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Tomislav Maric: "Lieber weniger Instagram, dafür mehr Training"

Der gebürtige Heilbronner Tomislav Maric über den heutigen Profi-Fußball, seine Ex-Vereine TSG Hoffenheim und VfB Stuttgart, die an diesem Samstag aufeinander treffen, sowie über seine Zukunftspläne.

Tomislav Maric genießt seine Fußball-Auszeit. Der 47-Jährige pendelt zwischen seiner Heimatstadt Heilbronn und Kroatien, dort hat er eine Anlage mit vier Ferienwohnungen gebaut, die er und seine Frau betreiben. Der ehemalige kroatische Nationalstürmer war von 2006 bis 2010 Profi und Co-Trainer bei der TSG Hoffenheim, von 2011 bis 2015 arbeitete er in verschiedenen Funktionen beim VfB Stuttgart. Vorm Duell seiner Ex-Clubs spricht Maric über Vergangenes und Gegenwärtiges.

Herr Maric, wie froh sind Sie, dass Hoffenheims Andrej Kramaric bei seiner Torserie vor wenigen Wochen Ihren Bundesliga-Rekord mit vier Doppelpacks in vier Spielen nacheinander nicht geknackt hat?

Tomislav Maric: Ganz ehrlich: Das hätte mich für ihn gefreut. Ich gönne jedem Stürmer so viele Tore wie möglich. Ich weiß, welchen Druck du als Stürmer hast, wenn du nicht triffst.


Ist Ihr kroatischer Landsmann der kompletteste Stürmer der Liga?

Maric: Andrej Kramaric ist ein fantastischer Instinktfußballer. Seine größte Stärke: Er weiß schon vorher im Kopf, wie er abschließt, bevor der Abwehrspieler reagieren kann. Da ist er gnadenlos vor dem Tor. Er ist kein typischer Stoßstürmer, er ist eher der Typ, der sich zwischen Reihen bewegt, dann kannst du ihn nicht greifen.

Trotzdem hat man manchmal den Eindruck, dass er außerhalb des Kraichgaus nicht die Wertschätzung erfährt, die er eigentlich verdient hat.

Maric: Die hat er bei Gegnern und Trainern, aber vielleicht nicht so in der öffentlichen Wahrnehmung. Er macht halt keine Show. Andrej ist nicht der Typ für so etwas. Der will Tore schießen und gewinnen. Heute musst du aber auch mal eine verrückte Frisur oder besonderen Torjubel haben.

Mit etwas mehr persönlichem Abstand: Wie hat sich der Profi-Fußball verändert in den vergangenen Jahren?

Maric: Der Fußball ist noch mehr eine Maschinerie geworden, in dem es um noch mehr Geld geht. Die Kultur der Spieler hat sich verändert, weil sich eben auch die Zeiten verändert haben. Es gibt jetzt Facebook, Instagram. Ich will nicht ungerecht sein oder irgendjemanden angreifen, aber manchmal denke ich, dass der eine oder andere Profi vielleicht eine halbe Stunde weniger auf Instagram verbringen sollte und lieber eine halbe Stunde mehr auf dem Trainingsplatz. Aus Sicht der Profis ist es ja verständlich. Wenn der Markt das will, dann bedient man ihn, das ist korrekt.

Sind Sie dann froh, dass es zu Ihren Profizeiten noch keine überbordenden und glitzerbunten Social-Media-Aktivitäten gab?

Maric: Ich habe ja schon als Spieler mein Ding gemacht und auch jetzt kein Facebook und Instagram. Das ist mir alles zu gläsern, nicht jeder muss alles über mich wissen oder das Schnitzel mit Pommes sehen, das ich gegessen habe.

Für wen schlägt an diesem Samstag beim Duell Hoffenheim gegen den VfB Ihr Herz? Zu welchem Ihrer Ex-Clubs ist die Bindung enger?

