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Ist der Kader des VfB Stuttgart stark genug für die erste Liga?

Der VfB Stuttgart hat am Montag mit dem wechselwilligen Angreifer Nicolas Gonzalez das Mannschaftstraining wieder aufgenommen. Zwei unserer Kollegen diskutieren, ob der Aufsteiger die Qualität hat, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Pro von Lars Müller-Appenzeller

Dieser Corona-Sommer ist anders: Das Transferfenster steht noch wochenlang sperrangelweit offen, bis 5. Oktober - gut zu wissen für Fans des VfB Stuttgart. Dass Sportdirektor Sven Mislintat seinen Aufstiegskader stark redet, ihm grundsätzlich Erstligatauglichkeit attestiert, mag manche nervös machen. Aber das kann tatsächlich funktionieren.

Denn die Mannschaft ist jung und hungrig, kennt das Gefühl unter Druck zu stehen. An jedem Spieltag ist die Ausgangslage bei Anpfiff eine grundsätzlich andere: In der Bundesliga sind die jungen Stuttgarter die Jäger und nicht wie in der vergangenen Saison in der zweiten Liga die Gejagten. Das wird diesem Kader helfen.

Natürlich wäre es wichtig, dass Nicolas Gonzalez beim VfB bleibt - und dann nicht die beleidigte Leberwurst gibt. Liegt ein gutes Angebot für ihn auf dem Tisch, muss man ihn natürlich ziehen lassen. Und dann wäre genug finanzieller Spielraum entstanden, um adäquat nachzubesetzen. Bei der Torjägerthematik darf zudem nicht vergessen werden, dass Sasa Kalajdzic nach seinem Kreuzbandriss wie ein Neuzugang zu sehen ist - ein hoffnungsvoller Neuzugang.

So oder so ist und bleibt der VfB Stuttgart eine junge Mannschaft, die Lehrgeld bezahlen und nicht von Woche zu Woche gewinnen wird. Sven Mislintats Personalpolitik macht unmissverständlich klar, dass nicht Glanz, Gloria und Europapokalträume zu erwarten sind. Dieser Kader steht tatsächlich für einen Neuanfang. Für ein kleines, realistisches, traditionsbefreites Ziel. Und das ist zunächst der Klassenerhalt.

Contra von Andreas Öhlschläger

Der VfB steigt gleich wieder ab in die 2. Liga. Warum nicht mit dieser provokanten Prognose beginnen? So muss es in der neuen Saison nicht zwingend kommen für den Bundesliga-Rückkehrer, aber ganz sicher sind jene Zeiten vorbei, in denen die Stuttgarter allein gemäß ihrer einst ruhmreichen Tradition gesteigerte Ansprüche stellen konnten.

Demut muss die Basis sein. Und Vorsicht. Der Aufstieg war eine glanzlose Sache, mal abgesehen vom kurzen Vollgas-Intermezzo mit dem 5:1 gegen Sandhausen und dem 6:0 in Nürnberg. Nicolas Gonzalez als eindeutig bester Torschütze des Teams dürfte dem VfB in der aktuellen Transferphase noch verloren gehen. Die interne Nummer zwei der Goalgetter, Hamadi Al Ghaddioui, hat wahrscheinlich nicht die Qualität fürs Fußball-Oberhaus. Spielmacher Daniel Didavi war mal wieder in wichtigen Phasen verletzt. Und auf defensive Stabilität konnte man sich beim VfB nie verlassen.

Zudem fehlte es im Kader an Profis, die in kritischen Momenten Führungsstärke demonstriert hätten. Solche Spieler sind weiterhin Mangelware beim VfB. Es mag sein, dass Sportdirektor Sven Mislintat ein üppiges Portfolio vielversprechender Talente sieht, aber es fehlt an Profis mit Widerstandsgeist, die kratzen und beißen können.

Sicher, das sind Klischeebegriffe. Aber beim Projekt Erstliga-Klassenerhalt vor allem auf theoretische spielerische Qualitäten in der Mannschaft zu setzen, wäre leichtsinnig. Der VfB Stuttgart hat zurzeit keinen Kader, der für stürmischen Gegenwind gemacht ist. Das kann schief gehen.

Lars Müller-Appenzeller, Andreas Öhlschläger

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