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Großaspacher Vorstandsmitglied: "Wir haben einen klaren Wettbewerbsnachteil"

Großaspachs Vorstandsmitglied Philipp Mergenthaler äußert sich im Interwiew kritisch über den Neustart der 3. Liga und Zukunftsszenarien.

Jetzt geht alles ziemlich schnell. Am Samstag beziehen die Fußballer der SG Sonnenhof Großaspach für eine Woche ihr Quarantäne-Trainingslager im Hotel Sonnenhof in Kleinaspach. Es folgen die wohl anstrengendsten fünf Wochen der Drittliga-Geschichte. Großaspachs Vorstandsmitglied Philipp Mergenthaler befürchtet im Telefon-Interview: "Da sind schwere Verletzungen vorprogrammiert." Großaspach muss in noch elf Spielen zwölf Punkte zum rettenden Drittliga-Ufer aufholen.

Ab dem 30.Mai rollt auch in der 3. Liga wieder der Ball. Die SG Sonnenhof Großaspach gehörte zu den Befürwortern eines Saison-Abbruchs. Ist der Druck des DFB auf die 3. Liga zu groß geworden?

Mergenthaler: Natürlich war der Druck da, der DFB sieht sich in der Pflicht, einen Spielbetrieb durchzuführen. Wir haben immer gesagt, dass wir spielen wollen, wenn es im gesellschaftlichen Kontext steht, es für die Gesundheit der Spieler und wirtschaftlich vertretbar ist.

Durch das erfolgreiche Comeback der ersten und zweiten Liga hat sich die Situation nun geändert.

Mergenthaler: Nein. Zum einen gönne ich jedem Bundesligaverein den Wiedereinstieg, wir spielen aber nicht in der Bundesliga und bekommen auch nicht viele Millionen TV-Geld. Vielmehr durften wir als Drittligaclub 58 Tage lang nicht trainieren, unsere Spieler waren alle in Kurzarbeit. In Bayern war Training beispielsweise schon seit Anfang April in Kleingruppen erlaubt. Die haben drei, vier Wochen Vorsprung bei der Vorbereitung. Und unser erster Gegner heißt am 30. Mai Unterhaching. Wir haben einen klaren Wettbewerbsnachteil.

Wie könnte man denn mehr Fairness herstellen?

Mergenthaler: Wir bräuchten vier bis fünf Wochen Vorbereitungszeit. Da geht es nicht nur um Corona, sondern um unsere Sorgfaltspflicht als Arbeitgeber. Ich kann doch die Jungs nicht nach zweimonatiger Zwangspause und drei Wochen Vorbereitung in 35 Tage mit elf Spielen jagen. Und wir müssen es trotzdem tun, weil wir vor der Saison einen Lizenzvertrag unterschrieben haben. Jeder weiß: Da sind schwere Verletzungen vorprogrammiert, weshalb wir es übrigens auch jedem Spieler freistellen zu spielen.

Trotzdem haben die Abbruch-Befürworter ihren Kampf wohl verloren.

Mergenthaler: Ich würde es nicht Kampf nennen, wir haben immer unsere Argumente dargelegt und wir haben es auch nie auf einen Abbruch angelegt. Wir sind Sportsmänner genug, um die Entscheidung auf dem Platz und nicht am grünen Tisch zu suchen. Aber dann bitte unter fairen Bedingungen. Es sind doch nicht Clubs wie beispielsweise Carl-Zeiss Jena Schuld daran, dass sie bis vor drei Tagen nicht trainieren durften. Dass sie ihre Heimspiele aufgrund der dortigen Verfügungslage nun nicht im eigenen Stadion austragen können. Da ist niemand Schuld daran, das bringt die aktuelle Situation mit sich. Und da sollen wir nun alle in einen fairen Wettbewerb treten?

Die Teams der zweiten Tabellen- Hälfte waren für einen Abbruch. Die obere Hälfte wollte schon immer weiterspielen - und hat sich durchgesetzt.

Mergenthaler: Es ist ja klar, dass es dann schnell heißt: Ihr macht das nur, damit ihr nicht absteigt. Eins wird dabei aber immer vergessen. Auch bei einem Abbruch ist doch nicht gesichert, dass man auf einem Abstiegsplatz in der 3. Liga bleibt. Und noch etwas anderes: Derzeit kann der Zehnte der Liga noch aufsteigen und will deshalb spielen, Wettbewerbsnachteile für andere interessieren da nicht. Ist das solidarisch?

Würde die SG denn einen Abstieg bei einem vorzeitigen Saison-Abbruch juristisch akzeptieren?

Mergenthaler: Darüber hätte man längst schon in der gesamten Liga diskutieren müssen. Man hätte sagen können: Wir probieren es trotz ungleicher Voraussetzungen, wieder einen Spielbetrieb hinzubekommen, bei einem Abbruch verfahren wir dann so oder. Dafür wäre der DFB-Bundestag am nächsten Montag der richtige Ort gewesen - aber es gibt keinen Antrag zu diesem Thema, das wird dort nicht auf der Tagesordnung stehen. Über die Wertung bei Abbruch soll vielmehr der DFB-Vorstand entscheiden. Grundsätzlich kann es unserer Auffassung nach bei einem Abbruch keine Absteiger geben, weil man niemand benachteiligen darf, wenn er die Saison sportlich nicht zu Ende bringen kann.

Ist die SG Sonnenhof für eine zweigleisige 3. Liga, die als Option ins Spiel gebracht wurde?

Mergenthaler: Kurzfristig sehe ich dafür keine Chance. Viele Clubs haben doch eh schon ein auf Kante genähtes Budget und wollen dann noch künftig mit weniger TV-Geld auskommen? Das erachte ich für unrealistisch.

Für welche Liga plant die SG Sonnenhof angesichts von 12 Punkten Rückstand zum rettenden Ufer?

Mergenthaler: Unser Sportvorstand Joannis Koukoutrigas plant zweigleisig. Wie bei vielen anderen Teams in der Liga auch, laufen etliche Verträge bei uns zum 30. Juni aus. Wir hätten am 1. Juli eigentlich noch zwölf Spieler zur Verfügung. Für ein paar Tage Saisonverlängerung lassen sich Lösungen finden. Für einige Wochen würde das schwierig werden.

Welche Lehren zieht die SG aus der sportlich schlechtesten Saison seit vielen Jahren?

Mergenthaler: Wir müssen wieder auf unsere DNA setzen, die hat uns stark gemacht. Beispielsweise werden wieder voll auf das duale System mit Fußball und Beruf setzen, dafür haben wir ein neues Konzept entwickelt und es wird enge Kooperationen mit Arbeitgebern in der Region geben.

Zur Person

Philipp Mergenthaler ist seit fünf Jahren Präsidiumsmitglied beim Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach und Teil des siebenköpfigen Vorstands. Der 38-jährige Diplom-Betriebswirt ist zudem seit rund zwei Jahren Geschäftsführer des selbsternannten Dorf-Clubs (Marketing und Medien), Geschäftsführer der Bergrecords GmbH (dem Label von Andrea Berg) und geschäftsführender Gesellschafter der Ferbermarketing GmbH.

Florian Huber
Den Neustart im Visier: Auf Timo Röttger und seine SG Sonnenhof Großaspach warten stressige Wochen.
Den Neustart im Visier: Auf Timo Röttger und seine SG Sonnenhof Großaspach warten stressige Wochen. (Foto: imago images/Pressefoto Baumann)

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