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Auserwählt als Lebensretter

Sven Palinkasch vom VfB Eppingen setzt für eine Stammzellenspende mit Fußball aus.

Bloß wieder weg hier. Das wollte sich Sven Palinkasch nicht länger geben. Mit eher mäßiger Laune schaute der Fußballer am Samstag beim Trainingsauftakt des VfB Eppingen vorbei. Sah bei seiner Stippvisite, wie sich die Kollegen bei steigenden Temperaturen über den Kunstrasen an der Waldstraße quälten.

Bei der Begrüßung gesellte sich Palinkasch kurz zur Runde der rund 25 alten und neuen Mitspieler, sagte hallo, hörte zu. Das war es aber auch, dann war er wieder nur Zaungast, ein Zuschauer. Eine Rolle, die dem junge Dauerrenner mal so gar nicht liegt.

An diesem Mittwoch geht es nach Tübingen

Was das Zuschauen umso schwerer machte: Palinkasch ist eigentlich fit, absolut gesund, bereit, um seinen Platz im Team zu kämpfen. Aber er darf nicht. "Ich könnte es auch mit meinem Gewissen nicht vereinbaren", sagt er. Denn Palinkasch ist auserwählt: Mit einer Stammzellen-Spende kann er ein Menschenleben retten. Diesen Mittwoch fährt er nach Tübingen, dort werden die Zellen in einem mehrere Stunden andauernden Verfahren aus dem Venenblut entnommen. Um sich auf die Transplantation vorzubereiten, ist neben einem Arztbesuch eine Vorbehandlung in Eigenregie notwendig.

Zwei Mal täglich spritzt sich der 20-Jährige einen Botenstoff unter die Haut, der bewirkt, dass die Stammzellen vom Knochenmark ins Blut transportiert werden. Die erste gab es am Samstagmorgen, kurz vor dem Trainingsstart. Da sich bei der Behandlung die Milz enorm vergrößert, ist Sport verboten. "Die Gefahr eines Milzrisses ist zu groß", erklärt Palinkasch.

Als Schüler hatte er sich typisieren lassen

Er spürt die Verantwortung, die er vorübergehend für zwei hat. Vor ein paar Jahren hatte er sich typisieren lassen: Die Nichte eines Schulfreundes war an Leukämie erkrankt. "Ich habe nie daran gedacht, dass es mal passen könnte", sagt er. Dabei war sein Onkel schon zwei Mal für eine Spende infrage gekommen.

Im April wurde Palinkasch dann informiert, dass es eine Übereinstimmung gibt, für den Mai war die Spende angesetzt. Das passte auch mit dem Fußball gut, die Saison war fast rum, der VfB hatte alle Ziele erreicht. Also verabschiedete sich Palinkasch von den Kollegen, um doch zurückzukommen.

Auf einmal macht er sich viele Gedanken

"Am Abend vor der ersten Spritze hat man mir gesagt, dass es dem Patienten schlecht geht und alles verschoben werden muss." Palinkasch nennt ihn den Patienten, da er den Erkrankten nicht kennt, nichts über ihn wissen darf. Trotzdem entstand zum Unbekannten eine Art Verbindung, Palinkasch machte sich viele Gedanken.

"Ich hatte mich mit dem Thema bis dahin nie beschäftigt." Aber nun schon. Sogar beim Autofahren dachte er darüber nach, achtete bewusster auf die Geschwindigkeit. "In erster Linie wäre zwar mir was passiert. Aber indirekt auch dem Patienten." Plötzlich war da war einer, der große Hoffnungen in den Fußballer setzte. Es ging nicht um Tore, Taktik, Trallala. Nicht um Freundschaft, Schule, Ausbildung. Nicht um die Familie. Es geht um ein Menschenleben.

Er fühlt sich nicht als Held

Um ja nichts zu riskieren, verzichtete der Kicker sogar auf seinen Urlaub. Blieb zu Hause. Weil er es richtig machen will. Als Held aber fühlt sich Palinkasch keineswegs. Dafür sei alles viel zu surreal. "Ich habe nicht das Gefühl, ein Menschenleben zu retten." Abgesehen davon, sei das Risiko für ihn selber gering. Zu gering für einen Heldenstatus, findet er. So sehr ihm der Fußball fehlt: Palinkasch wäre auch im Fall einer erneuten Verschiebung nicht abgesprungen, hätte ein weiteres Mal der Spende zugestimmt.

"Ich ziehe vor ihm meinen Hut", sagt sein Trainer David Pfeiffer, der weiß, dass die Zeit ohne Fußball für Sven Palinkasch ein großer Verzicht ist. "Er ist ein Fußballverrückter im positiven Sinn. Aber es gibt kaum einen besseren Grund, auf Fußball zu verzichten." Zumal er ihm auch nicht wegläuft.

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Deren einzige Chance auf Heilung: eine Stammzellspende. Die DKMS, eine gemeinnützige Organisation, hat sich dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben, sie vermittelt Stammzellenspenden. Sich als Spender registrieren zu lassen, ist denkbar einfach: Es reicht ein Wangenabstrich mittels Stäbchen. Weitere Informationen unter www.dkms.de.

Von Martin Peter
Sven Palinkasch verzichtet zwei, drei Wochen lang auf Fußball, weil er Stammzellen spendet.
Sven Palinkasch verzichtet zwei, drei Wochen lang auf Fußball, weil er Stammzellen spendet. (Foto: Ralf Seidel)

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