ordentliches "Potenzial an Talenten".

Junge Kerle wie Naouirou Ahamada, Momo Ciss oder eben Darko Churlinov. Aber es gibt auch die mittlere Altersklasse. Das sind langjährige Profis wie Didavi, Thommy, Klement, Stenzel oder auch der fast ganz in der Versenkung verschollene Marcin Kaminski.

Matarazzo hat bisher keine Unruhe aufkommen lassen

Trainer Matarazzo hat es bislang geschafft, dass keine Unruhe aufgekommen ist, obwohl es etliche unzufriedene Profis im Stuttgarter Kader geben muss. Spieler wie Klement, die mit einer ganz anderen Erwartungshaltung zum VfB gekommen sind. Oder Spieler wie Stenzel, die mal absolute Stammkräfte waren, nun aber ins Hintertreffen geraten sind.

Der Kampf um Einsätze könnte zurzeit sogar noch viel heftiger sein, wären nicht in Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez, Orel Mangala und Gonzalo Castro vier Profis gegen Dortmund verletzt ausgefallen, die normalerweise zur VfB-Startelf gehören, wenn sie fit sind.

Das Spiel des VfB war mit Didavi am Samstag dynamischer

Ansprüche, von Beginn an zu spielen, hat Daniel Didavi am Samstagabend angemeldet. Nach seiner Einwechslung in der 61. Minute wurde das VfB-Spiel besser, dynamischer, gefährlicher. In der 78. erzielte der 31-Jährige das 2:2. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat sagte: "Da sieht man, was er uns geben kann."

Der für Didavi vom Platz gegangene U21-Nationalspieler Mateo Klimowicz war der schwächste Stuttgarter. Trainer Matarazzo wird seine Elf am kommenden Samstag bei Union Berlin vielleicht anders aufstellen. "Dida hat es sehr gut gemacht, eine sehr gute Energie auf den Platz gebracht", sagte er. Mislintat sieht nicht nur die sportliche Bedeutung des Offensiv-Routiniers. "Daniel ist unser Junge, unser Akademiespieler. Er kommt aus Stuttgart, ist ein Vorbild für viele unserer jungen Spieler, ein ganz toller Mensch und auch im Ausgleich der Nationen und Kulturen wichtig." Ja, die zweite Reihe ist wichtig.

Sven Mislintat mag es, Dinge ganz deutlich zu formulieren. "Die ersten zehn Minuten in der zweiten Halbzeit haben uns gekillt", sagte der Sportdirektor des VfB Stuttgart nach dem 2:3 gegen Dortmund. Damit war viel gesagt über die beiden Gegentore in der 47. und 52. Minute.

Nicht ganz so deutlich sind die Aussagen von Mislintat, wenn es um die Kaderplanung für die Zukunft geht. Es ist möglich, dass der eine oder andere Stuttgarter Leistungsträger für gutes Geld abgegeben wird, obwohl der Vertrag beim VfB noch ein Weilchen gelaufen wäre. "Transfererlöse tun fast allen Mannschaften gut", sagte Sven Mislintat am Sky-Mikrofon, "wenn Corona solche Löcher reißt".

Bislang liegen dem VfB keine konkreten Anfragen vor

Schwaben sind laut Klischee immer sparsam. Und ein Westfale in schwäbischen Diensten ist das auch, wenn wegen der Virus-Pandemie keine Zuschauer ins Stadion dürfen und sich die Einnahmen-Situation dramatisch verändert hat. Mislintat wird keinen Topspieler in der Not verramschen müssen, der Sportdirektor würde nur darüber nachdenken, VfB-Schlüsselspieler abzugeben, "wenn absolute Topclubs kommen". Wenn es also um richtig große Ablösesummen ginge. Konkrete Anfragen bislang? "Nein", sagte Mislintat am Samstag bei Sky.

Am Sonntag stand der Sportdirektor erneut Rede und Antwort. Da ging es dann um die möglichen Vertragsverlängerungen der Routiniers Daniel Didavi und Gonzalo Castro.

