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Warum Kürnbachs Trainer Kreuzer nicht aufgegeben hat

Nach dem sensationellen Klassenerhalt in der Vorsaison steckt Fußball-Landesligist TSV Kürnbach nun in der Krise: Er hagelte zuletzt mehrere deutliche Niederlagen. Im Interview verrät Trainer Daniel Kreuzer, wie nah er am Aufgeben war und warum trotzdem noch da ist.

In der Vorsaison feierte der TSV Kürnbach mit dem Klassenerhalt in der Landesliga Rhein/Neckar den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. In der neuen Saison hagelte es eine Niederlage nach der anderen, Tiefpunkt war das 0:11 in Neuenheim. Klar, dass sich auch Trainer Daniel Kreuzer Gedanken machte.

Herr Kreuzer, Hand aufs Herz: Wie nah waren Sie in den letzten Wochen dran, alles hinzuschmeißen?

Daniel Kreuzer: Ich war nah dran, habe mir nach dem 0:11 viele Gedanken gemacht. Dadurch, dass es ein Auswärtsspiel war, hast du im Auto lange Zeit, dich selbst zu reflektieren und zu fragen, wie so was zustande kommt. Zumal wir gegen keinen Bundesligisten gespielt haben - und elf gegen elf auf dem Platz standen. Da darf das nicht passieren. Und du hinterfragst dich, fragst, ob du deine Spieler noch erreichst.

Warum haben Sie nicht hingeschmissen?

Kreuzer: Ich habe mit meinem Vorstand (Marcel Genc, Anmerkung d. Redaktion) gesprochen, habe ihn gefragt, ob es an mir liegt, ob eine Unzufriedenheit herrscht - oder es am Training liegt. Er hat gesagt, dass er einen Teufel tun und mich jetzt feuern wird . Dafür haben wir zu viel zusammen erlebt. Er hat auch gesagt, dass die Klasse hoch ist für uns, vielleicht einen Tick zu hoch. Das Abenteuer Landesliga ist für unseren Verein kein Zuckerschlecken.

Zur Person: Seit nunmehr acht Jahren ist der gebürtige Karlsruher Daniel Kreuzer Trainer beim TSV Kürnbach. Und es sieht danach aus, als würde es der ehemalige Oberliga-Kicker bleiben. Trotz der schwierigen Phase, in der Kürnbach gerade steckt, befinden sich Kreuzer und der Verein in Gesprächen über eine Vertragsverlängerung des 43-Jährigen.

Hätten Sie denn verstanden, wenn der Verein sie entlassen hätte?

Kreuzer: Wenn man so lange dabei ist wie ich im Fußball, muss man damit rechnen. Man sieht es ja täglich in der Bundesliga. Wenn Erfolg ausbleibt, ist der Trainer das schwächste Glied.

2:9, 0:5, 1:6 und 0:11: Was machen so deutliche Pleiten mit einem Fußballer und Trainer?

Kreuzer: Fakt ist: Letztes Jahr hatten wir nur fünf Punkte zur gleichen Zeit, jetzt haben wir sechs (lacht). Es ist noch immer alles möglich und wir werden weiter alles geben. Dass die Ergebnisse natürlich nicht befriedigend sind, dass alles zu viel ist, dass wissen wir alle. Wer will schon nach den wenigen Spielen 65 Gegentore haben? Es ist aber, wie es ist.

Zumal dem 0:11 ein 4:1-Erfolg gegen Tabellenführer Bammental folgte...

Kreuzer: Da haben wir gezeigt, dass mit dem TSV Kürnbach trotzdem zu rechnen ist. Dass es keine Mannschaft ist wie letztes Jahr Hemsbach, wo dann alle Spieler weggegangen sind und der Verein abmelden musste. So wird es bei uns nicht sein. Der letzte Sonntag hat bewiesen, dass die Mannschaft noch lebt, dass sie Geist hat. Und vielleicht gibt uns der Sieg Auftrieb für die kommenden Aufgaben, speziell zu Hause.

Was war denn plötzlich anders?

Kreuzer: Wir haben alle im Kollektiv zusammengearbeitet. Jeder hat sein Ego beiseite gestellt und für das Team gearbeitet. Wenn du zwei, drei hast, die ihre eigene Suppe kochen, ist es immer schwierig. An dem Tag hat einfach alles gepasst. Die Jungs sind marschiert, wie es sich für diese Klasse gehört.

War das für Sie ein Beleg, dass Sie Ihr Team noch erreichen?

Kreuzer: Klar, das war ein Zeichen. Wir hatten vor dem Spiel eine längere Besprechung und auf dem Platz habe ich dann eine Mannschaft gesehen, die dem Trainer folgt.

Haben Sie das Spiel zur Charakterfrage erklärt?

Kreuzer: Nein. Die Mannschaft hat Charakter, immer. Auch nach einem 0:11 stelle ich den nicht infrage. Dafür arbeiten wir auch schon zu lange zusammen.

Was bedeutet das jetzt, wo steht Kürnbach tatsächlich?

Kreuzer: Die Tabelle lügt nicht. Es wird schwierig für uns. Keine Frage. Ich denke auch, wenn wir jetzt zehn Mal gegen Bammental gespielt hätten, hätten wir auch nur ein Mal gewonnen. Wir nehmen das mit - sind aber reflektiert genug um zu wissen, dass es ein schwieriges Jahr wird.

Am Wochenende wartet mit St. Leon wieder ein Schwergewicht. Wird das eher ein 0:11 oder ein 4:1?

Kreuzer: Da wir da auf Kunstrasen spielen und uns dieser Platz nicht so liegt und wir eher eine kämpferische Truppe sind, sind wir da krasser Außenseiter. Alles andere als eine Niederlage wäre ein Erfolg.

Stephan Sonntag
Seit acht Jahren gibt Daniel Kreuzer beim TSV Kürnbach die Kommandos, sagt, wo es lang geht. Nach mehreren Klatschen war der 43-Jährige aber ins Grübeln gekommen.
Seit acht Jahren gibt Daniel Kreuzer beim TSV Kürnbach die Kommandos, sagt, wo es lang geht. Nach mehreren Klatschen war der 43-Jährige aber ins Grübeln gekommen. (Foto: Archiv/Klaus Krüger)

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