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So will Matarazzo den VfB zurück in die Bundesliga führen

13 Trainer hat der VfB Stuttgart seit 2013 verschlissen. Pellegrino Matarazzo ist der neue Mann im Schleudersitz des deutschen Profifußballs. Jetzt stellt er seine Pläne vor.

Thomas Hitzlsperger flüchtete sich in Sarkasmus: "Es ist immer wieder aufregend, einen neuen Trainer kennenzulernen", sprach der Stuttgarter Sportvorstand am Dienstagnachmittag in die große Journalistenrunde hinein. "Ihr habt da ja auch Übung darin", sagte er dann zu den Pressevertretern.

Diese Übung haben auch alle anderen, die sich für den Verein für Bewegungsspiele interessieren. Dem Mann neben Hitzlsperger scheint derweil die tiefstehende Wintersonne ins Gesicht. Wenn das mal kein gutes Omen ist. Ganz in Schwarz präsentiert sich Pellegrino Matarazzo als neuer Trainer des VfB Stuttgart. Klar strukturiert und völlig unprätentios tritt er dieses Amt an.

Vorgänger Tim Walter sagte einen fatalen Satz

Ein Stockwerk tiefer saß einst sein Vorgänger Tim Walter, Anfang Oktober war es. Noch gar nicht so lange her. Sechs Siege und zwei Unentschieden aus den ersten acht Zweitligaspielen hatte er im Rücken und sprach jenen fatalen Satz aus: "Uns kann keiner ein Bein stellen." Drei Monate später wird ein Walter-Nachfolger vorgestellt, dem solch ein Satz wohl nie im Leben über die Lippen kommen wird. "Natürlich habe ich Respekt. Wäre ich überheblich, dann würde ich Gefahren nicht erkennen", sagt Matarazzo über seinen Platz auf einem der Schleudersitze im deutschen Profifußball.

13 Trainer hat dieser Verein seit 2013 verschlissen. Ob er sich Infos aus der Branche übern VfB Stuttgart eingeholt habe, wird der Neue gefragt. "Wir haben es ihm verboten", grätscht Hitzlsperger grinsend dazwischen. "Ein Topverein, viel Druck", das ist Matarazzo in Sachen VfB zu Ohren gekommen. Den Druck hat nun vor allem er als Cheftrainer- und Zweitliga-Neuling.

Auch ihn werden nur viele Siege und der Bundesliga-Aufstieg im Amt halten, das weiß der 42-Jährige selbstverständlich. "Unser Ziel ist klar, aufzusteigen. Ich mag das Wort muss aber nicht. Aktuell spüre ich keinen Druck", sagt er, dem klar ist: "Wir werden sehen, wie es ist, wenn es nicht läuft." Offen, ehrlich, kommunikativ, sei er, sagt Matarazzo über Matarazzo. Mit diesem Führungsstil will er den VfB zurück in die Bundesliga führen.

Nachgefragt bei Julian Nagelsmann

"Ich würde mich als optimistischen Realisten bezeichnen. Ich denke nicht daran, was schief gehen kann, sondern was wir zusammen erreichen können", sagt Matarazzo. Erstmals ist er Cheftrainer im Profibereich gefordert, in der Jugend war er das in Nürnberg (U19) und Hoffenheim (U17). "Profis muss man mit Inhalten überzeugen", lautet sein Credo. Bei Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat hat das geklappt. Das VfB-Führungsduo fragte in Sachen Matarazzo bei Julian Nagelsmann nach.

"Es war eine schöne Bestätigung und hilfreich, seine Meinung zu hören", sagt Thomas Hitzlsperger über den Trainer des Bundesliga-Tabellenführers, unter dem Matarazzo anderthalb Jahre als Co-Trainer bei der TSG Hoffenheim wirkte. Jetzt wird der TSG-Co zum VfB-Chef. "Es war nie eine Frage, ob ich Cheftrainer werde, sondern wann", sagt Matarazzo, der einst ein Angebot als Zweitligatrainer abgelehnt hatte: "Ich fühle mich bereit."

Der Kader soll sich nicht ändern

Das Kennenlernen hier in Stuttgart und ab Freitag im zehntägigen Trainingslager in Marbella soll schnell gehen. Matarazzo will mit jedem Profi ein Einzelgespräch führen. Große Veränderungen im Stuttgarter Aufgebot wird es nicht geben. "Ich bin aktuell glücklich mit dem Kader", sagt Matarazzo, schiebt aber sogleich nach, dass sich trotzdem einiges ändere: "Wir werden sicherlich viele Sachen infrage stellen."

In Hoffenheim war der Italo-Amerikaner zuletzt als Übergangstrainer für die Heranführung der Talente aus der U17, U19 und U23 in den Profibereich zuständig. In Stuttgart sind diese Fähigkeiten als Talententwickler ebenfalls gefragt, wie Sportdirektor Sven Mislintat betont. Wichtiger als einzelne Talente nach oben zu führen ist das große Ganze, die Erstligarückkehr des VfB, weshalb auch Thomas Hitzlsperger sagt: "Wir haben gerade andere Prioritäten."

Dass sich Prioritäten schnell verändern, das weiß auch der neue VfB-Trainer aus eigener Erfahrung. Die Karriere als Investmentbanker in New York opferte der studierte Mathematiker einst für den Fußball, weil er sich nicht vorstellen konnte, jeden Tag im Büro zu sitzen. Deshalb kickte er lieber in der deutschen Oberliga. Schritt für Schritt hat ihn sein Weg nun vorerst bis in die 2. Liga geführt. Einen VfB-Trainingsanzug in seiner Größe hat der Trainer mit Schuhgröße 47 auch schon. Keine Selbstverständlichkeit angesichts eines Gardemaßes von stattlichen 1,97 Meter. "Die langen Hosen sind meistens zu kurz", sagt Matarazzo und lacht. Noch viel wichtiger für den VfB ist, dass der Trainer Pellegrino Matarazzo zum Verein passt.

Florian Huber

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