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Wie die Freiwilligen von Hoffenheim werkeln

Viele fleißige Helfer im Hintergrund sorgen für den reibungslosen Ablauf einer Partie der Fußball-Bundesliga. Für viele ist es quasi der sechste Arbeitstag der Woche, die Tätigkeit auch mal stressig. Warum tun sie sich das zweiwöchentlich an?

Auf ihr Kommando schnellen 40 Kinder-Daumen in die Höhe. Anna-Lena Hotel lächelt, die Einlaufkinder an der Eckfahne tun es ihr nach. Sieht ja auch viel schöner aus auf den Fotos. In der feuchten Januar-Kälte fällt das Posieren schwer. Aufgeregt fiebert der Nachwuchs um 14.30 Uhr dem Anpfiff in einer Stunde entgegen. Für die sieben, acht Jahre alten Kids ist es ein einmaliges Erlebnis. Anna-Lena Hotel hingegen ist alle zwei Wochen hier.

Die 27-Jährige kümmert sich seit bald zehn Jahren um die Einlaufkinder, die vor jedem Heimspiel der TSG 1899 Hoffenheim die Bundesligaspieler aufs Feld begleiten. Warum? "Ich bin halt Hoffenheim-Fan", sagt sie. "Ich habe erst in anderen Bereichen mitgeholfen. Dann hieß es: Du bist doch gelernte Erzieherin."

Der sechste Arbeitstag der Woche

Rund 40 ehrenamtliche Freiwillige, sogenannte Volunteers, sind bei jedem Heimspiel der TSG 1899 Hoffenheim im Einsatz. Sie bringen Werbetafeln und Banner an, sie reichen den Journalisten bei der Pressekonferenz Mikrofone, verteilen ein Info-Faltblatt an die Zuschauer am Eingang. Fleißige Helferlein, auf deren Jacken der Schriftzug "Volunteers" prangt. Einige sind schon seit mehr als zehn Jahren dabei.

Für manche ist es ein Acht-Stunden-Tag, der sechste Arbeitstag der Woche sozusagen. Er beginnt an diesem Samstag um 12.30 Uhr in einem kleinen Raum der Sinsheimer Pre-Zero-Arena, direkt nebenan wird später der Gästebus von Eintracht Frankfurt parken. Belegte Brötchen stehen auf einem Tisch. "Alle kennen ihre Aufgaben ganz genau", sagt Isabella Budig aus Massenbachhausen: "Wir schätzen sehr, was sie für uns tun."

Sie und Christoph Kraatz sind hauptberuflich hier. Budig ist Assistentin in der Medienabteilung, Kraatz arbeitet im Teammanagement. Beide kümmern sich um die helfenden Hände der TSG Hoffenheim. Sie planen, koordinieren, delegieren. Um kurz vor 15.30 Uhr steigt der Puls bei den Einlaufkindern.

Nicht immer klappt alles

Manche plappern ohne Unterbrechung, andere verharren vor ihrem Debüt auf Erstligarasen wie in Schockstarre. Trotz der Routine klappt nicht immer alles. Kurz vor Weihnachten lief ein BVB-Profi ohne Kind an der Hand aufs Spielfeld. Dieses Mal geht nix schief. Ein Mädchen verliert auf dem Weg zurück in die Katakomben seine Kappe. Schnell ist das Malheur behoben. Anna-Lena Hotel geleitet die Kinder und ihre Betreuer noch zu ihren Plätzen. Dann darf auch sie tun, weshalb 30.000 weitere Menschen heute hier sind: Fußball schauen.

Die Hoffenheimer Kicker verdienen Millionen, die Helfer: nix. Identifikation, Loyalität und Einsatz bei ihnen ist so groß, dass sie darüber hinwegschauen. Als "unerlässlich", bezeichnet Christoph Kraatz die Helfer. Alle Freiwilligen bei der TSG 1899 Hoffenheim bekommen eine Dauerkarte. "Es ist uns wichtig, dass sie immer das Spiel komplett sehen können", betont Kraatz: "Denn auch deshalb helfen sie ja mit."

