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Vereine sehen der Reform skeptisch entgegen

Sollte Restrukturierung der Spielklassen inkrafttreten, befürchten die Clubs lange Auswärtsfahrten. Hohenlohe fühlt sich ignoriert.

Während sich die Amateurfußballer der Region wegen der Coronavirus-Pandemie und des daraus resultierenden Saisonabbruchs in einem bisher nie gekannten Sommerloch befinden, läuft hinter den Kulissen eine rege Diskussion. Obwohl die vom Württembergischen Fußball-Verband (WFV) erdachte Spielklassen-Reform tendenziell auf leicht positive Resonanz stößt, herrscht in der Region noch Skepsis.

VfL Brackenheim

Die sportliche Heimat des Zabergäuer Fahrstuhlclubs wechselt regelmäßig zwischen Landes- und Bezirksliga, die am stärksten von den Strukturreformen betroffen sind. VfL-Trainer Tom Irrgang ist ein Verfechter des Status quo. "Die Zuschauer waren in den letzten Jahren schon dünn gesät. Fahrten nach Crailsheim machen Auswärtsfans wohl kaum mit." Auch persönlich reize ihn eine Bezirksligapartie nicht, für die er bis zu 100 Kilometer zurücklegen müsste. "Solche Strecken sind abschreckend in der Bezirksliga."

Das Argument, mehr Balance ins spielerische Niveau der verschiedenen Bezirke zu bringen, verfängt bei ihm nicht. "Die Ligen funktionieren gut", findet Irrgang, und die Vorteile der Reform überwögen die Nachteile nicht.

SV Leingarten

Zweifel am Inkrafttreten der Ligenreform hat Manfred Geier keine. Der Abteilungsleiter des Landesligisten SV Leingarten sorgt sich um die Geschäftsgrundlage des regionalen Fußballs: "Die meisten Vereine sind auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. Wir leben von den Derbys. Langwierige Auswärtsfahrten wären ein Problem. Die sollten eigentlich eine Ausnahme sein."

Dass nur wenige Unterländer Vereine in höheren Ligen vertreten sind, sieht er nicht allein dem Bezirk geschuldet, "da spielen vielerlei Faktoren hinein". Vor allem mit Blick auf die Kollegen im östlichen Nachbarbezirk beschleichen ihn Zweifel: "Für den Fußball in Hohenlohe wird das ganz schwierig. Die werden auseinandergerissen."

TSV Neuenstein

Klare Worte findet Roland Karle. Der Abteilungsleiter des Bezirksligisten moniert, dass Hohenlohe für die Versäumnisse anderer Bezirke auseinandergerissen werden soll. "Wo auch immer die Vereine zugeteilt werden, bleiben wir Juniorpartner. Für mich ist das die Spaltung eines super funktionierenden Bezirks mit dem langfristigen Ziel des WFV, das Modell 1-3-9 durchzuboxen." Bezeichnend sei, dass der Verband lediglich eine alibimäßige Regionalkonferenz in Frankenbach einberufen hatte, "dabei ist das Unterland nicht so sehr betroffen wie wir".

Die angestrebte Strukturreform ist in Roland Karles Augen bereits beschlossene Sache, die Abstimmung im kommenden Jahr lediglich pro forma. Neben ausbleibenden Fans fürchtet er, dass letztlich Spieler und Vereine auf horrenden Fahrtkosten sitzen bleiben.

Bezirk Unterland

Ulrich Preßler, der Vorsitzende des Bezirks Unterland, ist hingegen zuversichtlich, dass die Reform vor allem mit Blick auf das Spielniveau Früchte tragen wird. "Gerade die Vereine aus dem Unterland können sich selten länger als eine Saison in der Landesliga halten. Das Niveau anzugleichen, ist der Gedanke der Reform." Weniger skeptisch setzt er sich mit den Auswärtsfahrten auseinander: "Andere Sportarten sind das gewöhnt. Außerdem werden viele Derbys erhalten bleiben", ist er sich sicher. Dennoch gibt er zu, Reformen wie diese seien immer ein "tiefer Einschnitt. Da gibt es immer Gewinner und Verlierer, so was ist leider unvermeidbar."

Positiv sei dagegen die "offensive Informationspolitik des WFV". Im Gegensatz zu früheren Reformbestrebungen versuche der Verband inklusiver zu agieren. Auf verschiedenen Regionalsitzungen wurden Meinungsbilder eingeholt, die in den neuen Vorschlag eingeflossen sind. Trotzdem vermisst Preßler den Weitblick: "Die Resonanz war ein bisschen schwach. Manche Funktionäre scheinen sich der Tragweite nicht bewusst zu sein."

Sebastian Kohler
80 Kilometer reiste Satteldorf an, um in Leingarten unterzugehen.
80 Kilometer reiste Satteldorf an, um in Leingarten unterzugehen. (Foto: Archiv/Veigel)

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