Die Gespräche mit Didavi stimmen den VfB zuversichtlich

Mit Didavi, gegen Dortmund Torschütze, oft aber nur Ergänzungsspieler, befinde man sich in "extrem guten Gesprächen", sagte Mislintat. "Ich bin da wirklich zuversichtlich, dass wir da was hinbekommen." Der 31-Jährige müsste allerdings als einer der VfB-Spitzenverdiener Abstriche hinnehmen - Corona-Krise halt. Beim 33-jährigen Castro ist die Ausgangslage ähnlich, der Verlängerungs-Trend aber nicht. "Ich weiß es noch nicht, um ehrlich zu sein", sagte Sven Mislintat. "Das sind offene Gespräche."

Man weiß nicht, was Joachim Löw hinter seiner Corona-Schutzmaske alles dahingenuschelt hat. Die Reporter sitzen viel zu weit weg von den Vip-Plätzen. Im Fernsehbild konnte man sehen, dass der Bundestrainer sich mit Thomas Hitzlsperger unterhalten hat, dem Vorstandsvorsitzenden des VfB Stuttgart. Als Jogi Löw anno 2006 noch Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei der Nationalmannschaft war, gab es im Stuttgarter Stadion einen 3:1-Sieg gegen Portugal, damit war Deutschland Weltmeisterschafts-Dritter. Hitzlsperger war damals als VfB-Nationalspieler dabei. Er wurde spät eingewechselt, war bei der Heim-WM nur eine Randfigur.

Gut möglich, ziemlich wahrscheinlich sogar, dass er sich nun mit Löw ein wenig über die anstehende Europameisterschaft unterhalten hat. Dort will sich der Bundestrainer "schon auch", wie er so gerne sagt, mit einem ordentlichen Abschneiden aus dem Amt verabschieden. Ob dann irgendein Spieler des VfB Stuttgart als Randfigur dabei sein wird?

Vermutlich hat der Bundestrainer Dortmunder Spieler unter die Lupe genommen

Eher nicht. Obwohl der VfB als Aufsteiger in die Bundesliga eine richtig gute Saison abliefert. Joachim Löw hat zuletzt andere Spieler nominiert. Man darf vermuten, dass der Bundestrainer beim Stadionbesuch in Stuttgart vor allem Akteure von Borussia Dortmund unter die Lupe genommen hat.

Wobei, dieser lange Lulatsch im VfB-Traditionstrikot mit dem Brustring, dieser Neuner, der in der 17. Minute so beeindruckend hoch in der Luft stand und die Dortmunder Abwehr beim 1:0-Führungstreffer des VfB lächerlich machte, das wäre schon einer, um Nordmazedonien mal in die Schranken zu verweisen. Und vielleicht auch die Franzosen oder Portugiesen. Aber Mist! Sasa Kalajdzic ist Österreicher. Sein 14. Bundesliga-Saisontor ist für Löw wertlos.

Die Gegentreffer, sagt Kalajdzic, fielen zu leicht

Für den VfB war es das letztlich auch, denn die Partie gegen den Champions-League-Viertelfinalisten BVB ging noch mit 2:3 (1:0) verloren. Kalajdzic fand das "bitter". Die drei Gegentreffer in der zweiten Halbzeit, "das ging zu leicht für Dortmund". Speziell Tor Nummer drei, mit dem die Borussia nach Daniel Didavis Ausgleich in der 78. Minute doch noch drei Punkte aus Stuttgart mitnahm, ärgerte den VfB-Torjäger. "Das musst du besser verteidigen." Die Frust-Klage des gebürtigen Wieners: "Am Ende schaut dann halt nichts für uns raus."

