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Der VfB macht sich auf in den Bonusbereich

Beim VfB Stuttgart will man nach dem 1:0 gegen Werder Bremen von Europa nichts hören. Mit 39 Zeilen ist das ursprüngliche Ziel von 40 Punkten schon sieben Spieltage vor Saisonende fast erfüllt.

Vielleicht ist es eine interne Wette zwischen Pellegrino Matarazzo und Sven Mislintat? Wer als Erster das Wort "Europapokal" in den Mund nimmt, hat verloren. Trainer und Sportdirektor des VfB Stuttgart umschifften nach dem 1:0 gegen Werder Bremen am Sonntag gekonnt die Thematik. Dabei ist der VfB als Achter, punktgleich mit dem Siebten Union Berlin und Neunten Mönchengladbach, mittendrin im Rennen um die Ränge fünf, sechs und sieben, die allesamt das Ticket nach Europa bedeuten könnten. "Wir sind immer gut gefahren, auf unsere Leistung zu schauen", sagte Pellegrino Matarazzo und lächelte jede Frage nach Europa weg. Träumen helfe nicht, ergänzte Sven Mislintat. Aber es macht Spaß - und sollte ab sofort doch erlaubt sein.

Noch werden keine neuen Ansprüche formuliert

39 Punkte haben die Schwaben gesammelt. 40 sind das Ziel. "Den einen Punkt wollen wir nächste Woche holen, mindestens", sagte Sven Mislintat, ohne den Eindruck zu vermitteln, dass man danach umgehend den Spielbetrieb einstellt. Der VfB ist zeitnah im Bonusbereich unterwegs. Dort gibt es nichts zu verlieren, wenn man keine neuen Ansprüche formuliert, was jeder auch tunlichst vermeidet.

Beim glücklichen 1:0 gegen Werder Bremen spielten die Schwaben allerdings auch nicht unbedingt wie ein Team von Europa-Format. Ohne das verletzte Trio Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez und Orel Mangala (gegen den BVB wohl wieder fit) fehlte es vor allem offensiv an Kreativität, Präzision und Durchschlagskraft.

Es war ja vielleicht auch schon ein Vorgriff auf die nächste Saison, wenn möglicherweise der eine oder andere Youngster zu einem Top-Club gewechselt ist. Und Jungs aus der zweiten Reihe, wie U 21-Nationalspieler Mateo Klimowicz und Tanguy Coulibaly in der ersten Reihe stehen werden. "Sie haben ihre Sache sehr gut gemacht" redete Sportdirektor Sven Mislintat das Ersatzduo hinterher etwas stärker, als es auf dem Feld tatsächlich war. Die Botschaft dahinter: Wir bleiben wettbewerbsfähig, auch ohne unsere Stars.

Per Eigentor zum 750 Bundesligasieg

Hängenbleiben wird von diesem Arbeitssieg am Ostersonntag wenig. Nur diese eine Szene in Minute 81, als Bremens Ludwig Augustinsson - bedrängt von Sasa Kalajdzic und Tanguy Coulibaly - eine Flanke von Borna Sosa ins eigene Tor köpfte. "Ich hab den Ball nicht richtig getroffen", sagte Sasa Kalajdzic über das Tor des Tages, das den 750. Bundesligasieg der Vereinsgeschichte perfekt machte. Der Aufsteiger blieb cool, wurde trotz des Null-Null nicht nervös. "Wenn man in einem Spiel auf Augenhöhe die drei Punkte holt, ist das ein Zeichen von Reife", stellte Pellegrino Matarazzo fest. Die Defensive strahlte zudem jene Stabilität und Unverwundbarkeit aus, die zuletzt Standard beim VfB Stuttgart war. Mal von einer halben Stunde gegen den FC Bayern München beim 0:4 abgesehen.

Die Stuttgarter haben zehn Tore in der Schlussviertelstunde erzielt, zudem fünf Mal in der Nachspielzeit Treffer erzielt. "Das spricht für unsere Moral, unseren Kampfgeist", sagte der Trainer.

Wo muss ich unterschreiben, dass dies wahr wird?

Man stelle sich nur kurz mal vor, im vergangenen Sommer wäre eine Fee im Brustring-Trikot erschienen und hätte dem Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart prophezeit: Vorm 28. Spieltag und dem Heimspiel gegen den BVB trennen beide Clubs nur vier Zähler - und die Dortmunder stehen auf einem Europapokalrang. Die eine Hälfte der VfB-Fans hätte geantwortet: Diese Fee, die hat ganz sicher einen im Tee. Niemals. Die andere Hälfte hätte eine Frage entgegengesetzt: Wo muss ich unterschreiben, dass dies wahr wird? Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) kommt der BVB. "Wir sind klarer Außenseiter", sagt Sven Mislintat. Trotz des 5:1 im Hinspiel. "Wir müssen nicht der Meinung sein, dass das eine Partie wird wie in Dortmund auswärts, wo uns alles gelungen ist. Auch wenn der BVB jetzt wieder angeschlagen ist."

Nächste Spiele als Europacheck

Danach warten Union Berlin, Wolfsburg, Leipzig. So eine Art Europacheck. "Es ist umso schöner, diese Spiele angehen zu können, ohne den Druck nach unten zu schauen", sagt Sven Mislintat. Der VfB kann nur noch etwas gewinnen in diesen letzten sieben Saisonspielen. Wer hätte das zu Saisonbeginn gedacht?

Florian Huber
Pechvogel des Tages: Von Bremens Ludwig Augustinsson (rechts) prallt der Ball zum Stuttgarter 1:0-Sieg ins Werder-Tor.
Pechvogel des Tages: Von Bremens Ludwig Augustinsson (rechts) prallt der Ball zum Stuttgarter 1:0-Sieg ins Werder-Tor. (Foto: dpa )

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