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Zwölfminütiges Erweckungserlebnis für 1899

Fußball-Bundesligist Hoffenheim beweist in Dortmund Mentalität und Moral - TSG macht so aus einem 0:3 noch ein 3:3-Unentschieden.

Beim ersten Hoffenheimer Tor in Minute 75 fiel die Freude noch sehr dezent aus. Julian Nagelsmann bekam die Hände kaum aus den Taschen seines Parkas. War ja auch ungemütlich, stürmisch, nasskalt. Zwölf Minuten später setzte der Trainer der TSG 1899 zum Jubelsprung an. Co-Trainer Pellegrino Matarazzo stand auf dem Spielfeld und fasste sich dabei ungläubig an den Kopf. Eine Geste, die nach diesem 3:3-Ausgleich signalisierte: Wer hätte das bloß gedacht? Was ist hier denn los?



Bis zur 75. Minute lagen die Kraichgauer bei Borussia Dortmund 0:3 zurück. Nach 87 Minuten ballten sie wie Julian Nagelsmann nach dem 3:3 die Comeback-Fäuste. "So aufzuholen, das fühlt sich fast wie ein Sieg an", sagte Torwart Oliver Baumann in den Katakomben der Dortmunder Arena.



Kaderabek spricht Klartext



45 Minuten lang hatte Hoffenheim keine Chance. Wie schon gegen die Bayern zum Rückrundenstart wollte Hoffenheim abwartender agieren, mehr auf Konter setzen. Wie beim 1:3 gegen München ging diese Herangehensweise nach hinten los. "Wenn wir so tief stehen und warten, dann spielen wir schlecht", sprach Pavel Kaderabek Klartext.



"Wir waren viel zu passiv, haben viel zu viele Räume hergeschenkt", meinte Stefan Posch. Verschlafen habe man die erste Hälfte, sagte Kaderabek. Der BVB kam verdient zu einem 2:0 durch Jadon Sancho (32.) und Mario Götze (43.). "Wir wurden eine Viertelstunde auseinandergeschraubt", rekapitulierte Alexander Rosen, der Sportdirektor. Auseinandergeschraubt ging es in die Pause. Anders zusammengesetzt danach weiter. Ruhig sei es in der Hoffenheimer Kabine in der Pause gewesen, versicherten die Protagonisten hinterher. Dennis Geiger und Ishak Belfodil kamen für Kerem Demirbay und Andrej Kramaric - und mit ihnen die Wende in Sachen Aggressivität und Tempo.



Nagelsmann: Chancen für sechs Tore



Die Kraichgauer attackierten weiter vorne, standen höher, was zu vielen Ballgewinnen führte. "Wir hatten Chancen für fünf, sechs Tore", sagte Julian Nagelsmann. Lange blieb all das Positive ungenutzt. Im Gegenteil: "In der größten Druckphase von uns trifft der Gegner. Das ist normalerweise der absolute Bruch im Spiel", meinte Nagelsmann über das 3:0 von Raphael Guerreiro (66.). "Da denkst du kurz, ach du scheiße", erinnerte sich Ermin Bicakcic.



Der Bruch im Spiel, er kam - aber nur bei Dortmund. Jadon Sancho setzte das mögliche 4:0 nach 75 Minuten vor der gelben Wand an den Pfosten. Im Gegenzug traf Ishak Belfodil zum 1:3. Pavel Kaderabek köpfte nach einer Grillitsch-Flanke das 2:3 (83.), ein Geiger-Freistoß nach 87 Minuten landete erst auf dem Kopf von Belfodil, dann zum 3:3 im Tor. Die Hoffenheimer sind Remis-Meister in dieser Saison. Aber anders als sonst waren darüber alle Beteiligten glücklich.



Diese zwölf Minuten mit den drei TSG-Toren wurden hinterher in Sachen Moral und Mentalität zur Beweisführung über den Status quo herangezogen. Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Düsseldorf lag der Verdacht nah, dass etwas faul sein müsse im Staate Hoffenheim. Der Trainer beschwerte sich über die Trainingseinstellung der Profis in Sachen Auslaufen. Nadiem Amiri (diesmal 90 Minuten auf der Bank) klagte über den Trainer. Unruhige Zeiten? Das Binnenverhältnis von Mannschaft zu Trainer sei intakt, betonte nun Alexander Rosen: "So eine zweite Hälfte ist nicht möglich, wenn da teaminterne Prozesse am Faulen sind. Dann bricht man weg."



Hoffen auf den Energieschub



Diese epische Aufholjagd zum 30. Punkt im 21. Spiel soll nun alles besser machen. "Solche Momente können einer Mannschaft einen richtigen Energieschub geben", sagte Rosen. Hoffnung macht auch ein Blick zurück. Am zweiten Spieltag der Saison 2016/17 machte Hoffenheim aus einem 1:4 in Mainz noch ein 4:4. Die TSG blieb danach die ganze Hinrunde ungeschlagen - und war am Saisonende Vierter. Auf ein ähnliches Erweckungserlebnis hoffenheimt nun der Verein. "Ich hoffe, das trägt uns für die nächsten Spiele", sagte Oliver Baumann. "Es geht darum, das jetzt auch zu bestätigen", mahnte Julian Nagelsmann. Am nächsten Samstag kommt Hannover 96, der Tabellenvorletzte. Mit einem Punkt ist dann niemand zufrieden.


Von Florian Huber
Triumphgeschrei: Joelinton (li.) bejubelt mit Ishak Belfodil das Ausgleichstor.
Triumphgeschrei: Joelinton (li.) bejubelt mit Ishak Belfodil das Ausgleichstor. "So aufzuholen, das fühlt sich fast wie ein Sieg an", sagte Oliver Baumann. (Foto: dpa)

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