Diesmal stand der Jung-Borusse Ansgar Knauff als Matchwinner da, eine Rolle, die Sasa Kalajdzic zuletzt öfters inne hatte. In der 80. Minute traf Knauff, zuvor waren Jude Bellingham (47.) und Marco Reus (52.) erfolgreich gewesen. Auf den EM-Kandidaten Reus dürfte Joachim Löw genauer geachtet haben. Die Frage aus Stuttgarter Sicht ist: Hat der Bundestrainer auch auf Waldemar Anton geschaut, den Abwehrchef des VfB, den wohl einzigen Spieler aus dem Team von Trainer Pellegrino Matarazzo, der es als Überraschungsgast ins deutsche EM-Aufgebot schaffen könnte.

Eine Empfehlung für Löw findet Matarazzo nicht angemessen

Matarazzo musste sich in der Pressekonferenz mit der Frage auseinandersetzen, welche seiner Spieler er dem DFB-Kollegen Löw "für die EM empfehlen" würde. Der VfB-Trainer lachte, schüttelte ein bisschen den Kopf und sagte: "Ich glaube, dass er viel Erfahrung hat und weiß, was er tut." Es wäre "nicht angemessen", dem Bundestrainer eine Empfehlung auszusprechen.

Immerhin, Löw hat gesehen, dass Waldemar Anton ein guter Verteidiger ist. Dem Dortmunder Superstürmer Erling Haaland gestattete er nur wenige auffällige Szenen. Die 2:3-Niederlage fand Anton "sehr ärgerlich", denn "wir kassieren die Tore viel zu einfach, das müssen wir uns ankreiden lassen". Pellegrino Matarazzo haderte mit den Unaufmerksamkeiten gleich nach der Pause, die zum 1:2 führten. "Sicherlich wünscht man sich einen anderen Start in die zweite Halbzeit." Aber: "Mit einem bisschen mehr Glück wäre ein Punkt sicherlich drin gewesen."

Für VfB-Abwehrchef Anton gab es vom Trainer Komplimente, trotz des 2:3. "Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht, war sehr reif, hat wenig angeboten." Dann sagte Matarazzo noch: "Er hat eine Topmotivation gehabt zu zeigen, dass er das auch kann." Bestehen gegen Erling Haaland, wenn Joachim Löw auf der Tribüne sitzt.

Karazor in der Startelf

Atakan Karazor gehört selten zur Startformation des VfB Stuttgart. Diesmal schon, weil Gonzalo Castro angeschlagen fehlte. "Ich finde, er hat ein Riesenspiel gemacht, hat vieles bereinigt, viele Zweikämpfe gewonnen", sagte Trainer Pellegrino Matarazzo.

Die Amateursaison ist seit Freitag beendet. Es blieb dem Württembergischen und Badischen Verband keine andere Möglichkeit, als die Spielzeit zu annullieren. Das stößt bei allem Verständnis nicht überall auf Gegenliebe. Einige Vereinsvertreter hätten sich alternative Optionen gewünscht.

Wie Onur Celik, Vorstand des Unterland-Bezirksligisten VfR Heilbronn: "Das ist ärgerlich. Wenn man sieht, dass seit mehr als fünf Monaten nicht mehr gespielt wird und sich, was das Coronavirus betrifft, keine Besserung einstellt, ist die Entscheidung klar nachvollziehbar", sagt Celik. "Aber man hätte eine andere Lösung suchen können." Celik hätte die bayerische Variante bevorzugt - und die Saison im Herbst weitergespielt. "Dafür habe ich schon vergangenes Jahr plädiert. Aber die Verantwortlichen sind dazu wieder nicht mutig genug gewesen."

Vereinsvertreter hätten sich mehr EInfallsreichtum gewünscht

Ähnlich sieht es Karl-Heinz Sprügel, Manager des Verbandsligisten FSV Hollenbach. Er hätte sich im Vorfeld mehr Einfallsreichtum bei Alternativ-Lösungen vom Verband gewünscht. "Es ist enttäuschend, aber wir akzeptieren es. Der WFV hat sich keine Gedanken darüber gemacht, eine Lösung zu finden. Dass das schwierig ist, wissen wir alle, aber man hat so den leichtesten Weg gewählt." Ähnliches hatte auch FSV-Trainer Martin Kleinschrodt gesagt. Der Verein schickte dem WFV noch einen Brief mit Vorschlägen, diese seien aufgrund der Statuten aber nicht machbar gewesen.

