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Der Erfolg ist der Kitt des VfB

Die Stuttgarter Zweitliga-Fußballer peilen mit 29 Profis den Aufstieg an, Anastasios Donis gehört dem Kader nicht mehr an.

Die Meinungen gehen auseinander. Ein Reporter sagte nach einem äußerst unterhaltsamen Zweitliga-Abend im Gespräch mit Anthony Losilla, dem Kapitän des VfL Bochum: "Das Spiel hätte 6:6 ausgehen können." Drei Meter weiter war Sven Mislintat, dem Sportdirektor des VfB Stuttgart, wichtig mitzuteilen: "Das Spiel muss 4:2 ausgehen." Er erklärte das kleine Spektakel so: Trainer Tim Walter "möchte lieber 4:2-Spiele sehen als ein 1:0".

Das dritte Heimspiel endete am Montag allerdings mit einem zweideutigen 2:1 - genau wie die beiden zuvor gegen Hannover 96 und den FC St. Pauli. Die Frage muss also an der ersten Wegmarke, der sogenannten Länderspielpause, nach vier Ligaspielen sowie einer Pokal-Partie lauten: Wo steht der neue VfB Stuttgart?

Didavi: Wir verlieren noch zu häufig den Ball

Auf Platz zwei, mit elf Punkten. Kapitän Daniel Didavi sagte es so: "Wichtig ist, in der Tabelle gut dazustehen und vor allem zu Hause die Punkte geholt zu haben." Das sorgt für Ruhe. Die bei Spielen des VfB im Publikum aber zu keiner Phase des Spiels aufkommen kann. "Wir verlieren noch zu häufig den Ball", lautete auch Didavis oberster Punkt auf der To-do-Liste. Tim Walter merkte zur Konter-Anfälligkeit der Seinen an: "Die Restfeldverteidigung hat nicht immer gut geklappt." Stimmt. Silvere Ganvoula (Walter: "Er hat meine komplette Abwehr vor Probleme gestellt") hätte alleine fünf Tore schießen können/müssen - traf aber tatsächlich nur ein Mal (40. Minute).

Solange die Ergebnisse stimmen, wie am Montag durch die Treffer von Daniel Didavi (19.) und Nicolas Gonzalez (48.) mehr Tore geschossen als kassiert werden, funktioniert alles beim VfB. Doch es ist ein wackliger Prozess - Alexander Zorniger sei erwähnt, der mit einem ähnlichen forschen Ansatz wie Tim Walter 2015 nach zehn Punkten in 13 Bundesligaspielen beurlaubt wurde.

Was ist, wenn es im 29 Profis großen Kader rumort?

Nein, Tim Walter ("Unser fußballerischer Ansatz ist gut") wackelt nicht. Aber alles könnte schnell ins Wackeln geraten. Wenn es im 29 Profis großen Kader rumort. Wenn die Entwicklung in der wichtigen Phase bis zum Auswärtsspiel am 14. September bei Jahn Regensburg nicht weitergeht.

"Es ist alles noch nicht so stabil", sagte Daniel Didavi. Das sei normal, weil man eine völlig neue Spielweise habe: "Ballbesitz ist heilig bei uns." Nur ist der Konkurrenz nichts heilig, stellt sich hinten rein und spielt auf den einsamen Solisten vorne lange Bälle. Didavi: "Daran müssen wir uns noch gewöhnen." Und lernen, aus den knapp 80 Prozent Ballbesitz wie in der ersten Hälfte gegen Bochum mehr Tore zu machen.

Nur fünf Spieler befinden sich auf Länderspielreise

Lediglich fünf VfB-Profis sind die nächsten Tage auf Länderspielreise. "Das ist gut", sagte Daniel Didavi. So kann weiter wachsen, was Sven Mislintat schon jetzt gefällt: "Wir haben eine richtig geile Gruppe. Die Mentalität ist da, auch wenn wir nicht den besten Tag haben." Der Manager sah geschafft aus, was aber nicht am Heimspiel des VfB lag. Am Montagabend zog Mislintat nach 20 Zu- und 18 Abgängen einen Schlussstrich: das Transferfenster ist zu, Anastasios Donis (Stade Reims) ist weg.

Ab sofort ist auch Sven Mislintat für ein paar Tage weg: Urlaub. 29 Profis umfasst nach seiner vorerst getanen Arbeit der Kader des VfB. Das ist Segen - wenn eine Einwechslung wie die von Nicolas Gonzalez sofort einen (Tor-)Effekt hat. Das kann ein Fluch werden - wenn disziplinarische Maßnahmen nötig sind wie bei Santiago Ascacibar. Weil der Argentinier unzufrieden ist, wechseln wollte? "Das bleibt intern", sagte Walter nur. Mislintat ergänzte: "Es ist nichts Weltbewegendes." Hauptsache Platz zwei.

Walter: Jeder muss sich dem Leistungsprinzip unterordnen

Das Ziel der Schicksalsgemeinschaft VfB Stuttgart ist klar: Mit diesem Kader muss der Aufstieg her. "Jeder muss sich dem Leistungsprinzip unterordnen", stellte Tim Walter noch einmal klar. "Die Mannschaft geht gut damit um. Die Spieler wissen, dass wir, um den Aufstieg schaffen zu können, Qualität im Kader brauchen." Stimmt. Ob dafür aber tatsächlich 29 Spieler notwendig sind? Da gehen die Meinungen auseinander. Sicher ist: Der Erfolg ist der Kitt dieser Mannschaft.

Lars Müller-Appenzeller
Die Korrekturen: Trainer Tim Walter muss immer wieder eingreifen.
Die Korrekturen: Trainer Tim Walter muss immer wieder eingreifen. "Ballbesitz ist heilig bei uns", sagt Kapitän Daniel Didavi.

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