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Warum Fußballfreunde in Oedheim den schwedischen Fußball verfolgen

In Oedheim fiebern Fußballfreunde mit dem schwedischen Erstliga-Neuling Degerfors IF mit, einem etwas anderen Verein, der den Aufstieg in die erste schwedische Liga gepackt hat.

Wenn am nächsten Wochenende die schwedische Fußballmeisterschaft in der Allsvenskan beginnt, dann schaut man auch in Oedheim ganz genau hin. Schließlich gehört die Partnergemeinde Degerfors als Aufsteiger in die erste Liga zum Kreis der 16 besten Teams des Landes.

Die Kicker der Spielvereinigung Oedheim mühten sich zuletzt in der Kreisliga A, in der zweiten Liga von unten, in einer komplett anderen Fußball-Welt. Degerfors weist mit rund 7000 Einwohnern nur wenig mehr als Oedheim auf. In Sachen Fußball-Fachkräfte liegt man allerdings ganz vorn.

Schwedische Fußball-Fans gibt es auch in Oedheim: Familie Liess verfolgt die Neuigkeiten rund um Degerfors IF via Facebook. "Unsere schwedischen Freunde halten uns auf dem Laufenden, wenn es wichtige Neuigkeiten gibt", sagt Angelika Liess, die eine intensive Beziehung zu Land und Leuten pflegt.

Musik und Sport verbinden die Ortschaften

Die gebürtige Oedheimerin hat Sprachkurse an der Volkshochschule belegt. Die Familie besitzt ein Ferienhaus, 20 Minuten von Degerfors entfernt. "Dort gibt es ein Fußballmuseum, daran sieht man, wie wichtig der Sport dort ist", sagt Angelika Liess. "So ein Museum gibt es nicht in jeder schwedischen Stadt." Oedheim und Degerfors kamen einst über die Musik zusammen. Die ist immer noch drin in der Partnerschaft.

Im vergangenen Dezember schaffte Degerfors die Rückkehr in die erste Liga. "Da war ordentlich was los, wir haben die Fotos gesehen", sagt die 62-Jährige. Das Problem: Viele junge Fans feierten den Aufstieg ohne Abstand, danach schnellten die Corona-Zahlen in die Höhe. Das Stadion ist in die Jahre gekommen und wird den Anforderungen des modernen Fußballs nicht gerecht. "Wir waren auch schon dort" sagt Liess und erzählt von Dauerkarteninhabern im Freundeskreis.

Eine Stadion-Modernisierung kostet Geld, das weder Verein noch Kommune haben. Erst recht, weil die Stahlindustrie vor Ort schon bessere Zeiten erlebt hat. Der ehemalige schwedischen Nationalspieler Ola Toivonen hat einst zwei wichtige Dinge in seiner Heimatstadt ausgemacht: das Stahlwerk und den Fußball. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Degerfors IF ist ein Arbeiterverein, der das Emblem der Stahlindustrie und der Metallarbeitergewerkschaft in seinem Wappen trägt. Ein Kleiner, der die Großen ärgert. Politisch links verortet, da wird man schnell zum Gegenmodell im durchkommerzialisierten Fußball-Geschäft. Die Hälfte der Einwohner ist in normalen Zeiten regelmäßig bei den Heimspielen im Stadion. Kurioserweise ist der Verein nun ausgerechnet in einer Spielzeit ganz ohne Zuschauer aufgestiegen, was für große finanzielle Probleme sorgte. Eine Spendenaktion der Fans verhinderte die Pleite.

Frau führt den Arbeiterclub

Anders als andere, das lässt sich an vielem festmachen: Sven-Göran Eriksson, später englischer Nationaltrainer, war hier schon mit 29 Jahren Ende der 70er Jahre Cheftrainer. In Suzanne Hällström leitet eine Frau aktuell die Geschicke des Clubs. "Der Weg zu Posten dieser Art ist in der Regel ein männlicher: vom Spieler zum Funktionär", sagte sie nach dem Erstliga-Aufstieg dem österreichischen Fußballmagazin "Ballesterer": "In Degerfors sind auch andere Wege möglich."

Nach einem Hoch Anfang der 90er Jahre mit einem Pokalsieg, Europapokalduellen gegen den AC Parma, ging es ab Ende der 90er Jahre bergab mit Stadt und Verein. Plötzlich war man nur noch drittklassig. Jetzt ist der Club wieder zurück, weil viele eigene Talente den Sprung nach oben geschafft haben - und dem Club treu geblieben sind. Treue, wie sie die Trainer Tobias Solberg und Andreas Holmberg in 679 Partien für den Club als Spieler vorlebten.

Florian Huber
Aufstiegsfreude im vergangenen Dezember bei Erik Lindell (links), Jakob Ortmark, Ismael Diawara und Jos Segura Bonilla.
Aufstiegsfreude im vergangenen Dezember bei Erik Lindell (links), Jakob Ortmark, Ismael Diawara und Jos Segura Bonilla.

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