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Hoffenheimer Quartett mit Perspektive

Georginio Rutter ist bereits der vierte 18-jährige Profi, der in dieser Saison für den Fußball-Bundesligisten zum Einsatz kommt. Das ist Ausdruck des Hoffenheimer Wegs, aber auch den massiven Personalsorgen geschuldet.

Während sich die Teamkollegen am Sonntagabend auf dem Heimweg machten, war Georginio Rutter noch mit den Hoffenheimer Reservisten vor der Gegentribüne gefordert. Ein kurzes passintensives Spielchen mit Ball war angesagt. Das Nachspiel zum 4:0-Heimsieg gegen Werder Bremen fand auf einer kleinen abgesteckten Fläche statt. Mittendrin der Debütant Rutter, der zuvor seine ersten drei Bundesligaminuten für die TSG mit dem ersten Tor krönte.

Sprachbarriere ist noch da

Geherzt und gedrückt wurde der Neue nach seinem Flachschuss-Treffer, als ob es gegen Werder das späte 1:0 und nicht das 4:0 (90.) gewesen wäre. Sie wuschelten ihm durch die Haare, Trainer Sebastian Hoeneß imitierte am Spielfeldrand feixend den Handy-Jubel-Gruß des Youngsters. Sprachlich sei das noch etwas schwierig, verriet Hoeneß hinterher. Rutter spricht kein Deutsch, kaum Englisch. Da hilft mitunter die Zeichensprache.

"Ich habe da direkt so einen kleinen Beißreflex", antwortete Hoeneß auf Fragen nach dem jungen Torschützen. Er legte seine Stirn in Falten, was signalisierte: Gemach, jazzt mir den Jungen nicht gleich zum Hoffnungsträger hoch und rückt ihn zu sehr in den Fokus. "Ich tue mich schwer, ihn hervorzuheben", sagte Hoeneß, lobte aber dann doch: "Er hat sportlich seine Ansätze im Training gezeigt", sagte Hoeneß über den Stürmer, dessen Vorname Georginio hinten auf dem Trikot steht. Zeit, die man mit 18 Jahren noch hat. Der Franzose hat übrigens ein Füßchen für gelungene Premieren. Rutter hat im Dezember 2020 in seinem ersten Champions-League-Spiel mit Stade Rennes auch als Joker getroffen. Damals zum 1:3 gegen den FC Sevilla, per Elfmeter.

Junge Wilde sind Gesprächsstoff

Vier 18-Jährige haben in dieser Saison schon für die TSG-Profieinsätze erhalten. Das ist Ausdruck des Hoffenheimer Wegs, aber auch den langandauernden, massiven Personalsorgen geschuldet. Junge Fußballer genießen Welpenschutz, werden nicht sofort vor die Mikrofone gezerrt. Also spricht man eher über die jungen Wilden als mit ihnen. "Mit dem werden wir sehr viel Freude haben", prognostiziert Baumgartner in Sachen Rutter. Auch er ist ein Frühstarter, mit 19 spielte er als Akademie-Azubi erstmals für die TSG-Profis, mit 21 Jahren ist er als Leistungsträger und Wortführer nicht wegzudenken.

Ein weiteres Eigengewächs, Nachwuchsstürmer Maximilian Beier (18), pendelt seit seinen zwei Toren im Europa-League-Gruppenspiel gegen Gent (4:1) im Dezember zwischen U 23- und Profikader. Zuletzt erhielt Ishak Belfodil vorne den Vorzug vor Beier. Der Algerier spielte schwach - und fehlt nun verletzt.

Konkurrenz ist groß

Doch da ist ein neuer Mittelstürmer. Rutter sollte erst im Sommer ablösefrei kommen, ist jetzt schon da - und hat die Nase vorn bei den Nachwuchsstürmern. Beier zeigte am Wochenende trotzdem was er kann. Er sorgte für alle drei Treffer beim Regionalliga-3:3 der U23 in Großaspach. Beiers Pech: Die Sturm-Kollegen Kramaric, Bebou, Dabbur treffen regelmäßig. Zudem sind da auch noch Spieler wie Sargis Adamyan und Ishak Belfodil, die Konkurrenz ist groß.

Um Spielzeit kämpft auch Melayro Bogarde, ein 18-jähriger Niederländer, der als flexibler Defensivallrounder auch schon zu elf Profi-Einsätzen in dieser Saison gekommen ist. "Er ist sehr gut dabei, hat enorme Fähigkeiten und steht vor einer guten Zukunft", sagt Sebastian Hoeneß über den Neffen des einstigen Weltklasse-Kickers Winston Bogarde. Nun muss Bogarde junior nur noch den im Juni auslaufenden Vertrag verlängern.

Sülzbacher John verlängert Vertrag

Die meiste Spielzeit erhielt ein 18-jähriges Eigengewächs aus der Region, der zuletzt neun Pflicht-Spiele über 90 Minuten bestritt. Marco John mache sich keinen Kopf, hatte Trainer Sebastian Hoeneß vor einigen Wochen gelobt. Das war zuletzt gut zu sehen. Am Donnerstag hatte der junge Sülzbacher gegen Molde (3:3) noch einen gebrauchten Tag erwischt und sah bei zwei Treffern der Norweger schlecht aus. Gegen Bremen sorgte er drei Tage später über seine linke Seite für viel Offensiv-Alarm und Defensiv-Stabilität. Seit Jahresbeginn hat er sich links festgespielt, seinen Vertrag bis 2024 verlängert. Spannend wird sein, ob der nun wieder fitte Leihspieler Ryan Sessegnon (Tottenham) John wieder den Stammplatz abjagt.

Florian Huber
Georginio Rutter wird erstmals eingewechselt und erzielt gegen Bremen das 4:0.
Georginio Rutter wird erstmals eingewechselt und erzielt gegen Bremen das 4:0.

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