"Da bin ich voll auf seiner Linie", sagt Eugen Bartl, Vorstandsmitglied des nordbadischen Verbandsligisten VfR Gommersdorf. "Ich hätte mir in der besonderen Lage gewünscht, dass auch besonders reagiert wird. Aber wir können damit leben." Immerhin sind jetzt klare Verhältnisse geschaffen, findet Oliver Späth, der nichts anderes als die Annullierung der Saison erwartet hatte.

Sorgen um die Kinder machen sich breit

"Wer die Entwicklung auf politischer Ebene verfolgt hat, dem musste das klar sein", sagt der Sportliche Leiter des VfB Eppingen. Die kurzen Lockerungen hätten ihn zwar beinahe Lügen gestraft, "was mir in dem Fall Recht gewesen wäre". Geändert aber hat es nichts mehr. Das Aus sei kein Weltuntergang, meint Späth und blickt auf Einzelhandel und Gastronomie, die es weit härter träfe. Einzig um die Kinder sorgt er sich. "Für die Kleinen waren die wenigen Trainingseinheiten vor Wochen eine Befreiung." Ob nicht wenigstens in diesem Bereich in absehbarer Zeit und mit guten Konzepten etwas möglich sei, fragt er.

Für die VfB-Männer bliebe nichts Anderes, als die neue Saison weiter zu planen. Vorfreude kommt bei Späth keine auf, die Themen bleiben dieselben: "Keiner weiß, wann und wie es weitergeht."

Der am Freitag von den Fußballverbänden in Württemberg und Baden verkündete Saisonabbruch der Amateurspielzeit 2020/21 mit der Annullierung der Punktrunde hat nicht überrascht. Von der Verbandsliga abwärts gibt es weder Auf- noch Absteiger. Die Pokalwettbewerbe sollen jedoch zu Ende gespielt werden.

Was die Oberliga betrifft - die sich aus den Verbänden Baden, Südbaden und Württemberg zusammensetzt - gilt es noch zu klären, ob es Aufsteiger in die Regionalliga geben soll. Durch den Zusatz "in der Regel" in der Spielordnung könnte dies möglich sein, da in der Regionalliga die Runde zu Ende gebracht wird. Das sofortige Saisonende ist aber in den Oberligen alternativlos.

Aktuell habe es von der Oberliga-Spielkommission keine endgültige Entscheidung gegeben, sagt Thorsten Damm, Sportlicher Leiter des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union. "Wir wurden nur bei der letzten Videokonferenz am 26. März aufgefordert, eine Stellungnahme zu einer möglichen Aufstiegsregelung abzugeben. Am Freitag gab es eine Info über die grobe statistische Auswertung der Stellungnahmen."

Neckarsulmer Sport-Union gibt keine Stimme, aber ein Feedback ab

Demnach meldete sich ein Viertel der Vereine nicht, während ein Viertel den Vorschlag der Spielkommission mit dem Aufstieg des aktuellen Tabellenführers und der Relegation des Zweitplatzierten befürwortet. Die anderen 50 Prozent stimmten diesem Vorschlag nicht zu.

"Wir haben ein Feedback und keine Stimme pro oder contra Aufsteiger abgegeben, vielmehr als neutraler Beobachter zum Ausdruck gebracht, dass aus unserer Sicht kein Oberligist, der lediglich acht beziehungsweise 13 Spiele absolviert hat, aufsteigen sollte", sagt Damm, "während ein Regionalligist absteigt, der unter widrigen Pandemie-Bedingungen 42 Partien absolviert hat." Es ist eine Stellungnahme aus moralischer und nicht aus sportlicher Sicht.