Zur kostenlosen Dauerkarte gesellt sich das eine oder andere Bonbon. Im Januar waren die Helfer zu einem Eishockey-Spiel der Mannheimer Adler eingeladen. Einmal pro Saison geht es gemeinsam im Bus zu einem Hoffenheimer Auswärtsspiel. Zudem spendiert der Verein alle zwei Jahre neue Arbeitskluft.

Das Drumherum im Blick behalten

Der Herr über rund 15 Helferlein im Innenraum heißt Alpaslan Salman. "Für mich ist es eine schöne Abwechslung zum Job, da sitze ich sonst nur in Meetings", sagt der Mann, den jeder hier nur Alpi nennt. Ein kleines schwarzes Walkie-Talkie ist sein Erkennungszeichen. Er koordiniert den Aufbau der mobilen Werbetafeln. Dazu gehören kleine Banden, die Teppiche neben dem Tor. Das Banner im Tor.

Das alles fehlt um 13.20 Uhr noch. Niemand darf jetzt den heiligen Rasen betreten. Für den Videobeweis werden kalibrierte Linien gezogen, damit Abseits beim Videobeweis auch wirklich Abseits ist. Um 13.50 Uhr ist der Rasen freigegeben. "Selbst wenn ich privat in einem Stadion bin, schaue ich mittlerweile mehr auf das Drumherum", sagt der Mann aus dem Odenwald.

Rauscht beim Tackling einer der Bundesliga-Kicker in die Werbetafel, muss diese wieder schnell an Ort und Stelle. Ein Einsatz für Alpi und sein Walkie-Talkie.

Eine gewisse Diskretion wird erwartet

Felix Benz aus Eberbach ist Teil des Videoteams, er filmt für die Stadion-Show. Zwei Stunden vor Spielbeginn verlegt er Kabel, stöpselt Kameras an, testet Mikrofone. "Technisches Verständnis ist nicht von Nachteil", sagt der 31-Jährige, während er das Signal zum Ü-Wagen draußen vor dem Stadion herstellt. Sein Highlight: Beim Einzug in die Champions League im Mai 2018 war er bei den Feierlichkeiten mit der Kamera auf der Schulter unter den Spielern. Das ist aber die große Ausnahme.

Jubeln über Hoffenheimer Tore, das ist erlaubt. Die Akteure um Autogramme fragen, das ist hingegen tabu. "Alle wissen, dass sie näher dran sind als andere, aber eine gewissen Diskretion ist wichtig", sagt Christoph Kraatz.

Studenten, Rentner, Angestellte, ein Polizist. Wie in einem vollen Bundesligastadion ist auch bei den Volunteers alles dabei. Etliche kommen aus dem Kraichgau, Sinsheim, Heilbronn. Vor Jahren reiste sogar jemand alle zwei Wochen aus Nordrhein-Westfalen an. Da ist Sinsheim für Helfer aus der Region wesentlich naheliegender.

Auch für Journalisten gibt es Ansprechpartner

Der Alterspräsident zum Beispiel, Mit-Siebziger Ulrich Eckert, kommt aus Leingarten. Seit Jahren schon ist er die erste Anlaufstelle für die Journalisten. "Wir spenden Trost, wenn draußen auf der Autobahn mal wieder Stau und Chaos herrschen", sagt Eckert und lacht. Seit 12 Uhr ist er mit seinen Kollegen anwesend. Auf ihrer To-do-Liste: TV-Monitore auf den Presseplätzen anschrauben, den Fotografen ihre Leibchen ausgeben. Eine Stunde vor Spielbeginn verteilen sie die Zettel mit den Aufstellungen an die Journalisten, sind Ansprechpartner für Probleme mit dem WLAN.

"Bei allem Spaß: Man muss schon auch ein ausgeprägtes Helfersyndrom haben", sagt Heiko Weis aus Kraichtal. "Der Zusammenhalt ist groß. Wir gehen auch mal privat Pizza essen", ergänzt Eckert.

17.45 Uhr: Pressekonferenz. Heiko Weis reicht den Fragestellern die Mikrofone. Alpaslan Salman verräumt derweil mit seinen Kollegen die mobilen Werbebanner und Teppiche auf Wägelchen im Stadionbauch. Weis und Co. schrauben die Fernseher ab. Bis in zwei Wochen wieder.

Florian Huber

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