Maric: Mein Herz schlägt für beide, deshalb tippe ich auch auf ein 1:1. Hoffenheim war eine phantastische Zeit, weil es stets bergauf ging und damals das Fundament für die Erfolge von heute gelegt wurden. Die Zeit beim VfB war auch wunderschön, mit tollen Erfahrungswerten. Ich durfte da ja alles machen. Scout, Jugendtrainer, Analyst, Co-Trainer. Aber du hast natürlich den Unterschied gemerkt. Der VfB ist ein Koloss, mit einer riesigen Tradition. Ein riesiges Flaggschiff, das ständig aufpassen muss, dass es auf Kurs bleibt. Wenn dieses Schiff mal wankt, dann wird es schwierig.

Zur Person

Der Weg des gebürtigen Heilbronners Tomislav Maric (47) führte wie bei seinem Bruder Marijo in die kroatische Nationalmannschaft (neun Spiele, zwei Tore). In der Saison 2001/02 stellte er im Trikot des VfL Wolfsburg den Rekord von Lothar Emmerich ein, indem er an vier aufeinanderfolgenden Spieltagen jeweils einen Doppelpack erzielte. Der besteht heute noch.

Ihre schönste Erinnerung an ein Ländleduell ist welche?

Maric: Natürlich das erste Spiel als Co-Trainer von Thomas Schneider beim VfB Stuttgart im Sommer 2013. Ein 6:2-Sieg des VfB, ich erinnere mich noch gut.

Der heutige TSG-Trainer Sebastian Hoeneß war einst in Hoffenheim Ihr Mitspieler.

Maric: Wir haben zusammen den Fußballlehrer gemacht. Ich halte sehr viel von ihm. Er ist ein feiner Typ, sehr kommunikativ, stellt immer das Team in den Vordergrund. Die Hoffenheimer spielen ja gut, es fehlen gerade nur die Ergebnisse. Wenn sie so weiter spielen, dann kommen die aber.

Ihre letzte Station waren von Anfang 2015 bis Mitte 2016 anderthalb Jahre als Cheftrainer bei Dunajska Streda in der ersten slowakischen Liga. War der Schritt dorthin ein Fehler?

Maric: Nein, gar nicht. Als Trainer und Mensch war das eine sehr wichtige Erfahrung. Ich war da ja quasi ein Projektleiter. Du musstest alles anstoßen. Wir hatten ja nicht einmal einen Physiotherapeuten oder einen richtigen Trainingsplatz. Jetzt gibt es dort ein neues Stadion, professionelle Bedingungen.

Was in der Slowakei passiert, kriegt hier in Deutschland aber niemand mit. Ein Problem, oder?

Maric: Ich denke schon, dass ich damals in Deutschland vom Radar verschwunden bin. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Slowakei hier jemand im Blick hat.

Nach vier Jahren ohne Verein: Ist Ihre Trainerkarriere beendet?

Maric: Ich war mein ganzes Leben im Fußball, habe fast jede Funktion ausprobieren dürfen. Ich habe Abstand zum Fußball gebraucht, eine Auszeit. Wenn man vom 15. Lebensjahr an alles dem Fußball unterordnet, dann muss man auch mal was anderes machen. Diese Zeit wollte ich mir gönnen. Ich kann nicht in die Zukunft schauen, vielleicht zieht es mich in ein, zwei Jahren wieder zurück in den Fußball. Momentan bin ich zufrieden, so wie mein Leben ist.

Wenn man Cheftrainer, Assistent, Scout und Jugendtrainer war: Welche Funktion passt am besten?

Maric: Am meisten Spaß gemacht hat mir die Arbeit mit Nachwuchsspielern. Bei den Profis geht es um Ergebnisse, nicht um Entwicklung wie im Jugendbereich. In welchen Bundesliga-Clubs kann man als Cheftrainer noch in Ruhe etwas entwickeln? In Freiburg und Bremen vielleicht.

Florian Huber
Tomislav Maric (rechts) verfolgt hier im Jahr 2014 als Co-Trainer des VfB Stuttgart das Torschusstraining von Timo Werner. Das Stuttgarter Eigengewächs spielt mittlerweile für den FC Chelsea.
Tomislav Maric (rechts) verfolgt hier im Jahr 2014 als Co-Trainer des VfB Stuttgart das Torschusstraining von Timo Werner. Das Stuttgarter Eigengewächs spielt mittlerweile für den FC Chelsea. (Foto: dpa )

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