Das heißt aber nicht, dass die Neckarsulmer und auch andere Vereine dem SGV Freiberg oder den Stuttgarter Kickers nicht den Aufstieg gönnen. Was vielen aufstößt, ist die Vorgehensweise der Oberliga-Spielkommission.

Einige Oberligisten fühlen sich überrumpelt

Einige Clubs fühlten sich von der plötzlichen Aufstiegsmöglichkeit überrumpelt. Wie der Neunte Dorfmerkingen. "Als dann der Zusatz "in der Regel" in die Argumentation kam, drängte sich uns vollends der Eindruck auf, dass bereits im Vorfeld ein geplanter Ausweg für die verfahrene Situation gefunden werden sollte. Auch scheinen einige Vereine im Vorfeld via E-Mail informiert gewesen zu sein. Wir nicht. Wir finden es keine gute Idee des Verbandes, hier nicht alle Vereine mitgenommen zu haben. Das ist enttäuschend und unfair", heißt es auf der Internetseite. Und: "Dass das auslegbare (...) "in der Regel" in dem bisher erwähnten Zusammenhang aufgekommen ist, stößt uns sehr sauer auf. Da sollte sich auch niemand unnötig angegriffen fühlen."

Angreifen will auch Damm niemanden, steckt jedoch in einem Zwiespalt: "Sieht man rein die Bilanz von Freiberg, kann man sagen, die müssen aufsteigen, weil sie es sich verdient haben. Auf der anderen Seite gibt es den abgeschlagenen Regionalligisten Stadtallendorf, der sich sportlich so schlecht präsentiert, dass man sagen muss, die sollte man absteigen lassen." Als fairere Lösung nennt er eine Relegation mit den bestplatzierten Oberligisten und den abstiegsbedrohten Regionalligisten - sofern dies die Corona-Lage zulässt. Eine Idee, die zumindest sportlich fair klingt.

Befürworter und Gegner tragen ihren Kampf mit offenen Briefen aus

Doch mittlerweile ist die Lage so verfahren, dass sich Regionalliga, aufstiegswillige Oberligisten und solche, die gegen diese Option sind, via Offener Briefe bekämpfen. In einem stellt Regionalliga-Sprecher Rafael Kowolik die Hintertür in der Oberliga-Satzung als fragwürdig dar. Zudem wollten auch viele Regionalligisten die Saison nicht fortsetzen. Wäre diese ebenfalls unterbrochen und annulliert worden, wären alle 22 Teams in der Liga verblieben. Kowolik versucht Argumente gegen den Aufstieg von Oberligisten aufzuzeigen. Einige davon hat auch Thorsten Damm aufgegriffen.

Gekontert wurde dies in Form eines Offenen Briefs der Stuttgarter Kickers. Darin zeigt Präsident Rainer Lorz kaum argumentativ auf, warum Oberligisten mit acht bzw. 13 Partien ein Aufstiegsrecht haben, während es stets hieß, es müsse mindestens die Vorrunde gespielt sein, damit die Tabelle sportliche Aussagekraft besitze.

Man könnte hier nun all die Spielernamen aufzählen, die Trainer Sebastian Hoeneß in der Pressekonferenz aufgezählt hat. All die Profis aus dem Bundesliga-Kader der TSG Hoffenheim, die ganz große, große oder ein bisschen kleinere gesundheitliche Probleme haben. Es reicht aber festzustellen: Es sind sehr viele. Zu viele?

Schwerwiegende Blessuren

Die zahlreichen Misserfolge und Enttäuschungen, die sich im Kraichgau in dieser Saison angesammelt haben, sind kein Zufall. Es gibt dafür Ursachen, die kein Geheimnis sind. Ein ganz wesentlicher Grund ist, dass die TSG Hoffenheim im vergangenen Spätjahr extrem von der Coronavirus-Pandemie betroffen war. So viele Ausfälle, so viel Holpern und Stolpern. Eben auch, weil immer wieder Verletzungspech hinzu kam, nicht selten waren es schwerwiegende Blessuren.

