News

An der Einfahrbahn im früheren NSU-Werk rollte einst der Ball

Die SV Neckarsulm und der SC Amorbach spielten einst auf dem Sportplatz beim früheren NSU-Werk zwischen Sulm und Neckar. Auf dem Weg dorthin hatten die jungen Sportler das eine oder andere Hindernis zu überwinden.

Ja es gibt sie, die Sportstätten, die es nicht mehr gibt. So wie das Gelände an der ehemaligen Einfahrbahn der früheren Teststrecke des NSU-Werks in Neckarsulm, der heutigen Audi AG. Dort, wo einst die Motorräder Quickly, Max, Fox und Lux eingefahren wurden, rollte auch der Ball. Innerhalb des nahezu rechteckigen Straßenverlaufs erfüllte sich die Sportvereinigung Neckarsulm 1931 mit der zum größten Teil in Eigenregie erbauten Sportanlage einen lang gehegten Traum.

Auf diesem Areal zwischen Sulm und Neckar gingen die SVN-Kicker auf Torejagd. Mit dem Baubeginn des Pichterich-Stadion 1953 kündigte sich allmählich das Ende der SVN-Ära auf der Einfahrbahn an. Die Jugend spielte dort aber noch bis Anfang der 60er Jahre. Der 1958 gegründete SC Amorbach noch länger.

Für damalige Verhältnisse eine Vorzeige-Arena

Das Sportgelände verfügte über eine Fußballanlage nebst Laufbahn, eine Hoch- und Weitsprunganlage und ein Sportheim mit Umkleidekabinen sowie Duschen. Es war für damalige Verhältnisse eine Vorzeige-Arena. "Auch Tennisplätze gab es", erinnert sich Joachim Becker. "Ich glaube, es waren vier an der Zahl." Becker kickte einst in der Jugend der SV Neckarsulm - später auch für die Union Böckingen und den 1. Göppinger SV (2. Liga).

"Die halbe Jugend der Sportvereinigung stammte damals aus der Viktorshöhe", erzählt Becker vom nördlichen Neckarsulmer Stadtteil mit direktem Blick auf die Werksanlage, in dem auch der heute 73-Jährige aufgewachsen ist. "Wir haben unsere Sporttaschen für das Training gepackt und sind losgezogen. Auf der Höhe zwischen Amsel- und Eulenweg gab es einen Trampelpfad, der runter auf die Bahngleise führte." Verbotener Weise rannten die Jungs über die Schienen, vorbei am Schürrle-Bauernhof - auf dem überwiegend von der Familie Mehl Landwirtschaft betrieben wurde.

Die Sporttaschen über die Sulm geworfen

"Dahinter verlief die Sulm. Wir warfen unsere Taschen ans andere Ufer und sprangen dann selbst über das Flüsschen. Warst du gut, hat es gelangt. Aber wir sind auch schon mal ins Wasser gefallen", erzählt Becker. "Im Hochsommer ging es nach dem Training hinter dem Sportgelände zum Baden in den Neckar. Wir jungen Kerle haben uns am Ufer festgehalten, um nicht abgetrieben zu werden. Zu Hause gab es dann auch schon mal Ärger, kam man zu spät heim."

"Auf der Einfahrbahn ist der beste Fußball gespielt worden, wir haben dort erstmals 1959 gekickt", erzählt SCA-Gründungsmitglied Johann Leimbeck, der zuvor in der Jugend der SVN spielte und später die Amorbacher Fußballer als Abteilungsleiter führte.

Mit Fahrrädern, die mitunter aus Teilen vom Schrottplatz zusammengebaut wurden, ging es den "Schuldenbuckel" hinunter, wie die Bundesmustersiedlung Amorbach in ihren Anfängen despektierlich genannt wurde. "Oder zu Fuß durch den Wald", sagt Leimbeck, und wie die "Viktorshöhler" über die Zuggleise. "Wurde man von der Bahnpolizei erwischt, hat das zwei Mark Strafe gekostet."

Waschen am Wasserhahn vor dem Sportheim

Auf der Einfahrbahn durften die Amorbacher nur spielen, trainiert wurde am Hundeplatz, dort wo heute das Neckarsulmer Rugby-Team seine Heimpartien ausrichtet. "Duschen war nur möglich, wenn keiner der Tennisspieler da war, dann ließ uns Sportheimwirt Karl Rauch hinein und hat danach auch geputzt. Ansonsten hieß es: waschen am Wasserhahn vor dem Sportheim", erzählt Leimbeck. "Mein Vater war sonntags der Platzkassier und verkaufte nebenher noch Bier, damit der Schiedsrichter bezahlt werden konnte." Auf dem Heimweg leisteten sich Spieler und Fans auch schon mal einen Zwischenstopp unten in der Kolonie in der Gaststätte "Im schönsten Wiesengrund".

Eine Umkleidekabine wie auf der Einfahrbahn hatte damals schon etwas von Luxus, wie Leimbeck zu berichten weiß. "In Offenau mussten wir uns in einer Gaststätte umziehen und bei den Heinsheimern auf dem Gehweg. Die haben uns nach dem Spiel zwei Eimer Wasser hingestellt."

Bundesjugendspiele auf dem Hauptspielfeld

Uwe Feyrer spielte in der Jugend für die SV Neckarsulm und später als Aktiver für den "Klassenfeind" Sportfreunde Neckarsulm, die auf dem ehemaligen Schlacke-Platz bei der jetzigen Pichterich-Sporthalle ihre Heimat hatten. Neben dem eigentlichen Spielfeld war auf der Einfahrbahn noch ein zweiter Platz, weiß Feyrer. "Da gab es Tore mit einem Netz aus Maschendraht. Auf dem Hauptspielfeld wurden auch die Bundesjugendspiele der Schulen durchgeführt. Wir marschierten damals im Gleichschritt mit der Fahne voraus von der Steinachschule auf der Viktorshöhe durch die Stadt auf das Sportgelände."

In welchem Jahr die Einfahrbahn vom NSU-Werk überbaut wurde, ist unbekannt. "Wir haben bis 1966 darauf gespielt. Es war eine schöne Zeit, dennoch waren alle Amorbacher froh, als unser eigenes Sportgelände am Waldeck eingeweiht wurde", sagt SCA-Urgestein Johann Leimbeck.

Alexander Bertok
Uwe Feyrer (rechts) als Audi-Lehrling auf der Laufbahn des Sportgeländes.
Uwe Feyrer (rechts) als Audi-Lehrling auf der Laufbahn des Sportgeländes.

zurück alle News

Error message here!

Error message here!

Passwort vergessen?

Registriere dich (natürlich kostenlos) und werde Teil der fussball-in-bw.de-Community!

Als Rasen-Reporter kannst du:
- Bilder und Videos hochladen
- Spielberichte veröffentlichen
- Ticker schreiben
- und vieles mehr.
Gestalte fussball-in-bw.de, dein Portal für den Amateurfussball der Region, mit!

Error message here!

Error message here!

Error message here!



Bitte beachte unsere Datenschutzerklärung sowie unsere Informationspflichten.

Passwort vergessen?
Trage die Email Adresse, mit der du dich registriert hast, in das Feld ein. Du erhältst dann einen Link, über den du dein Passwort zurücksetzen kannst.

zurück zur Anmeldung

schließen