Jetzt stehen die Hoffenheimer zwar nicht am Abgrund zur 2. Liga. Aber sie stehen viel zu weit hinten in der Tabelle für ein Team, das die Europapokal-Qualifikation als berechtigt erscheinendes Ziel hatte. Und wer weiß, vielleicht müssen Trainer Hoeneß und seine Spieler doch noch in den Abgrund blicken? Der Punkte-Vorsprung ist zu klein, um nicht allmählich bangen zu müssen. Ein Sieg im Montagabend-Spiel (20.30 Uhr/DAZN) gegen Bayer Leverkusen würde die Hoffenheimer Situations-Wahrnehmung ganz deutlich beruhigen.

Kein übermäßiger Respekt vor Bayer

Sebastian Hoeneß versucht sich in der Kunst der trotzigen Selbstvergewisserung. Er habe keinen übermäßigen Respekt vor Bayer Leverkusen, "fürchten müssen wir uns nicht". Zwar verfüge die Mannschaft des neuen Trainers Hannes Wolf über "enorme individuelle Klasse", aber das sei nicht automatisch entscheidend, "weil wir selber auch in der Lage sind, was zu bieten".

Das stimmt. Trotz der Ausfälle steckt im Hoffenheimer Team Qualität. Das war in einigen Partien dieser Saison auch deutlich zu sehen, doch zuletzt stimmten die Ergebnisse gar nicht mehr. Die drei Niederlagen in Folge setzte es auch, weil die TSG in allen Begegnungen ganz schlechte Phasen hatte und stets früh vorentscheidend patzte.

0:1 in Stuttgart nach 15 Minuten. 0:1 gegen Mainz nach 26 Sekunden. 0:2 in Augsburg nach 23 Minuten.

Setzt Hoeneß die richtigen Impulse?

Sebastian Hoeneß hat im Training versucht, "eine Schärfe zu erzeugen, die es einfach braucht, um in Bundesliga-Spiele gut reinzukommen". Er ist überzeugt davon, die richtigen Impulse gesetzt zu haben. "Ich glaube, dass der Faktor Training einfach wichtig ist, um Emotionalität zu erzeugen."

47 Hoffenheimer Gegentore in den 27 bisherigen Bundesliga-Partien sind zu viel. Solche Bilanzen haben etliche jener Teams, die tiefer drinstecken im Abstiegssumpf. Aber Hoeneß gibt sich vor dem Duell mit der fraglos gut bestückten Leverkusener Offensive zuversichtlich, mag nicht an eine vierte TSG-Pleite hintereinander denken. Warum? "Weil wir eine Reaktion zeigen werden." Das ist ein riskantes Versprechen. Der Trainer vertraut auf seine Spieler. Ob sie entsprechend auftreten werden?

Die, die nicht verletzt sind.

Eine große Überraschung war es nicht mehr. Die seit dem 29. Oktober 2020 unterbrochene Amateurfußball-Saison in Baden-Württemberg wird von der Verbandsliga abwärts abgebrochen und annulliert. Am Donnerstagabend legte der Badische Fußballverband (BFV) in seiner Sitzung vor, am Freitagnachmittag legten die Württemberger (WFV) und Südbadener (SBFV) nach.

Dies hat die Annullierung aller Meisterschaftsrunden der Herren, Frauen und Jugend von der Verbandsliga abwärts zur Folge. Es gibt in der Saison 2020/21 keine Auf- und Absteiger. Ausgenommen vom Schlusspfiff sind allerdings Pokalspiele sowie die Ligen ab der Oberliga Baden-Württemberg aufwärts.

Verbände bedauern den Entschluss

"Wir bedauern sehr, diesen Schritt gehen zu müssen. Wir wissen, dass die Annullierung wirtschaftliche Folgen für viele Vereine hat und dass damit Träume platzen", betont BFV-Präsident Ronny Zimmermann. "Daher haben wir bis zuletzt auf eine deutliche Besserung der Infektionslage gehofft, um die Saison sportlich zu beenden, so wie es unsere Aufgabe und Pflicht als Verband ist. Nun ist leider der Punkt erreicht, an dem dies nicht mehr zumutbar und möglich ist. Als Fußballer blutet einem das Herz bei einer solchen Entscheidung!"

Ähnliche Worte fand auch WFV-Präsident Matthias Schöck: "Wir haben bis zuletzt gehofft, müssen nun aber diese bittere Entscheidung treffen."

Die Entscheidung war zu diesem Zeitpunkt alternativlos

Am Ende ist es eine ebenso alternativlose wie unbefriedigende Lösung. "Man muss ja irgendwann sagen, dass es keinen Sinn mehr macht", sagt Johannes Schinko, Vorsitzender des Fußballkreises Sinsheim. "Die Corona-Zahlen gehen wieder weiter nach oben. Und die Saison weiter nach hinten zu schieben ist auch schwierig, weil man sonst die nächste Runde in Gefahr bringt. Und in der Zeit, in der wir uns gerade befinden, gibt es kein Ich. Da müssen wir zusammen sehen, dass wir ordentlich rauskommen."

Im Kreis Sinsheim war es in den vergangenen Wochen ruhig. "Man hat in den sozialen Medien Meinungen gesehen. Und da war eher die Tendenz zu erkennen, dass sogar noch früher hätte abgebrochen werden sollen."

Ähnliches hatte auch Ralf Bantel, der Hohenloher Bezirksvorsitzende, ausgemacht. Er stimmte im Namen des kompletten Bezirksvorstandes für den Beschluss. Mit einem früheren Abbruch hätten sich die Verbände angreifbar gemacht, da sie dazu verpflichtet sind, den Spielbetrieb so lange wie möglich aufrecht zu halten.

So lange gewartet wie möglich

"Es war richtig, dass wir uns die Chance so lange wie möglich offengehalten haben, die Saison über den Abschluss der Hinrunde zu einer sportlichen Wertung zu führen - das ist unsere Aufgabe als Verband und Verpflichtung gegenüber unseren Vereinen", sagte Schöck. "Ein Abbruch ist deshalb erst dann sachgerecht, wenn in der verbleibenden Zeit keine sportliche Entscheidung mehr herbeigeführt werden kann. Dieser Punkt war nun erreicht."

Spätestens seit Februar stand fest, dass die Meisterschaftsspiele wegen der Corona-Pandemie nicht vollständig absolviert werden können. Es bestand aber rechnerisch noch die Aussicht, die Hinrunden zu beenden und die Saison auf diese Weise zu werten. Der 9. Mai wurde als letzter möglicher Termin festgelegt, um die unterbrochene Saison wieder aufzunehmen und bis zum Saisonende am 30. Juni die Hinrunde zu absolvieren.

Dafür hätte eine der Unterbrechung angemessene Vorbereitung, sprich ein flächendeckendes Mannschafttraining unter Wettkampfbedingungen vorgeschaltet sein müssen. Dies sahen die Verbände angesichts der immer noch hohen und regional stark unterschiedlichen Infektionslage sowie der geltenden Verordnungen als unmöglich an.

Oberligen bilden eine Ausnahme

Von der Entscheidung ausgenommen sind die baden-württembergischen Oberligen der Herren, Frauen und Jugend. Insbesondere im Falle der Herren-Oberliga sind aufgrund des Übergangs zur Regionalliga Südwest, die ihre Saison nach aktuellem Stand zu Ende spielen wird, die Aufstiegsfragen noch ungeklärt. Die Spielkommission der Oberliga Baden-Württemberg erarbeitet dazu derzeit einen Vorschlag für die Gesellschafterversammlung - unter Berücksichtigung der verbandsrechtlichen Rahmenbedingungen der Regionalliga Südwest.

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